IKB: Regress gegen Bankchefs Finanzkrise - Buße muss sein

Die Fehlspekulationen in der Finanzbranche führen zu ersten Maßregelungen: Die IKB fordert von ihren ehemaligen Vorständen Millionen zurück.

Von Martin Hesse, Daniela Kuhr und Klaus Ott

Die IKB, die Mitte 2007 wegen Fehlspekulationen in Milliardenhöhe beinahe pleitegegangen wäre und vom Staat gestützt werden musste, greift nun als erste Bank hart durch. Gegen Ex-Vorstandschef Ortseifen ist eine Klage auf Rückzahlungen von Tantiemen in Höhe von 805.000 Euro bei Gericht anhängig. Das bestätigte die IKB am Mittwoch der Süddeutschen Zeitung.

IKB: Nach der Milliardenpleite folgt nun die Strafe

(Foto: Foto: ddp)

Zwei weiteren Ex-Vorständen hat die Privatbank eine letzte Frist bis zum 31. Oktober gesetzt. Bis dahin sollen die beiden Manager 600.000 beziehungsweise 583.000 Euro zurückzahlen. Bei einem weiteren ehemaligen Vorstand, der 451.000 Euro erstatten soll, behält die Bank Pensionszahlungen ein.

Ein weiterer Manager, Claus Momburg, der dem Vorstand nach wie vor angehört, hat dagegen die Rückforderung akzeptiert und 558.000 Euro erstattet. Momburg ist offenbar der erste Bankvorstand, der in Zusammenhang mit den Fehlspekulationen eine solche Strafe akzeptiert hat.

Razzia bei der KfW

In Frankfurt durchsuchte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit Fahndern des Bundeskriminalamts die Staatsbank KfW. Die Strafverfolger ermitteln wegen Veruntreuung von Firmenvermögen gegen Vorstandschef Schröder und gegen fünf weitere Manager.

Sie stehen im Verdacht, für eine folgenschwere Panne verantwortlich zu sein: Die KfW hatte am 15. September im Rahmen eines Devisengeschäfts 319 Millionen Euro an die US-Investmentbank Lehman Brothers überwiesen, die am selben Tag Insolvenz anmeldete. Die Pleite von Lehman hatte sich bereits abgezeichnet. Der größte Teil der 319 Millionen Euro ist wohl verloren. Nach dieser Panne hatte der überwiegend von Politikern besetzte KfW-Verwaltungsrat zwei Vorstände fristlos entlassen.

KfW-Chef Schröder hatte damals zugegeben, dass die Zahlung hätte gestoppt werden müssen. Viele Bürger erstatteten Anzeige gegen die KfW. Die Ermittlungen richten sich gegen drei aktive Vorstände, unter ihnen Schröder, die beiden entlassenen Vorstände und den Leiter des Risikomanagements. Die Staatsanwaltschaft sucht Hinweise, ob die Beschuldigten ihre Pflichten verletzt haben, indem sie "trotz Kenntnis der sich abzeichnenden Liquiditätsprobleme bei Lehman die Überweisung vom 15. September 2008 nicht verhindert haben".

Ein KfW-Sprecher sagte, die Bank kooperiere bei der Untersuchung. Vorstandschef Schröder, der die KfW erst seit Anfang September führt, dringt darauf, die Bank künftig wie die privaten Banken der Aufsicht durch die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu unterstellen.

Die KfW wird 2008 zum zweiten Mal in Folge einen Jahresverlust ausweisen. Das liegt auch daran, dass die KfW bei der Rettung der IKB mit einem Milliardenbetrag einspringen musste. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Rettungsaktionen für die IKB, an der auch der Bund direkt beteiligt war, den Staatshaushalt 2007 mit 7,3 Milliarden Euro belasten. Das besagen Angaben des Statistischen Bundesamts.

Bei der Begrenzung von Managergehältern gerät die Regierung in Erklärungsnot: Während Vorstände von hilfesuchenden Banken grundsätzlich nur noch höchstens 500000 Euro verdienen sollen, erhält KfW-Chef Schröder mehr als 800000 Euro.

Nach dem Rücktritt von Ingrid Matthäus-Maier hatte der Verwaltungsrat der KfW das Gehalt des neuen Chefs fast verdoppelt. "Wenn Sie ausgezeichnete Fachleute haben wollen, die das Bankgeschäft verstehen, muss man schauen, was in der Branche üblicherweise gezahlt wird", sagte dazu Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. "Wir halten die Vergütung des KfW-Vorstands für angemessen."