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HSH Nordbank: Dirk Nonnenmacher:Es reicht!

Die HSH Nordbank taumelt von einem Skandal zum nächsten. Auch wenn der ebenso selbstgerechte wie rüde Bank-Chef Nonnenmacher unschuldig wäre - seine Zeit ist längst abgelaufen.

Ob Fast-Pleite, Verdacht auf untergeschobene Kinderpornos oder ein bespitzelter Minister: Seit vielen Monaten taumelt die HSH Nordbank von einem Skandal zum nächsten - und die Politik schaut zu. Dabei ist die HSH nicht irgendeine private Bank: Sie gehört mehrheitlich den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg. Es ist ein Institut, das auch den Wohlstand der Region mehren soll. An ihm lässt sich zeigen, wie in Norddeutschland das Vertrauen in eine starke Landespolitik erodiert, weil Politiker hilflos und treu einen Bankchef stützen, den viele längst für nicht mehr tragbar halten.

HSH-Vorstand Nonnenmacher vor Untersuchungsausschuss

Zum Sanieren einer defizitären Bank in öffentlichem Besitz reicht die analytische Brillanz des Dirk Nonnenmacher nicht aus, dazu gehört auch emotionale Intelligenz..

(Foto: ddp)

Begonnen hat alles mit der Finanzkrise. Damals retteten die Nord-Länder das klamme Institut mit einer Milliardenspritze vor der Pleite. Als Sanierer erster Wahl galt Finanzchef Dirk Jens Nonnenmacher, der zum Vorstandschef befördert wurde. Doch in diesem Amt hat er seine Reputation verspielt.

Mitte 2009 begann der Verdrossenheit erster Teil. Auf 500000 Euro hat der Bund die Gehälter derjenigen Vorstände gedeckelt, deren Banken Staatshilfe erhielten. Das galt überall - nur nicht in Hamburg. Nonnenmacher pochte auf seinen Bonus von 2,9Millionen Euro, drohte die Bank sonst im Stich zu lassen. Keiner hatte genug Verve, ihn von der moralisch fragwürdigen Prämie abzubringen. Dabei war Nonnenmacher selbst als Finanzchef beteiligt, als riskante Geschäfte extreme Löcher in die Bilanz rissen.

Ohnmächtige Politiker

Seitdem suchen die Parlamente in Kiel und Hamburg mit zwei Ausschüssen die Schuldigen. Verschleierte Geschäfte erschweren die Aufklärung: Wer eine Ausschusssitzung besucht, erlebt Grenzen der Politik. Ohnmächtige Volksvertreter kapitulieren vor wortgewaltigen Bankern. Und das, obwohl immer neue Affären auftauchen. Die Bank hat eingestanden, dass sie Ex-Vorstände ausspähte, weil sie Geheimnisverrat vermutete. Womöglich war es sogar noch schlimmer: Drei Staatsanwaltschaften ermitteln, ob die Bank ehemalige Führungskräfte gezielt ausgeschaltet hat. Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Da wurden Kameras installiert, Telefone angezapft, ein Ex-Minister bespitzelt und angeblich Kinderpornos untergeschoben. Letzteres wäre widerlich - und zerstört Karrieren.

Bei der Kontrolle durch den Aufsichtsrat beginnt der Verdrossenheit zweiter Teil: Mehrfach hat das Gremium private Gutachter beauftragt, um die Schuld der Vorstände zu untersuchen. Obwohl nicht alle Kontrolleure alle Berichte zu lesen bekamen, haben sie sich zuletzt geschlossen hinter die Firmenspitze gestellt, dazu hatte Aufsichtsratschef Hilmar Kopper, früher Chef der Deutschen Bank, sie gedrängt. Doch hat Kopper überhaupt ausreichend Distanz zu Nonnenmacher? Beide sind befreundet, und Kopper hat seinen Job stets an den von Nonnenmacher geknüpft. Die Politik sieht auch dieser Posse zu, denn sie hat die Minister aus dem Gremium abgezogen. Nun fehlt für einen harten Durchgriff die Macht.

Selbstgerechte Banker

Längst stellt sich die Frage, ob der Bankchef nicht besser abtreten soll. Im schlimmsten Fall ließ er wirklich enge Kollegen absägen und Politiker bespitzeln. Dann muss er gehen, und Gerichte werden klären, was strafbar ist. Oder hat er als Mann an der Spitze nichts von alledem gewusst, hat er nichts davon angeordnet? Dann hat er seine Bank nicht im Griff. Oder bewegt er sich in der Grauzone; hat er für sieben Millionen Euro Detektive angeheuert und wollte von deren Methoden nichts wissen? Verantwortung sieht anders aus.

Selbst wenn Nonnenmacher unschuldig wäre - seine Zeit ist abgelaufen. Der Mathematikprofessor, selbstgerecht und rüde im Umgang, ist nicht der richtige Mann an der Spitze. Zum Sanieren einer defizitären Bank in öffentlichem Besitz reicht analytische Brillanz nicht aus, dazu gehört auch emotionale Intelligenz. Im Interesse der Bank, deren wichtigstes Kapital Vertrauen ist. Aber auch im Interesse der Politik. Jeder Tag, den das Chaos anhält, ist ein Tag, an dem sich die Bürger weiter von der Politik abwenden.

© SZ vom 27.10.2010/hgn
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