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Handwerker:Auf der Suche

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Handwerker sind derzeit gut ausgelastet. Das macht es noch schwerer, einen guten Betrieb zu finden.

(Foto: imago/Russian Look/Fotoimedia)

Feuchte Wand, Schimmel an der Decke: Welcher Fachmann erledigt welche Reparaturen? Wer ist gut und zuverlässig? Wie man den richtigen Experten findet.

Ein Szenario, wie es immer wieder vorkommt: Ein Wasserfleck hat sich an der Decke des Wohnzimmers gebildet. Der Eigentümer ruft einen Klempner, und der meint zu wissen: "Das ist ein Rohrbruch an der Abwasserleitung des Bades. Wir machen jetzt den Revisionsschacht im Wohnzimmer auf und reparieren den Schaden." Eine Stunde später ist der Kasten des Schachts aufgestemmt, das Rohr freigelegt - und keine Leckage zu sehen. "Der Schaden liegt doch nicht an dieser Leitung", muss der Klempner einräumen und beginnt schon die nächste Aktion. "Wir müssen im Bad einige Fliesen abhacken, um an die richtige Leitung heranzukommen." Als sich nach dem Freilegen der Rohre immer noch kein Schaden zeigt, wird hektisch nach dem Chef telefoniert. Dieser stellt schließlich fest, dass die Duschabtrennung undicht ist und sich Wasser den Weg ins drunter gelegene Wohnzimmer bahnt.

Die Betriebe bieten häufig nur die Arbeiten an, auf die sie spezialisiert sind

"Solch vermeidbare Reparaturschäden und unnötige Kosten durch Fehlhandeln von Handwerkern kommen leider immer wieder vor", sagt Architektin Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB). Manche Handwerker vermuteten allein aus ihrer Fachperspektive eine Schadensursache, ohne andere, fachfremde Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen.

"Hausbesitzer können zunächst im Internet recherchieren, wenn die Ursache für einen Schaden nicht eindeutig ist", rät Corinna Kodim vom Verband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Die Geschäftsführerin für die Bereich Energie, Umwelt, Technik hat noch einen weiteren Tipp: Freunde, Nachbarn oder in der Familie fragen, mit welchen Handwerkern sie gute Erfahrungen gemacht haben. Wer Produkte aus dem Baumarkt verarbeiten oder montieren lassen will, kann auch dort Hilfe bekommen. Manche Märkte vermitteln Handwerker, oft zu schon vorher festgelegten Preisen. "Bei der Auswahl von Handwerkern sollten Hausbesitzer auf die Qualifikation des Handwerksbetriebes achten", sagt Reinhold-Postina. Örtliche oder zumindest in der Region beheimatete Unternehmen seien oft von Vorteil. Denn diese müssten ihren guten Ruf wahren und seien meist schneller da.

Eine Alternative für die Handwerkersuche sind Internetportale. "Manche Angebote sind in Portalen allerdings mit Vorsicht zu genießen", warnt Reinhold-Postina. Denn nicht alle, die dort ihre Arbeit anböten, hätten die notwendige Qualifikation wie einen Meister- oder Gesellenbrief und hielten, was sie versprächen. Über die Qualifikation und das Renommee eines Betriebes sollten sich Hausbesitzer zunächst schlau machen. Dann ließen sich auch bei Internet-Auktionen gute Angebote bekommen.

Bevor Hausbesitzer in unklaren Schadensfällen voreilig einen möglicherweise fachfremden oder ungeeigneten Handwerker holen, der womöglich noch größeren Schaden anrichtet, sollte ein unabhängiger Bausachverständiger hinzugezogen werden, rät Reinhold-Postina. Dies sei besonders sinnvoll bei größeren Sanierungsarbeiten oder auch wenn es darum gehe, mehrere Gewerke zu koordinieren. Denn auch hervorragende Handwerksfirmen betrachten oft nur ihren eigenen Tätigkeitsbereich. Deshalb werden häufig auch nur die Arbeiten angeboten, auf die der Betrieb spezialisiert ist. Auch Kodim rät, im Zweifelsfall besser einen Bausachverständigen hinzuziehen.

"Wenn keine Gefahr in Verzug ist, sollte man vor der Auftragsvergabe mindestens zwei oder drei Angebote einholen", empfiehlt Kodim. Und: Angebot und Auftrag sollten immer schriftlich fixiert werden, um Missverständnisse auszuschließen. Im Vertrag sollten die zu erbringenden Leistungen, der Preis und der Termin- und Zeitrahmen einer Leistung vereinbart sein. "Um die Reparaturkosten im Rahmen zu halten, ist die Vereinbarung eines Festpreises ratsam", betont Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Lasse sich ein Handwerker darauf nicht ein, sei das Einholen mehrerer Kostenvoranschläge geboten. Kostenvoranschläge seien aber nicht bindend. Die Kosten dürften am Ende um zehn bis 20 Prozent überschritten werden.

"Mieter dürfen zur Beseitigung eines Mangels in ihrer Wohnung in der Regel keine Handwerker beauftragen", erläutert Ulrich Ropertz, Rechtsanwalt vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Denn der Vermieter sei hierfür verantwortlich. Dies gelte auch dann, falls der Mieter den Schaden - zum Beispiel Schimmel durch falsches Lüften - selbst verursacht habe.

Die Versicherungen dringen darauf, Schäden durch schnelles Reagieren möglichst gering zu halten. Bei einem Leitungswasserschaden gilt es, zuerst das Wasser abzudrehen. "Hausbesitzer, die vermuten, dass beispielsweise ein Rohrbruch vorliegt und die Versicherung für die Reparatur aufkommen muss, sollten solche Schäden so schnell wie möglich ihrem Versicherer melden", betont Simon Frost vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin. Und dies sollte unbedingt vor der Auftragsvergabe an Handwerksbetriebe erfolgen. Der Versicherungsnehmer sei verpflichtet, einen Schaden möglichst klein zu halten.