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HSH Nordbank:Gezockt und verloren - mit Erlaubnis von Dr. No?

500 Millionen Euro hat die Londoner Filiale der HSH Nordbank verzockt - angeblich abgesegnet von der Konzernspitze. Dabei hatte die Risikoabteilung noch gewarnt.

Erst die umstrittene Millionen-Überweisung an die US-Bank Goldman Sachs, dann der Mobbing-Skandal in der New Yorker Niederlassung - und jetzt steht die krisengeplagte HSH Nordbank schon wieder mit einem höchst dubiosen Vorgang in den Schlagzeilen.

HSH Nordbank, Foto: AP

Riskante Investments mit der Bezeichnung "Omega" haben der HSH Nordbank einen vorläufigen Schaden von 500 Millionen Euro eingebrockt.

(Foto: Foto: AP)

Schauplatz ist dieses Mal die HSH-Niederlassung in London. Dort verzockten die Banker mit riskanten Investments 500 Millionen Euro. Codename der umstrittenen Transaktionen: Omega.

Doch jetzt schwappt der Skandal über den Atlantik nach Deutschland. Denn die Spitze der Landesbank soll die riskanten Geschäfte ausdrücklich genehmigt haben - und das, obwohl die Gefahren bekannt waren, berichtet der Radiosender NDR Info.

Demnach hat sogar HSH-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher, bankintern Dr. No genannt, den Antrag höchstselbst unterschrieben. Gegen den Chefbanker läuft wegen der umstrittenen Überweisung an die US-Bank Goldman Sachs bereits ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue. Neben Nonnenmacher soll auch sein Stellvertreter Peter Rieck den Antrag der Londoner Banker genehmigt haben. Der Sender beruft sich dabei auf ihm vorliegende Dokumente.

Ein Brief der HSH sowie interne E-Mails belegen, dass das bankeigene Risikomanagement ausdrücklich auf die Gefahren des Geschäfts hingewiesen hat. So sei "der Zeitrahmen für die Begutachtung außerordentlich eng und mit Hinblick auf die Komplexität und die betreffende Summe unangemessen kurz" gewesen. Außerdem hielten die Risikoexperten es für möglich, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) das Geschäft nicht genehmigen werde. Deshalb habe die HSH entscheidende Teile des Omega-Geschäfts offenbar vor der Aufsichtsbehörde verheimlicht.

Offiziell hat die HSH Nordbank bislang keine Stellung zu den Vorgängen genommen. Aus Kreisen der Landesbank hieß es jedoch in der vergangenen Woche, dass ein einzelner Manager die Verantwortung für die Verluste aus dem Omega-Geschäft trage. Zudem sei der Vorstand der HSH getäuscht worden. Finanzexperten bezeichnen diese Darstellung dem Sender zufolge als Ablenkungsmanöver.

Die Luft wird dünner

Ein HSH-Sprecher sagte: "Omega ist kein neues Geschäft. Es handelt sich um eine bekannte Transaktion aus dem Jahr 2007, die vollständig im Geschäftsbericht 2008 verarbeitet und über die wiederholt in den Medien berichtet wurde. Sie ist Bestandteil der Untersuchungen der Kanzlei Freshfields für den Aufsichtsrat, deshalb können wir sie nicht weiter kommentieren."

Die Abschreibungen von 500 Millionen Euro sind im Jahresabschluss für das vergangene Jahr enthalten. Dabei handelt es sich um eine Wertberichtigung. Falls die Wertpapiere wieder im Preis steigen, kann der endgültige Schaden geringer ausfallen. Das Jahr endete für die HSH Nordbank mit einem Verlust von 2,8 Milliarden Euro.

Unabhängig vom Ausgang der Omega-Affäre könnte die Luft für Dirk Jens Nonnenmacher dünn werden: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung sollen bei einer Sondersitzung des Aufsichtsrats in der kommenden Woche zwei neuen Vorstände berufen werden. Ziel der Aktion ist es nach Angaben aus Finanzkreisen, den umstrittenen Bankchef Nonnenmacher zu entlasten, der nicht nur in FDP-Kreisen als überfordert gilt.

© sueddeutsche.de/dpa/jobr/tob

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