Heizkosten Teure Rechnung für die Energiewende

Heizen wird wohl teurer: Die Bundesregierung erwägt eine Kohlendioxid-Abgabe auf den Verkauf von fossilen Brennstoffen. Wenn die Händler die Kosten auf die Verbraucher abwälzen, könnten die Heizkosten stärker steigen als ohnehin befürchtet. Die Regierung will so auch die Bürger zum Sparen erziehen.

Die Heizkosten der Bürger könnten in den nächsten Jahren noch stärker steigen als ohnehin befürchtet. Grund sind Überlegungen der Koalition, die Lieferung von Öl und anderen klimaschädlichen Brennstoffen an Privatkunden davon abhängig zu machen, dass der Händler über die entsprechenden CO2-Verschmutzungsrechte verfügt. Die Kosten der Zertifikate müsste er entweder selbst tragen oder aber - was wahrscheinlicher wäre - auf die Kunden abwälzen. Alternative Brennstoffe wie Holzpellets könnten dagegen etwas billiger werden.

Steigende Heizkosten: Bei der Einführung einer Kohlendioxid-Abgabe für den Verkauf von Brennstoffen müssten die Verbraucher wohl draufzahlen.

(Foto: dpa)

Unternehmen müssen schon heute Verschmutzungsrechte erwerben, wenn bei der Herstellung ihrer Produkte klimaschädliche Gase entstehen und frei gesetzt werden. Die privaten Haushalte hingegen, deren Heizanlagen ebenfalls in großem Stil Kohlendioxid emittieren, werden nicht belastet. Das kollidiert mit den ausgesprochen ehrgeizigen Klimaschutzzielen der Bundesregierung, deren Erreichen durch den geplanten Atomausstieg noch schwieriger werden wird.

Die Idee des Verschmutzungsrechte-Verkaufs zielt darauf ab, die Verbraucher zu einem sparsamen, umweltschonenden Einsatz von Energie zu animieren. Wie aus Regierungskreisen verlautete, soll das Finanzministerium nun prüfen, ob ein solches "marktwirtschaftliches Modell" auch dazu geeignet ist, in Privathaushalten die richtigen Anreize zu setzen.

Allerdings seien die regierungsinternen Beratungen, an denen auch das Umwelt-, das Wirtschafts- und das Bauministerium beteiligt sind, noch am Anfang. Dementsprechend sei auch noch unklar, welche exakten finanziellen Folgen eine Einbeziehung der Brennstoffhändler in das System der CO2-Zertifikate für die Bürger hätte.

Mehr Energieeffizienz als Lösung

Klar ist hingegen, dass die Bundesregierung ohne eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz keine Chance hat, ihre Klimaziele auch nur annähernd zu erreichen. Allein bei Wohngebäuden soll daher der Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent sinken.

Das wird nur gehen, wenn möglichst alle Häuser vom Keller über die Wände und Fenster bis zum Dach mit einer optimalen Wärmedämmung versehen werden. Im laufenden Jahr stellt die Regierung hierfür knapp 940 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung, von 2012 an sollen es 1,5 Milliarden Euro pro Jahr sein.

Zudem können Eigentümer die Kosten der Modernisierung demnächst von der Steuer absetzen, und zwar nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nicht nur bei einer Komplett-, sondern auch bei einer Teilsanierung des Hauses. Dies dürfte dem Staat bei einer vollen Wirksamkeit der Reform nochmals Einnahmeausfälle von deutlich mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr bescheren.

Auch ohne die mögliche Kostenbelastung durch CO2-Zertifikate werden die Bundesbürger in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wohl deutlich mehr für die meisten Heizungsbrennstoffe ausgeben müssen als bisher. Grund sind die steigenden Rohstoffpreise auf den internationalen Energiemärkten.

Die Bundesregierung hofft allerdings, dass die Preissteigerung für die privaten Haushalte durch einen gleichzeitigen Rückgang beim Verbrauch aufgefangen oder zumindest abgemildert werden. Die Einbeziehung in den Zertifikatemarkt sei dabei ein Druckmittel, das es auch anderswo bereits gebe, hieß es in den Regierungskreisen. Als Beispiel wurde auf die britische Regierung und ihre Politik des sogenannten Green Deal verwiesen.

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