bedeckt München

Heizkosten:Leicht abgekühlt

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Wenn die Haushalte über den monatlichen Energieverbrauch informiert werden würden, wäre das für viele ein Sparanreiz.

(Foto: AP)

Ein Feldversuch zeigt: Wenn Haushalte mehr Informationen über den Verbrauch ihrer Heizung bekommen, sparen sie Energie.

Von Ralph Diermann

Täglich ein Vollbad, die Heizung läuft von Oktober bis April auf Hochtouren: Wie viel Energie dieser Luxus verschlingt, bekommen Haushalte in der Regel erst Monate später mitgeteilt. Denn abgelesen werden ihre Zähler nur einmal im Jahr. Eine Praxis, die nicht unbedingt dazu anhält, Energie zu sparen.

Würden Haushalte dagegen im Monatstakt über den Verbrauch informiert, wäre das für viele ein Anreiz, ihren Energiebedarf zu reduzieren. Das zeigt ein Feldtest, den die Deutsche Energie-Agentur (dena), das Bundesbauministerium, der Deutsche Mieterbund und der Energiedienstleister Ista durchgeführt haben. Bei dem Experiment konnten 190 Mietparteien in Berliner, Münchener und Essener Mehrfamilienhäusern mit Zentralheizung drei Jahre lang über ein Webportal einsehen, wie viel Wärme sie im abgelaufenen Monat verbraucht haben. Wer keinen Internetzugang hat, bekam die Informationen per Post geschickt. Dazu gab es zum Vergleich die Daten aus Vormonat und -jahr und darüber hinaus, quasi als sportlichen Anreiz, ein anonymisiertes Ranking aller Haushalte im Gebäude. In der Folge haben die Teilnehmer während des Testlaufs einer Zwischenbilanz zufolge - die endgültigen Ergebnisse werden Anfang nächsten Jahres veröffentlicht - im Durchschnitt rund zehn Prozent weniger Heizwärme verbraucht als eine bundesweite Kontrollgruppe, die nicht regelmäßig informiert wurde. Allerdings unterscheiden sich die Ergebnisse von Stadt zu Stadt erheblich: Während viele Haushalte in Berlin und München ein großes Minus erzielten, zeigte der monatliche Turnus bei den meisten Teilnehmern in Essen kaum Wirkung. Warum das so ist, soll nun im Detail untersucht werden.

Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hält eine monatliche Mitteilung über den Heizenergieverbrauch grundsätzlich für sinnvoll. "Für manche Verbraucher mag es zusätzlich motivierend wirken, auch Vergleichsdaten ihrer Nachbarn zu erhalten, die auf freiwilliger Basis angeboten werden können. Das schafft einen Anreiz, das eigene Verbrauchsverhalten zu überdenken", erklärt Sieverding. Eine Patentlösung sieht der Verbraucherschützer in der Bereitstellung der Daten im Monatsrhythmus allerdings nicht. "Ob sich eine Umstellung auf unterjährige Informationen bezahlt macht, hängt wesentlich davon ab, wie hoch die Kosten für den engeren Takt sein werden", erklärt er.

Nach Angaben des Energiedienstleisters Ista müssten Haushalte für monatliche Daten maximal 24 Euro im Jahr bezahlen - vorausgesetzt, ihre Zähler lassen sich per Funk auslesen. Um diese Kosten wieder hereinzuholen, müsste ein Haushalt zum Beispiel etwa dreißig mal im Jahr ein Vollbad durch eine Dusche ersetzen. Rund jedes zweite hierzulande installierte Messgerät arbeitet bereits mit Funktechnik. In wenigen Jahren soll sie flächendeckend verbreitet sein, da mit Auslaufen der Eichfrist alter Zähler meist fernauslesbare Geräte eingebaut werden.

Der Wohnungswirtschafts-Verband GdW hält die Umstellung auf eine monatliche Mitteilung prinzipiell für einen interessanten Ansatz. Doch der Feldversuch lasse noch einige Fragen offen, sagt Ingrid Vogler, Energieexpertin des GdW. "So geht aus dem Testlauf nicht hervor, warum manche Haushalte mit einer unterjährigen Information Energie sparen und andere nicht." Einen Zwang zur Bereitstellung monatlicher Verbrauchsdaten lehnt sie ab. Sie plädiert jedoch dafür, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, dass Vermieter dies auf freiwilliger Basis anbieten können. "Dazu muss vor allem die Frage des Datenschutzes geklärt werden", sagt Vogler. Dem Mieter stünde es dann frei, ob er den Monatstakt wählt oder alles beim Alten belässt.

Sollten monatliche Mitteilungen zur Pflicht werden, müsste dafür die Heizkostenverordnung geändert werden. Doch das sei nicht geplant, erklärt ein Sprecher des Bundesbauministeriums. "Denn eine verpflichtende unterjährige Verbrauchsinformation kann nur dann eingeführt werden, wenn dem zusätzlichen Aufwand und den dadurch entstehenden Kosten entsprechende Einsparungen gegenüber stehen, die zumindest einen Ausgleich schaffen." Er verweist unter anderem auf den Feldversuch in den drei Großstädten - der Testlauf liefere keine belastbaren Anhaltspunkte für die Wirtschaftlichkeit einer unterjährigen Verbrauchsinformation, betont der Ministeriumssprecher. Denn auch wenn die Kosten für die monatlichen Informationen relativ gering sind: Spart ein Haushalt damit keine oder kaum Energie, zahlt er drauf.

© SZ vom 23.12.2016
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