Hypo Real Estate: Bad Bank Auf dem Schrottplatz

Die Bad Bank der Hypo Real Estate bleibt ein enormes Risiko: Sie startet ihr Geschäft mit einem Milliardenverlust. Der wird fast vollständig vom Bankenrettungsfonds Soffin übernommen - also vom Steuerzahler.

Von Oliver Bilger

Wenn die Geschäftsführer der FMS Wertmanagement ihren Kindern von der Arbeit erzählen, kann es sein, dass sie von einem Recyclinghof sprechen. Dort landen Abfälle, damit sie wiederverwertet werden. So ähnlich soll es auch bei der FMS Wertmanagement sein. Sie ist die Abwicklungsanstalt, umgangssprachlich Bad Bank genannt, der Hypo Real Estate (HRE). Dorthin hat die verstaatlichte Immobilienbank ihren Bilanz-Schrott in Höhe von knapp 174 Milliarden Euro ausgelagert. Aufgabe der FMS ist es nun, die Risikopapiere möglichst ohne Verluste wieder auf den Kapitalmarkt zu bringen.

Die FMS Wertmanagement ist die Bad Bank der Hypo Real Estate. Dorthin hat die verstaatlichte Immobilienbank Bilanz-Schrott in Höhe von knapp 174 Milliarden Euro ausgelagert.

(Foto: dapd)

Am Dienstag berichteten die Geschäftsleiter nicht ihren Kindern, sondern erstmals der Öffentlichkeit von ihrer ihre Tätigkeit. Fazit: Die Bad Bank bleibt ein großes Risiko. Denn für ihr erstes Rumpfgeschäftsjahr - von der Gründung im Sommer bis Dezember - fuhr die Abwicklungsanstalt einen Verlust von etwa drei Milliarden Euro ein. Der Hauptgrund für den Fehlbetrag war die Risikovorsorge. Sie setzte sich vor allem aus Abschreibungen auf Kredite und Wertpapiere zusammen.

Die Bad Bank bleibt ein Risiko, weil der Verlust fast vollständig vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin und somit letztlich von den Bürgern übernommen wird. "Die Steuerzahler stehen letzten Endes dafür ein", sagte Risiko-Vorstand Christian Bluhm. Das Ziel seines Unternehmen beschrieb er mit folgenden Worten: "Raus aus den Engagements, das Maximum herausholen für den Steuerzahler."

Doch wegen den Verlusten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Bund bald Geld nachschießen muss. Denn vom Eigenkapital der Abwicklungsanstalt in Höhe von gut 3,8 Milliarden Euro sind nur noch rund 800 Millionen übrig. Man müsse sich aber keine Gedanken um die FMS machen, sagte Bluhm. Weil der Rettungsfonds Soffin die Verluste immer ausgleichen werde, drohe keine Insolvenz wie bei gewöhnlichen Firmen, wenn das Kapital aufgebraucht sei.

Die FMS Wertmanagement ist die größte Bad Bank Deutschlands. Das Portfolio - darunter Forderungen gegenüber krisengeplagten Staaten wie Griechenland, Immobilienfinanzierungen und Infrastrukturprojekte - soll bis zum Jahr 2020 abgebaut werden. Eine große Zahl der Kreditpapiere könne nur mit schwer oder mit hohen Abschlägen veräußert werden. "In den Portfolios ist ein Zündstoff drin", sagte Bluhm. Der Münchner HRE-Konzern schreibt indes nach der Auslagerungen der toxischen Anlagen in die Abwicklungsanstalt mittlerweile wieder Gewinne.

Ob der von der Politik vorgegebene Zeitraum ausreicht, die Arbeit zu beenden, ist angesichts langer Laufzeiten der Kredite unsicher. Fast 60 Prozent der Kreditrisiken laufen erst 2020 oder noch viel später aus. Vor allem in Griechenland, auf das 9,1 Milliarden der Kreditverpflichtungen entfallen, dauern die Verträge zum Teil noch Jahrzehnte. "In Griechenland haben wir sehr viele Langläufer", erklärte Bluhm.

Gerhard Schick, Sprecher für Finanzpolitik bei den Grünen, verlangte von der Bundesregierung eine Auskunft darüber, welche genauen Ursachen die drei Milliarden Euro Verluste haben: "Angesichts des gewaltigen Schadens haben die Steuerzahler, die allein den Schaden tragen müssen, ein Anrecht auf vollständige Transparenz zu den Ursachen der Milliardenverluste."