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HSH Nordbank: Dirk Jens Nonnenmacher:Reif für den Rauswurf

Der New Yorker Schmuddelfall und die Folgen: Die Vertrauten von HSH-Chef Nonnenmacher rücken von ihm ab. Es beginnt schon die Suche nach einem Nachfolger.

Im "Haus B" am Kieler Landeshaus haben schon viele denkwürdige Kabinettssitzungen stattgefunden. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU), der im Obergeschoss ein Büro mit Ruheraum und Bad hat, empfing am Dienstagmittag streng vertraulich einen besonderen Gast: Hilmar Kopper, 75 Jahre alt, früher die Nummer eins der Deutschen Bank, heute Aufsichtsratschef der HSH Nordbank. Mit dabei Carstensens Wirtschaftsminister Jost de Jager und Hamburgs Finanzsenator Carsten Frigge (beide CDU). Einziges Thema: das berufliche Schicksal des umstrittenen Chefs der HSH, Dirk Jens Nonnenmacher.

Die Rolle von HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher (rechts) im Spitzelskandal ist umstritten. HSH-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper spricht ihm erneut das Vertrauen aus.

Die Rolle von HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher (rechts) im Spitzelskandal ist umstritten.

(Foto: dpa)

Zu Beginn des Gesprächs betonte Carstensen, die Vorbehalte gegen Nonnenmacher seien in den vergangenen Wochen gewachsen. Vor allem in der Affäre um bespitzelte Banker und Politiker gebe es eine Vielzahl von unbeantworteten Fragen, assistierte de Jager. Nonnenmacher sei zu einer "Belastung" geworden, stimmte Frigge zu. Kopper widersprach zunächst. Nonnenmacher sei es gelungen, die Sanierung der maladen Bank auf einen "guten Weg" zu bringen. Im zweiten Quartal etwa habe die Bank schwarze Zahlen geschrieben. Carstensen entgegnete, es gebe einen Unterschied zwischen einer bankinternen und der politischen Betrachtung des Falles.

Kopper sagte dann etwas, was die drei Christdemokraten aus dem Norden später als Einlenken Koppers interpretierten. Der oft kolportierte Satz, dass er sein Schicksal mit dem Schicksal Nonnenmachers verknüpfe, sei falsch, sagte der Aufsichtsratschef. Damit schlug er einen neuen Ton an. Noch vor sieben Wochen hatte Kopper, ebenfalls in Kiel, sich vehement vor seinen Schützling gestellt. Damals verwies er auf Prüfberichte amerikanischer Anwälte, die sorgfältig im Präsidialausschuss und im Aufsichtsrat bewertet worden seien. Fazit: An den Vorwürfen gegen Nonnenmacher sei nichts dran.

Dabei gab es schon damals den wirklich ungeheuerlichen Verdacht, dass HSH-Helfer dem ehemaligen New Yorker Filialleiter der Bank, Roland K., im Herbst vergangenen Jahres Kinderporno-Fotos untergeschoben haben sollen, um ihn ohne Abfindung feuern zu können. Eben dieser Roland K. sagte vergangene Woche erstmals bei der Kieler Staatsanwaltschaft aus; er belastet die Bank schwer.

Nach all dem ist offensichtlich: Nonnenmacher ist fällig. Das Geldhaus gehört zu 85,5 Prozent den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein, und die staatlichen Anteilseigner reagieren. Einer von ihnen hat in der vergangenen Woche bereits erste Gespräche mit potentiellen Nachfolgern geführt. Als heißer Kandidat gilt ein ausländischer Banker, der sich auf die Sanierung kranker Banken versteht.

In Schleswig-Holstein fordert der einflussreiche FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki die Absetzung Nonnenmachers, und auch der Christdemokrat Carstensen und dessen Parteifreund, der Wirtschaftsminister Jost de Jager sind deutlich von dem Bankchef abgerückt. In Treue fest steht noch Finanzminister Rainer Wiegard (CDU). Noch.