Hypo Real Estate:Katastrophenzahlen von der Katastrophenbank

Massive Kapitalvernichtung am laufenden Band: In der Bilanz der Hypo Real Estate klafft ein Loch von 1,13 Milliarden Euro. Der Staat, und damit die Bürger, ist beim Risiko voll dabei.

Rote Zahlen ohne Ende: Das Katastrophen-Institut Hypo Real Estate (HRE) hat im ersten Halbjahr 2009 wegen Wertberichtigungen auf wackelige Immobilienkredite einen Milliardenverlust ausgewiesen. Der Fehlbetrag: desaströse 1,13 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte in der Bilanz noch ein Überschuss in Höhe von 160 Millionen Euro gestanden.

Hypo Real Estate, AP

Zahlreiche Aktionäre der Hypo Real Estate wollen die Skandalbank verklagen - und fordern mehrere hundert Millionen Euro Schadenersatz.

(Foto: Foto: AP)

Allein auf Immobilienkredite mussten 1,05 Milliarden Euro abgeschrieben werden, weitere 29 Millionen auf Infrastruktur- und Staatsfinanzierungen, teilte das Institut in München mit.

Mit einem Minus von 750 Millionen Euro machte die HRE allein von April bis Juni fast doppelt so viel Verlust, wie von Januar bis März, als sie 382 Millionen Euro verlor.

Die Bilanzsumme der HRE sank im ersten Halbjahr um acht Prozent auf 386,4 Milliarden Euro. Da das Eigenkapital durch den Einstieg des Bundes stieg, lag die Kernkapitalquote der HRE Ende Juni bei 6,9 Prozent. Zum Vergleich: Ende 2008 waren es noch 3,4 Prozent gewesen.

Schwarz, schwärzer, Wieandt

Für die Zukunft sieht der Vorstandsvorsitzende Axel Wieandt immer noch kein Land. "Wir rechnen weiter mit hohen Ergebnisbelastungen, die zu einer anhaltenden Verlustsituation führen werden", sagte er. Und: "Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren können."

Rechnet Wieandt, der Georg Funke nachgefolgt war, damit, dass alles immer noch schlimmer ausgehen kann? Für 2008 hatte sein Institut einen Verlust von mehr als fünf Milliarden Euro aufgetürmt.

Der Bund hält die Mehrheit

Die HRE musste im vergangenen Herbst nach Fehlspekulationen der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa gerettet werden. 102 Milliarden Euro haben Bund und Banken bislang in Form von Kapitalspritzen und Bürgschaften bereit gestellt, um das Krisen-Institut künstlich am Leben zu erhalten. Die Bank ist mittlerweile mehrheitlich in Staatsbesitz und soll in den kommenden Jahren saniert und anschließend reprivatisiert erden.

Mit Spannung beobachtet wird vor allem der seit Donnerstag vor dem Landgericht München laufende HRE-Schadenersatzprozess. Die Kläger werfen dem Institut vor, Anleger über die Schieflage des Unternehmens getäuscht zu haben. Es geht um Forderungen in Höhe von 320 Millionen Euro.

Doch die Kläger erlitten gleich am ersten Verhandlungstag eine Schlappe: Das Gericht blockte die Schadenersatzforderung vorläufig ab. "Die Klage ist im Moment nicht entscheidungsreif", sagte der Vorsitzende Richter Matthias Ruderisch.

© sueddeutsche.de/Reuters/AP/ddp-bay/dpa/mel/tob/pak
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