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Handel mit Edelmetallen:So rechnen sich die Steuertrickser arm

Ein Beispiel - ein kinderloser Alleinstehender zahlt auf sein Einkommen von 60.000 Euro im Jahr einen durchschnittlichen Steuersatz von 29,9 Prozent. Bei einem zusätzlichen Einkommen mit Progressionsvorbehalt von 20.000 Euro steigt der Satz auf 33,5 Prozent. Er ist aber nicht auf 80.000 Euro zu zahlen, sondern lediglich auf die ursprünglichen 60.000 Euro. Die Steuererleichterung beträgt 6700 Euro.

Auf den Steuertrick übertragen, ist eine solche Ersparnis harmlos. Die Summen sind viel höher. Denn zwei Faktoren kommen hinzu. Zum einen ist der Goldpreis aufgrund der europäischen Finanzkrise stetig gestiegen. Das heißt, die ausländischen Gesellschaften haben das Gold in der Regel teurer verkauft, als sie es erworben haben.

Zum Zweiten wirkt sich der Steuertrick für Spitzenverdiener besonders günstig aus. Verdienen die "Goldfinger" als Alleinstehender deutlich über 250.000 Euro im Jahr, liegt ihr durchschnittlicher Steuersatz nahe am höchstmöglichen Wert. Das heißt, der Progressionsvorbehalt steigert in diesem Fall die durchschnittliche Steuerbelastung allenfalls marginal.

Bislang sind die Finanzbehörden daran gescheitert, das Schlupfloch der "Goldfinger" zu schließen. Zunächst hatten die Finanzbehörden das Vorgehen als Steuersparmodell verboten, was Erfolg versprach. Doch im Oktober 2010 untersagte das hessische Finanzgericht dieses Vorgehen. Die Richter argumentierten, dass es sich nicht um ein breit angelegtes Steuersparmodell handele, sondern um individuelles Handeln. Das Vorgehen könne daher nicht pauschal untersagt werden.

Im Finanzausschuss präsentierten Schäubles Experten nun einen weiteren Ansatz, um das Treiben der Steuervermeider zu unterbinden. Auf Anfrage der Linken-Finanzexpertin Barbara Höll teilte das Ministerium mit, dass es bei dieser Anlageform künftig eine Rückverrechnung gibt. Der Steuersparer kann seine Verluste wie bislang geltend machen. Verkauft er das Gold aber nach einem, zwei oder drei Jahren wieder, wird dieser Gewinn in das Jahr des ursprünglichen Verlustes zurückgetragen, mithin dort verrechnet. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll nun folgen. Einen Nachteil hat das Vorhaben. Die Zinsgewinne, so der Berliner Steuerprofessor Frank Hechtner, werden weiter nicht besteuert.

© SZ vom 09.07.2012/infu

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