HSH Nordbank Die Barkasse und Dr. No

Wirbel im Norden: Die marode HSH-Nordbank-Gruppe besitzt ein Schiff und lässt es teuer renovieren. Was ist da los? Ein Gespräch mit dem HSH-Facility-Management-Chef Rainer Krause.

Interview: Hans von der Hagen

HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher, intern in Anlehnung an einen James-Bond-Klassiker Dr. No genannt, steht am Pranger: Der schwer angeschlagene öffentliche Finanzkonzern, an dem die Stadt Hamburg und das Land Schleswig-Holstein mit jeweils rund 30 Prozent beteiligt sind, lässt ein Schiff für viel Geld herrichten. Muss das sein, wenn gleichzeitig das Institut mit Milliarden gerettet werden muss? Rainer Krause, Chef der Nordbank-Tochter HSH Facility Management Holding, gibt die Antwort.

Die

Merkur II

: Sie darf sich höchstens fünf Seemeilen von der Küste entfernen und ist kein Schiff für die schwere See

(Foto: Foto: oH)

sueddeutsche.de: Wir sind verwirrt - braucht eine notleidende Landesbank ein Schiff?

Rainer Krause: Nein, darum gehört das Schiff auch nicht mehr der Nordbank, sondern wurde zu Jahresbeginn an eine Tochtergesellschaft der HSH Facility Management Holding verkauft, die Baltic Sea GmbH.

sueddeutsche.de: Damit gehört der Schwimmkörper aber weiterhin zur HSH-Nordbank-Gruppe ...

Krause: Das ist richtig, aber er läuft auf Rechnung der HSH Facility Management.

sueddeutsche.de: Was ist das für ein Schiff? Medien berichten von einer Motoryacht ....

Krause: Die Merkur II ist eine aufgehübschte Barkasse. Baujahr 1967, 41 Meter lang und für 36 Personen zugelassen. Sie ist nicht hochseefähig, darf sich also nicht weiter als fünf Seemeilen von der Küste entfernen. Schweren Seegang hält das Schiff nicht aus.

sueddeutsche.de: Was machen Sie jetzt damit?

Krause: Es wird vermietet. Jeder, der es chartern möchte, kann dies tun. Es ist für uns eine Veranstaltungsplattform. Wir haben eine eigene Tochtergesellschaft namens Gastro und Event, die im Jahr mehr als 500 Anlässe ausrichet. Das Schiff passt in unsere Vermarktungsstrategie.

sueddeutsche.de: Und die Mieter kommen dann wieder aus der Bank?

Krause: Nein, denn unsere Holdinggesellschaften machen mit über 500 Kunden außerhalb des HSH Nordbank Konzerns Geschäfte. Hier haben wir ein breites Vermarktungspotential.

sueddeutsche.de: Wenn der HSH-Vorstand die Merkur nutzen will, muss er dafür zahlen?

Krause: Natürlich. So viel wie jeder andere auch: 300 Euro pro Stunde. Aber die Bank selbst hat noch keine Fahrt angemeldet.

sueddeutsche.de: Das Schiff hat Ihr Unternehmen HSH Facility Management 350.000 Euro gekostet. Ist das ein marktüblicher Preis für eine Barkasse dieser Ausstattung?

Krause: Zur Höhe des Kaufpreises werden keine Informationen gegeben. Selbstverständlich hat die Bank aber keinen Verlust gemacht.

sueddeutsche.de: Aber jetzt werden angeblich nochmals 250.000 Euro für Service und Reparaturen in das Schiff gesteckt. Verstehen Sie, dass es die Öffentlichkeit provoziert, wenn gleichzeitig der Steuerzahler Milliarden in die Nordbank pumpen muss?

Krause: Ich würde es verstehen, wenn die Merkur der Bank gehören würde. Aber unsere HSH Facility Management wird mit dem Schiff Geld verdienen. Die Renovierung kostet uns übrigens nur 100.000 Euro.

sueddeutsche.de: Das ist auch viel Geld. Was muss so dringend gemacht werden?

Krause: Stahlbauarbeiten - es gibt ein zusätzliches Schott. Eine EU-Verordnung verpflichtet uns dazu. Selbst wenn wir das Schiff verkauft hätten, müssten diese Arbeiten durchgeführt werden. Sonst bekommt es keine Fahrtberechtigung mehr.

sueddeutsche.de: Wie viel Geld wollen Sie mit der Merkur II verdienen?

Krause: Es muss mindestens eine schwarze Null schreiben.

sueddeutsche.de: Bis wann?

Krause: Wenn wir bis Ende 2010 keine schwarze Null erzielen, verkaufen wir das Schiff.

sueddeutsche.de: Und für etwaige Verluste steht am Ende dann doch wieder die HSH Nordbank gerade?

Krause: Nein, meine Gesellschaft. Und die macht seit Jahren Gewinn.

sueddeutsche.de: Dennoch: Sie haben viel Aufwand und der Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher bezieht auch noch öffentlich Prügel für ein Vorhaben, das am Ende bestenfalls nichts einbringt. Haben Sie insgeheim ein Faible für die Schifffahrt und die Merkur?

Krause: Das hat nichts mit Faible zu tun. Wenn wir sehen, dass wir mit diesem Schiff Geld verdienen können, wollen wir das auch.