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IKB-Prozess:Prominente mit Gedächtnislücke

Hans-Olaf Henkel und andere ehemalige IKB-Aufsichtsräte haben mit ihrer Erinnerung zu kämpfen. Nun scheint es ihnen aber doch zu dämmern.

Auf Gedächtnislücken hat sich schon manch prominenter Angeklagter vor Gericht berufen. Nun konnten sich im Prozess gegen den ehemaligen IKB-Chef Stefan Ortseifen ehemalige als Zeugen geladene Aufsichtsräte nicht mehr richtig erinnern, wie die Bank genau bei der Vergabe von Dienstvillen an Vorstände verfahren war.

Hans-Olaf Henkel, IKB, Foto: dpa

Machte im IKB-Prozess einen Rückzieher: Hans-Olaf Henkel, früherer IKB-Aufsichtsrat.

(Foto: Foto: dpa)

Die Bank war 2007 als erstes Geldhaus in Deutschland in den Strudel der Finanzkrise gerissen worden. Sie überlebte dank Milliardenhilfen des Staates und anderer Banken. Ursache waren riskante Immobiliengeschäfte in den USA. Dafür muss sich Ortseifen allerdings nicht vor Gericht verantworten.

Stattdessen geht es um andere Vorwürfe: Ortseifen soll Anleger über den Zustand der IKB getäuscht haben. Zudem wirft ihm der Staatsanwalt Untreue vor. So soll er teure Renovierungen an seiner Dienstvilla und im Garten vorgenommen haben.

Veränderte Usancen

Allerdings konnte sich der frühere IKB-Aufsichtsrat Hans-Olaf Henkel am Dienstag im Düsseldorfer Landgericht nicht mehr an Dokumente zu den Häusern erinnern, die er in seiner Funktion als Kontrolleur zwischen 1995 und 2004 unterzeichnet hatte. "Sehen Sie mal, wie einem das Gedächtnis einen Streich spielen kann", sagte der ehemalige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) als Zeuge.

Er könne nur sagen, dass er 34 Jahre für IBM gearbeitet habe - und da habe es solche Häuser nicht gegeben. Heute sei es nicht mehr üblich, Vorständen günstige Häuser zu überlassen: Die ganzen Usancen hätten sich geändert. Vor der Eröffnung des Verfahrens hatte er ausgesagt, er hätte die Häuser-Praxis bei der IKB im Aufsichtsrat nicht genehmigt.

Prozess hat an Brisanz gewonnen

Nun sagte er: Es sei "voreilig" gewesen, dies zu sagen. Von Gedächtnislücken sprach auch Uwe Haasen, ehemals stellvertretender Aufsichtsratschef der IKB. Ihm fehle jede Erinnerung an die Häuser-Praxis. Es sei ihm auch nicht mehr gegenwärtig, die Häuser in einer Vernehmung 2008 als "Wanderpokal der Vorstandsvorsitzenden" bezeichnet zu haben.

Anders als die Aufsichtsräte müssen die Banker von Goldman Sachs vorerst nicht damit rechnen, als Zeugen geladen zu werden. "Wir sehen keinen unmittelbaren Zusammenhang", sagte Ortseifens Verteidiger Rainer Hamm. "Wir werden nicht den ersten Schritt tun", fügte der Anwalt auf die Frage hinzu, ob die Verteidigung Zeugen aus dem Umfeld der US-Investmentbank Goldman Sachs vorladen wolle.

Der Prozess hat mit der Klage der US-Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs an Brisanz gewonnen - denn die IKB hatte vor ihrer Fast-Pleite im großem Umfang Papiere des amerikanischen Geldhauses gekauft.