Historischer Wiederaufstieg Infineon gelingt Rückkehr in den Dax

Seltenes Comeback: Der Chip-Hersteller Infineon kehr nach seinem vorherigem Rauswurf in den Dax zurück. Eine solche Rückkehr gelang bisher nur einmal.

Von Markus Zydra

Wenn der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse am Donnerstagabend entscheidet, den Halbleiterhersteller Infineon zurück in den Dax zu holen, dann wird das eine historische Entscheidung sein.

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(Foto: Dax-Auf- und Absteiger, Tabelle: Süddeutsche Zeitung)

Nur einmal in der 21-jährigen Geschichte des deutschen Aktienleitindex gelang es einem Unternehmen, nach einem Abstieg auch den Wiederaufstieg zu schaffen.

Der Reifenhersteller Continental kehrte 2003 zurück, nachdem er 1996 ausgemustert wurde. Klappt es mit Infineon, dann hätte die Rückkehr gerade einmal sechs Monate gedauert. Erst am 23.März war Hannover Rück in den Dax aufgestiegen und hatte Infineon verdrängt. Infineon hat gegenüber März seinen Aktienkurs von 39 Cent je Papier auf 3,50 Euro nahezu verzehnfacht. Nun wiederum dürfte Infineon die Titel der Hannover Rück verdrängen.

Mit der Kapitalerhöhung gelang dem Münchner Chipkonzern eine deutliche Ausweitung der umlaufenden Aktien von 700 Millionen auf 1,1 Milliarde Stück. Infineon-Papiere legten am Montag 3,5 Prozent zu.

Über die Jahre stark verändert

Der Dax gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer für den deutschen Finanzmarkt. Während der Name unverändert bleibt, wird die Zusammensetzung regelmäßig verändert. So hat sich der Dax über die Jahre stark verändert.

Im Jahr 1988 waren im Dax noch Firmen wie Feldmühle Nobel, Nixdorf oder Schering vertreten - diese Konzerne sind mittlerweile fusioniert. Auffällig ist, dass der Veränderungstakt gewachsen ist. Früher gab es Jahre, in denen der Index überhaupt nicht verändert wurde, zuletzt gab es jährlich ein bis zwei Firmenwechsel. Das ist Ausdruck der rapiden Veränderungen in der deutschen Wirtschaft.

Die Zugehörigkeit zum Dax hängt vom Börsenwert der im Umlauf befindlichen Aktien und dem Handelsumsatz mit den Wertpapieren ab. Zudem gibt es Sonderregeln für den Fall, dass der Streubesitz unter zehn Prozent fällt oder sich der Aktienkurs eines Unternehmens in kurzer Zeit extrem verändert.

Das war im vergangenen Jahr bei den VW-Stammaktien der Fall, woraufhin die Deutsche Börse ihr Regelwerk veränderte. Hintergrund: Viele Investmentfonds kaufen ausschließlich Aktien von Dax-Unternehmen - 2008 war man deshalb gezwungen, die immer knapper und teurer werdenden VW-Aktien zu kaufen, was zu Kursturbulenzen führte.

Bald schon werden die VW-Stämme durch VW-Vorzugsaktien ersetzt, sind sich Experten sicher - allerdings werde dieser Wechsel wohl noch nicht an diesem Donnerstag vorgenommen.

Änderungen auch im MDax

Hintergrund ist der schwindende Anteil an frei handelbaren VW-Stammaktien. Weil das Emirat Katar von Porsche VW-Optionen übernommen hat, wird der Streubesitz der VW-Stämme demnächst unter die vorgeschriebenen zehn Prozent fallen, sobald Katar alle Optionen ausgeübt hat. Rund sieben Prozent an VW hält Katar bereits, weitere zehn Prozent sollen folgen. Das Land Niedersachsen besitzt 24 Prozent an VW und die Porsche-Familie weitere 50 Prozent.

Auch in anderen Indizes der Dax-Familie wird es zu Veränderungen kommen. Im MDax, der mittelgroße Firmen listet, dürften mit Arcandor und Hypo Real Estate die Aktien von zwei Krisenunternehmen vor dem Rauswurf stehen.

Als Aufstiegskandidaten gelten Aktien von BayWa, Aareal Bank und Biotest. Im TecDax könnte es für Singulus und Solon eng werden, so dass inklusive Infineon bis zu drei Plätze neu zu besetzen sein könnten. Aufrücken könnten Dialog Semiconductor, Manz und Evotec. Die Veränderungen gelten ab 21.September.