Süddeutsche Zeitung

Heimwerker:Selbst ist der Mann

Es wird gefräst, gedübelt und geschraubt, was die eigene Werkstatt nur hergibt. Aber wer zahlt den Schaden, wenn etwas schief geht?

Tilman von Rohden

Was ist eine Haushaltskrise? Eine echte Haushaltskrise, also nicht die des Staates, dem einige Milliarden Euro fehlen, sondern eine private. Die Antwort: Wenn der Mann zur Bohrmaschine, Kreissäge oder zum Schweißgerät greift, um den Haushalt auf Vordermann zu bringen. Es wird gefräst, gedübelt und geschraubt, was die eigene Werkstatt nur hergibt. Im Zweifelsfall wendet sich der hilflose Heimwerker an seine besten Freunde.

Die heißen Obi, Bauhaus oder Praktiker, wissen eigentlich immer Rat und haben alles: Kupferrohre, Muffen, Schellen, elektrische Leitungen in allen Durchmessern und Formen, Sicherungskästen, Steckdosen, Schalter und vieles mehr. Nach vollbrachter Arbeit strömt das Gas, fließt der Strom und gurgelt das Wasser - hoffentlich.

Denn auch beste Freunde geben zuweilen einen ungewissen Rat. Fragt man in Baumärkten gezielt nach, ob alle angebotenen Artikel aus den Bereichen Gas, Wasser und Strom von Heimwerkern verbaut werden dürften, führt einen das Gespräch leicht in schwieriges Gelände. Die Verkäufer sind sich mitunter unsicher, wissen es vielleicht auch nicht oder ignorieren die Bedenken: "Natürlich dürfen Sie diesen Fehlerstromschutzschalter im Keller montieren. Es ist doch Ihr Keller."

Heimwerker dürfen ihren Neubau hochziehen und ausstatten oder das bereits vorhandene Haus selbst modernisieren und renovieren. Nur alles, was mit Gas, Strom und Wasser zu tun hat, dürfe nur von einem Experten erledigt werden. So heißt es immer wieder. Aber was geschieht, wenn man diese Vorgabe nicht beachtet und die untersagten Arbeiten doch selbst ausführt? Verurteilt einen dann ein strenger Richter? Oder sperrt einem der örtliche Versorger die Stromlieferung ab?

Selbst ist der Mann

Rechtlich maßgeblich ist die mehrseitige Verordnung über allgemeine Bedingungen (AVB) für die Versorgung von Tarifkunden. Im AVB-Paragraph 12 Absatz 2 heißt es zum Beispiel zum Thema Strom: "Die Anlage darf außer durch das Elektrizitätsversorgungsunternehmen nur durch einen in ein Installateurverzeichnis eingetragenen Installateur nach den Vorschriften dieser Verordnung und nach anderen gesetzlichen oder behördlichen Bestimmungen sowie nach den anerkannten Regeln der Technik errichtet, erweitert, geändert und unterhalten werden. Das Elektrizitätsversorgungsunternehmen ist berechtigt, die Ausführung der Arbeiten zu überwachen."

"Damit ist klargestellt, dass Heimwerker zwar eine neue Wasserarmatur montieren, nicht aber Arbeiten am Rohrsystem vornehmen dürfen. Das wäre illegal", sagt Franz-Josef Heinrichs, stellvertretender Geschäftsführer Technik im Zentralverband Sanitär Heizung Klima (SHK). Sein Kollege Bernd Dechert vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) möchte nicht von illegalen Tätigkeiten der Heimwerker sprechen. "Der Paragraph 12, Absatz 2, spielt in der Praxis keine Rolle. Es gibt kein Recht, mit dem man Handwerkern in der Praxis Arbeiten bei Gas, Wasser oder Elektrizität verbieten könnte."

Das Heimwerken in den eigenen Wänden spart Kosten, weicht allerdings den Versicherungsschutz auf. Während Installateure auf alle ihre Arbeiten nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch eine Gewährleistung von fünf Jahren geben müssen und eine Betriebshaftpflichtversicherung haben, stehen Heimwerker gegebenenfalls ohne jeden Versicherungsschutz da. "Schäden, die auf grober Fahrlässigkeit beruhen, werden von uns nicht übernommen", sagt Christiane Lesch von der Allianz Versicherung. Überprüft werde nicht die gesamte Installation, sondern nur die Schadensursache.

Das Verhalten der Versicherung sei unabhängig davon, ob die Installation von einem Fachmann oder einem Heimwerker errichtet worden sei. Modernisierte Installationen werden von den Energieversorgern nicht eigens überprüft. Was in diesen Fällen hinter den heimischen Wänden passiert, kümmert sie üblicherweise nicht. Anders ist die Lage bei Neuanschlüssen.

Die Versorger verlangen im Rahmen der Neuanmeldung eine Abnahme durch einen Installateur. Von Heimwerkern eingereichte Formulare reichen ihnen nicht. Um diese Hürde zu umgehen, arbeiten immer wieder Heimwerker mit Installateuren zusammen und bezahlen für die Abnahme. Die Verbände SHK und ZVEH beurteilen diese Praxis kritisch, wollen aber auch nicht als Spielverderber gelten. Deshalb maulen sie nur, wenn es keiner hört.

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