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Hypo Real Estate:"Den Streit verkündet"

Die HRE will gemeinsam mit mehreren Ex-Vorständen den Prozess gegen Aktionäre gewinnen. Für die alte Führungsriege birgt das Chancen - und große Risiken.

Klaus Ott

Bis die früheren Vorstände der Hypo Real Estate (HRE) eines Tages womöglich als Angeklagte vor Gericht stehen, kann es noch lange dauern. Die Münchner Staatsanwaltschaft wartet ab, was die Auswertung der beschlagnahmten Ordner und Dateien durch das Landeskriminalamt ergibt.

Hypo Real Estate, AP

Die HRE hat sieben Ex-Vorstände schriftlich aufgefordert, auf Seiten der Bank "dem Rechtsstreit beizutreten".

(Foto: Foto: AP)

Erst nächstes Jahr dürften die Ergebnisse vorliegen. So lange haben die Ex-Manager der Krisenbank, gegen die wegen Veruntreuung von Unternehmensvermögen und Irreführung der Aktionäre ermittelt wird, wohl Ruhe vor den Strafverfolgern - trotz der gewaltigen Dimensionen. Der Staat muss fast 100 Milliarden Euro an Garantien und Kapitalzufuhr aufbringen, damit die HRE nicht pleite geht. Sonst könnten andere Banken mit in den Abgrund gezogen werden.

Sechs Millionen Schadenersatz gefordert

Vor Gericht sollen der vormalige Bankchef Georg Funke, Ex-Finanzchef Markus Fell und die meisten ihrer früheren Vorstandskollegen dennoch bald erscheinen, auf Betreiben der HRE. Dann wird es aber nur um Millionen und nicht um Milliarden gehen.

Die Krisenbank wird von 60 Aktionären, die sich durch das alte Management getäuscht fühlen, auf mehr als sechs Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Weitere Forderungen sind zu erwarten. Jetzt hat die HRE über ihre Konzernanwälte sieben Ex-Vorstände, darunter Funke und Fell, schriftlich aufgefordert, auf Seiten der Bank "dem Rechtsstreit beizutreten". Das Ex-Management soll helfen, die beim Münchner Landgericht eingereichten Schadenersatzklagen abzuwehren.

Eine Kumpanei zwischen der neuen und der alten Konzernspitze ist das offenbar aber nicht. Die Krisenbank will vielmehr Vorsorge treffen für den Fall, dass sie bei Gericht verliert. Dann könnte sich die HRE an Funke, Fell und Konsorten "schadlos halten". Das steht in einem Schriftsatz der Konzernanwälte.

Nicht die Bank, sondern deren ehemalige Vorstände müssten in diesem Fall die Aktionäre auszahlen. Für das alte Management könnte das ziemlich teuer werden. Die juristische Vorgehensweise der HRE hat eine ganz besondere Bezeichnung. "Den Streit verkünden", heißt das im Juristendeutsch. Für die Ex-Vorstände ist das Chance und Risiko zugleich. Funke, Fell und Kollegen könnten mit ihren Erklärungen der Bank helfen, Schadenersatzforderungen abzuwehren. Sie könnten aber auch, bei einer Niederlage vor Gericht gegen die Aktionäre, selbst zur Kasse gebeten werden.

"Taktisches Manöver"

Felix Weigend aus der Münchner Anwaltskanzlei Rotter, die viele Anleger vertritt, betrachtet die Vorgehensweise der HRE als taktisches Manöver. Die Begründung der Bank, bei einer Niederlage gegen die Aktionäre könne man sich das Geld für die Schadenersatzzahlungen beim alten Management holen, ist nach Ansicht des Anwalts vorgeschoben.

Die HRE bestreite schließlich vor Gericht, dass der frühere Vorstand die Anleger falsch informiert hätte und die Bank deshalb zum Schadenersatz verpflichtet sei, sagt Weigend. Der HRE gehe es vielmehr darum, die Prozesskosten und somit das Risiko für die Kläger zu erhöhen. Mit jedem Ex-Vorstand, der in das Verfahren einsteige, stiegen die Kosten für das Verfahren. Diese Folgen kenne man bereits aus anderen Streitfällen zwischen Anlegern und Unternehmen.

Der Anwalt wirft der Bank sogar vor, sie müsse sich um das Kostenrisiko bei Gericht nicht kümmern. Die HRE stehe schließlich kurz vor der Verstaatlichung. "Sämtliche Anwalts- und Prozesskosten trägt vollständig der Steuerzahler." In HRE-Kreisen wird das zurückgewiesen. Würde die Bank sich gegen die aus ihrer Sicht unberechtigten Schadenersatzforderungen der Aktionäre nicht wehren, "dann träfe das ebenfalls den Steuerzahler", heißt es.

Es sei denn, der alte Vorstand muss am Ende zahlen. Vor allem Funke und Fell säßen dann in der Klemme. Die Bank hat ihnen Ende 2008 fristlos gekündigt. Seitdem bekommen die beiden kein Geld mehr von der HRE.

© SZ vom 20.05.2009/hgn
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