Hausbau Noch immer ahnungslos

Verbraucherverband zieht negative Bilanz zum neuen Bauvertragsrecht.

Von Marianne Körber

Ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Bauvertragsrechts zieht der Verband Privater Bauherren (VPB) eine negative Bilanz: "Das Gros der Bauherren und auch viele Bauunternehmer sind noch immer ahnungslos, wenn es um die neu eingeführten gesetzlichen Verbraucherrechte im Vertrag für ein Schlüsselfertighaus geht." Das zeige die Auswertung von Bauvorhaben aus den Regionalbüros des Verbands. Bei 85 Prozent der stichprobenartig ausgewählten Projekte seien den privaten Bauherren ihre neuen Rechte nicht bewusst gewesen - nicht verwunderlich, denn private Bauherren seien Laien und bauten meist nur einmal im Leben. Baufirmen dagegen seien Profis und sollten über Recht und Gesetz Bescheid wissen. Laut Studie ist aber auch dem nicht so: 78 Prozent der ausführenden Schlüsselfertigbaufirmen hatten ebenfalls noch keine Kenntnis vom neuen Bauvertragsrecht.

Detailliertere Fragen nach dem Widerrufsrecht, der letzten Rate des Zahlungsplans, dem Recht auf eine korrekte Baubeschreibung oder auf die Herausgabe wichtiger Bauunterlagen brachten ähnliche Erkenntnisse. In allen Punkten bescheinigt die Studie auch den Baufirmen noch weitgehende Ignoranz. Immerhin wüssten aber 65 Prozent der Bauunternehmer inzwischen, dass sie Bauherren vor Vertragsabschluss eine Baubeschreibung übergeben müssen und was darin erwähnt sein muss. Die anderen 35 Prozent übergäben folglich "auch nur werbliches Wortgeklingel, auf das sich Bauherren nicht verlassen können", so der VPB. Noch viel zu selten werde bisher aber auch eine korrekte Baubeschreibung gezielt angefragt, denn auch von den Bauherren kenne bislang nur jeder Zehnte sein Recht. Genauso verhalte es sich mit der Übergabe von wichtigen Planunterlagen - nur mit deren Hilfe könnten Bauherren beispielsweise überprüfen lassen, ob sie die statische Konstruktion und energetische Bauausführung bekommen, für die sie Fördergelder erhielten oder die gesetzlich verlangt sei und für die sie ganz persönlich am Ende des Tages auch mit ihrem Vermögen haften.

VPB-Hauptgeschäftsführerin Corinna Merzyn hält das für fatal: "Private Bauherren können ohne die neuen Qualitätsmerkmale nach wie vor nur über den Preis entscheiden. Und der sieht natürlich attraktiver aus, wenn man sich nicht an das neue Gesetz hält und Risiken und Zusatzkosten verschweigt. Qualitätsanbieter gucken hier in die Röhre, vor allem aber die Bauherren bleiben im Risiko."

Lediglich beim Energieausweises habe es etwas besser ausgesehen: 54 Prozent der Bauherren bekamen ihn nach der Fertigstellung des Hauses ausgehändigt.