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HRE gegen Georg Funke:Affäre vor Gericht: "Wo bleibt der Raffzahn?"

Als die Hypo Real Estate kollabierte, war Georg Funke ihr Chef: Die Bank feuerte ihn, doch er will noch Geld von dem Institut. Das Münchner Landgericht hat ihm nun Recht gegeben. Vorläufig.

Hans von der Hagen

Es ist nicht genug. Knapp 150 Milliarden Euro brauchte die Hypo Real Estate - überwiegend vom Steuerzahler -, um überhaupt ein Dasein fristen zu können. Aber es gibt einen Mann, der will mehr.

Georg Funke vor HRE-Untersuchungsausschuss

Der frühere HRE-Chef Georg Funke will noch Geld von seiner Bank. Das empört viele.

(Foto: ddp)

Dieser Mann heißt Georg Funke und war der Chef, als das Institut abstürzte. Funke ist der Ansicht, dass ihm aus dem Dienstvertrag mit der Bank noch Geld zusteht und hat die HRE darum unter anderem auf Nachzahlung seines Gehaltes von Januar und Februar 2009 verklagt. Dabei geht es um gut 150.000 Euro. Funke will auch, dass die Bank ihn im Alter mit einer üppigen Pension versorgt, aber das ist eine andere Geschichte, sie spielt an diesem Freitag vor dem Landgericht München I keine Rolle.

Richter Helmut Krenek entscheidet zu Funkes Gunsten: Die Hypo Real Estate wird verurteilt, ihm die vereinbarte Vorstandsvergütung zuzüglich der angefallenen Zinsen zu zahlen. Auch der ebenfalls klagende frührere HRE-Finanzvorstand Markus Fell bekommt Recht: Er hatte noch sein Gehalt aus Januar 2009 gefordert. Allerdings stehen beide Urteile unter Vorbehalt, denn in dem Urkundenprozess ging es allein um die Frage, ob eine Forderung aus dem Dienstvertrag durchgesetzt werden kann.

Zeugen und Gutachter kamen dabei nicht zu Wort, nur schriftliche Beweismittel - in diesem Fall also etwa der Dienstvertrag - zählten. Die HRE hätte wiederum mit Urkunden begründen müssen, dass der Arbeitsvertrag aus wichtigem Grund wirksam gekündigt wurde. Das konnte sie aber nicht.

Die mittlerweile verstaatlichte Hypo Real Estate wird sich aber in einem Nachverfahren gegen das Urteil wehren und darauf dringen, dass die Klage Funkes doch noch abgewiesen wird. Darum zahlt sie das Geld vorläufig auch nicht an Funke aus. Der Sieg des früheren Chefs hat also noch nicht viel zu besagen - daran lässt auch Richter Krenek keinen Zweifel: Er bezeichnet es als "unwahrscheinlich", dass sich die HRE mit diesem Urteil zufrieden geben würde.

Wo ist Funke?

Die eigentliche Streitfrage ließe sich erst im Nachverfahren beantworten und dafür sei die Anhörung von Zeugen und Sachverständigen notwendig. Die HRE stützt nach Angaben des Gerichts die Kündigung auf mehrere Gründe: Funke habe beispielsweise den Erwerb der Depfa Bank schlecht vorbereitet und Risiken übersehen und die verhängnisvolle Finanzierungsstrategie nicht geändert. Die HRE hatte langfristige Ausleihungen nur durch kurzfristige Kredite refinanziert.

Das ging schief, als der HRE in der Finanzkrise keiner mehr Geld leihen wollte. Aber auch die Korrektur des Liquiditätsbedarfs zwischen den beiden Krisengipfeln im Herbst 2008 nennt die HRE als Kündigungsgrund.

Das Gericht stellt hierzu in der Urteilsbegründung fest: "All diesen Vorwürfen ist gemeinsam, dass sie - sollten sie nachgewiesen werden können - entweder jeder für sich alleine oder doch in ihrer Gesamtheit" ein Kündigung aus wichtigem Grund rechtfertigen könnten.

Zur Urteilsverkündung ist Funke gar nicht erst erschienen, was vor allem jene ärgert, die ihrer Wut auf Funke gerne in diesem kleinen Sitzungssaal Luft gemacht hätten. "Wo bleibt der Raffzahn?", poltert ein HRE-Anleger, doch der Richter macht gleich zu Beginn des Prozesses deutlich, dass er Unmutsäußerungen aus dem Publikum sofort ahnden würde.

Die Brisanz von Funkes Gehaltsforderung liegt weniger in der Höhe als in der Tatsache, dass er sie überhaupt geltend macht. Das Recht dazu hat er, das hat das Gericht an diesem Freitag bestätigt. Doch er hat eben auch ein gigantisches Chaos hinterlassen.

"Armageddon", "Kernschmelze" oder "Weltuntergang des Finanzsystems", kein Ausdruck war später den sonst so bedächtigen Bankern und Politikern grell genug, um die aus ihrer Sicht möglichen Folgen eines Untergangs der Hypo Real Estate zu verdeutlichen.

Wo sich Funke derzeit aufhält, weiß wohl kaum keiner. Mit der Presse müht er sich nicht ab, dem HRE-Untersuchungsausschuss gab er einen Korb, den früheren Wohnort Baldham hat er längst verlassen und eine frisch erbaute Millionenvilla im Münchner Nobelviertel Bogenhausen soll an einen afrikanischen Staatschef weitergereicht worden sein.

Manche mutmaßen, er könnte mitsamt der Familie nach Irland gezogen ein, von wo seine Frau stammt. Oder er sei "unter der Sonne", wollen andere gehört haben. Was die Leute eben so reden, wenn jemand das Weite sucht.

© sueddeutsche.de/mel

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