IKB-Verkauf an Lone Star Ein Schnäppchenpreis

Lone Star übernimmt zwar IKB-Risiken im Wert von drei Milliarden Euro. Doch der Verkaufserlös ist drastisch niedriger als die KfW erhofft hatte.

Die IKB heißt weiter IKB und bleibt, was sie ist: eine Mittelstandsbank, nur ohne Risiken. Der US-Finanzinvestor Lone Star, der die angeschlagene Bank nach monatelangen Verhandlungen übernommen hat, will den Namen und die Eigenständigkeit des Düsseldorfer Institutes erhalten. "Wir werden die bestehende Positionierung der Bank als Mittelstandsbank stärken und konsequent ausbauen", erklärte der Geschäftsführer von Lone Star Germany, Karsten von Köller. Personalabbau bei der IKB sei nicht "primäres Ziel".

Günther Bräunig (links), Vorstandsvorsitzender der IKB-Bank, Wolfgang Kroh, Vorstandssprecher der KfW-Bankengruppe (Mitte), und Karsten von Köller, Geschäftsführer der Lone Star Deutschland GmbH.

(Foto: Foto: dpa)

Bank zum Spottpreis

Lone Star übernimmt von der staatlichen KfW ein Aktienpaket von 90,8 Prozent. Die KfW sprach zwar von einem "angemessen positiven Kaufpreis." Doch die Erwartungen des Bundes, durch den Verkauf 800 Millionen Euro zu erlösen, erfüllten sich bei weitem nicht. Der Sprecher des Vorstandes der KfW Bankengruppe, Wolfgang Kroh, präzisierte: "Der Verkaufserlös lag im niedrigen dreistelligen Millionenbereich." Ein mit der Sache Vertrauter sagte jedoch der Nachrichtenagentur Reuters: "Der Preis liegt bei nur rund 100 Millionen Euro."

Außerdem werden laut Kroh "mit Abschluss der Transaktion noch weitere bilanzielle Belastungen für die KfW entstehen". Bis zum 31. Dezember beliefen sich die bilanziellen Gesamtbelastungen für die KfW aus der IKB-Krise auf 7,2 Milliarden Euro. Die neuen Belastungen betragen nach Angaben Krohs "nach aktueller Bewertung insgesamt nicht mehr als zehn Prozent" dieser Kosten. Weitere Einlagen des Bundes gebe es nicht. Die Gesamtbelastungen aus der IKB-Krise für die KfW bezifferte Kroh auf acht Milliarden Euro.

Lone Star übernimmt IKB-Risiken

Trotzdem betonte der KfW-Sprecher, dass für die staatliche KfW nach dem Verkauf keine "unüberschaubaren Risiken" mehr bestünden. Zwar habe die KfW zur Rettung der Düsseldorfer Bank "eine große Last auf sich genommen, sich aber nicht übernommen," sagte Kroh. "Wir stehen weiterhin auf einer soliden finanziellen Basis."

Lone Star übernimmt überraschend den größten Teil der Risiken aus den Portfolioinvestments der IKB. Lone Star werde Wertpapiere im Nominalwert von 3,3 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft auslagern und diese mit Kapital hinterlegen, sagte IKB-Chef Günther Bräunig. Auf die bisherige IKB-Großaktionärin KfW würden die restlichen Wertpapiere von 1,3 Milliarden Euro übertragen.

Nach dem beschlossenen Verkauf legten die IKB-Titel stark zu. Es werde nun vor allem auf das Pflichtangebot spekuliert, das den Aktionären in der Regel gemacht werden muss, sobald ein Käufer mehr als 30 Prozent der Aktien eines Unternehmens erwirbt, hieß es am Markt.

Aktie legt zu

Am Vormittag lagen die Papiere bei rund 3 Euro, ein Plus von gut elf Prozent. Zwischenzeitlich waren die Aktien sogar bis auf 3,35 Euro geklettert. Allerdings hatte die IKB-Aktie vor dem Finanzmarktdebakel mehr als 33 Euro gekostet.

IKB-Chef Günther Bräunig begrüßte den erfolgreichen Abschluss des Verkaufsprozesses: "Eine lange Phase der Unsicherheit ist beendet, und wir können jetzt die Zukunft planen." Die IKB hatte sich am Markt für faule US-Kredite verspekuliert und war nur dank Milliardenunterstützung vor der Pleite bewahrt worden. Abgeschlossen sein soll das Geschäft bis Oktober 2008.

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