Hilfe für Griechenland Französische Banken wollen Griechenland Zeit geben

Paris legt vor: Während Deutschland noch mit den Banken verhandelt, präsentiert Frankreichs Regierung einen Kompromiss, wie sich private Gläubiger an der Griechenland-Rettung beteiligen sollen. Demnach verlängern die Banken die Laufzeit der Kredite auf 30 Jahre - aber nur für einen Teil der Anleihen.

Das könnte ein großer Schritt für ein neues griechisches Hilfspaket sein: In Frankreich hat sich die Regierung offenbar mit den Banken über eine freiwillige Beteiligung der privaten Gläubiger an der Griechenland-Rettung geeinigt, berichten Le Figaro und das Wall Street Journal.

Eine Filiale der BNP Paribas in Paris.

(Foto: AFP)

Das französische Modell sieht eine Laufzeitverlängerung für griechische Staatsanleihen vor. "Wir haben einen ersten Entwurf. Es ist eine erste Skizze", sagte die französische Finanzministerin Christine Lagarde am Montag über den Vorschlag, der unter der Führung der BNP Paribas ausgehandelt worden sein soll.

Den Zeitungsberichten nach sieht der Plan Folgendes vor:

[] Wenn bisherige griechische Anleihen auslaufen, stellen die Gläubiger dem Land 70 Prozent des Geldes wieder zur Verfügung.

[] Jedoch geht nur ein Teil des Geldes wieder direkt nach Griechenland: 50 Prozent sollen in neue Schuldtitel fließen, für die nun aber eine Laufzeit von 30 statt von fünf Jahren vorgesehen sei. Die Zinsen sollen ähnlich hoch sein wie die, die Griechenland für die Hilfskredite der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds zahlt. Zusätzlich wollen sich die Investoren einen Bonus sichern, der ihnen im Falle eines starken Wachstums der griechischen Wirtschaft ausgezahlt wird.

[] Die restlichen 20 Prozent der rückgeflossenen Mittel sollten in einen speziellen Fonds mit hochwertigen Wertpapieren investiert werden. Dabei würden die Zinszahlungen insgesamt erst bei Fälligkeit geleistet. Der Fonds soll Sicherheit bieten, wenn Griechenland es auch bei 30-jähriger Laufzeit nicht schafft, alle Anleihen zurückzuzahlen. Weitere Details sollen an diesem Montag bekanntgegeben werden.

Dieses Modell entspricht einem sogenannten Roll Over, wenn also Anleihen gegen neue mit längeren Laufzeiten getauscht werden. Deutschland hatte sich immer für eine stärke Gläubiger-Beteiligung eingesetzt. "Ein Roll Over wäre weder substantiell, noch verlässlich", hieß es aus Regierungskreisen. Auch in Deutschland laufen derzeit Verhandlungen über eine freiwillige Beteiligung von Banken und Versicherern an einem weiteren Rettungspaket für Griechenland. Laut FAZ rechnet das Ministerium damit, dass sich die Banken im Laufe der Woche konkreter äußern.

Deutsche Privatbanken sehen einen interessanten Vorschlag

Dem Vernehmen nach stößt das französische Modell bei den deutschen Geldhäusern auf Interesse. "Das ist ein sehr interessantes Modell", sagte ein Bankenvertreter, der an den Gesprächen mit dem Ministerium beteiligt ist, der Nachrichtenagentur Reuters. "Der französische Vorschlag wäre ein möglicher Kompromiss", sagte ein anderer Insider. Einerseits werde damit das Prinzip der Freiwilligkeit einer Laufzeitverlängerung griechischer Anleihen unterstrichen. Zudem setze der Vorschlag ökonomisch und politisch sinnvolle Anreize für die privaten Gläubiger. Staatliche Garantien als Anreiz lehnt Finanzminister Wolfgang Schäuble allerdings ab. Deutsche Geldhäuser gehören mit den französischen Instituten zu den größten Geldgebern des Eurolandes.

Als kritischer Punkt gilt auch die Haltung der Ratingagenturen. Wenn diese das weitere Engagement der Finanzwirtschaft nicht als freiwillig einstufen, müssten sie als Konsequenz die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands erklären.

Lösungsideen vom Ex-Bundesbanker Weber

Der ehemalige Bundesbank-Chef Axel Weber hat in seinem ersten Interview seit seinem Abtritt im April ein Roll-Over-Modell als mögliche Lösung angesprochen. "Sehr langfristige Anleihen für beispielsweise 30 Jahre für einen Teil der griechischen Schulden könnten Griechenland helfen, in einem realistischen Rahmen schneller zum Kapitalmarkt zurückzukehren", sagte Weber dem Wall Street Journal. Er äußerte sich außerdem zu einer potentiellen Pleite Griechenlands: "Man sollte prinzipiell nie einen Zahlungsausfall ausschließen. Das wäre ein falscher Anreiz, Erfolg und Misserfolg sind Teil des Marktmechanismus. Ein Zahlungsausfall hat potentiell sehr hohe Kosten, aber ihn zu verhindern, könnte langfristig noch teurer kommen." Eine Alternative sei auch, wenn die Euroländer für die griechischen Schulden einstehen und den Gläubigern eine Garantie geben würden.