Süddeutsche Zeitung

Haftungsfrage bei Mietwagen:Worauf die Kunden achten müssen

Kleine Kratzer im Lack und verlorene Schlüssel: Wer seinen Leihwagen nach dem Urlaub zurückgibt, den erwartet oft eine böse Überraschung. Wie können die Automieter verhindern, dass es zu teuer wird? Ein Überblick.

Zehn Tage Cabrio, schön war es. München, Frankfurt, Sylt, Hannover, München. Dann die böse Überraschung: Nach der Rückgabe bei der Autovermietung kommt per Post ein Fragebogen. Wann war der Unfall? Wo? Gibt es ein Protokoll der Polizei? Erst beim zweiten Hinsehen wird klar, dass es überhaupt nicht um einen Unfall geht.

Hinterfragt wird zweierlei: Erstens sei die DVD des Navigationsgerätes verschwunden, zweitens der Tank nicht richtig voll gewesen. Stimmt beides nicht, weiß der Mieter. Doch was ist, wenn es hart auf hart kommt: Wie soll er beweisen, was sich schlecht beweisen lässt? Ihn beschleicht ein ungutes Gefühl. Und er stellt sich die Frage: Worauf muss ein Automieter achten, um sicher sein zu können, dass mit der Rückgabe des Fahrzeuges für ihn alles erledigt ist?

Schlüssel steckt - nichts wie weg?

Autovermieter bieten ihren Kunden komfortable Möglichkeiten an, das Fahrzeug wieder loszuwerden. Oft genügt es, das Auto an der Vermietstation hinzustellen und den Schlüssel abzugeben. An Flughäfen parkt man auf einer Rückgabespur, lässt den Schlüssel stecken und geht. Nachts versenkt man den Schlüssel in einer Art Briefkasten. In manchen Feriengebieten ist es Sitte, den Schlüssel in den Kofferraum zu legen.

Das ist bequem. Doch der bequemste Weg ist oft der riskanteste. "Wird das Auto beschädigt, bis die Autovermietung wieder öffnet, ist die Haftungsfrage ungeklärt", warnt der Onlinebroker billiger-mietwagen.de. Denn fehlt der Kontakt zum Personal der Autovermietung, gibt es auch keine Bestätigung für die Rückgabe eines unbeschädigten Autos. Wenn dann Forderungen wegen Kratzern, Beulen oder halbvollem Tank folgen, bricht die große Verlegenheit aus. Wie soll man bitte schön beweisen, was sich nicht mehr ohne weiteres beweisen lässt?

Parken und warten?

Eine Lösung könnte die Rückgabe des Autos nur gegen Quittung sein. Doch das ist oft leichter gesagt als getan. Denn an manchen Abenden quillen die Rückgabestationen der Autovermieter über vor Fahrzeugen mit Fahrern, die es eilig haben. Flugzeuge warten nicht auf verspätete Automieter. Die Jungs von der Autovermietung schaffen mit den Handheld-Computern kaum die Runde durch die mit Barcodes ausgerüsteten Wagen. Und dann noch auf den Ausdruck warten? Zumal der Drucker oft ein ganzes Stück entfernt steht. Da verzichten nicht wenige auf die Bescheinigung, dass sie ein unbeschädigtes Auto abgegeben haben. Es wird schon gutgehen - und meistens geht es ja auch gut.

Wer zahlt bei Schäden?

Anders sieht die Sache aus, wenn tatsächlich ein Malheur passiert ist. Kratzer, Beule oder mehr: Bei einem Unfall empfiehlt es sich immer, die Polizei einzuschalten. Ohne deren Protokoll zahlt keine Versicherung. Bei kleinen Schäden kommt es auf die Kulanz des Vermieters an. Sie sollten bei der Rückgabe schriftlich festgehalten und möglichst auch fotografiert werden. Wie es dann weitergeht, wird nicht immer vor Ort entschieden.

Der Autovermieter Sixt zum Beispiel unterhält dafür eine zentrale Schadensabteilung, und von der hängt es ab, ob die als Sicherheit dienende Kreditkarte des Kunden belastet wird. Dieser bekommt vorher einen Fragebogen, eine Mahnung und gegebenenfalls auch eine Rechnung. "Es handelt sich um individuelle Entscheidungen von Profis", wird in der Sixt-Zentrale das abgestufte Vorgehen durch eine auf Schäden spezialisierte Truppe begründet. Die Profis halten meist zum Kunden - etwa drei Viertel aller Schäden werden auf Kulanzbasis für den Mieter kostenfrei abgeschlossen, ohne dass ein Fragebogen verschickt wird.

Auftanken - und Geld sparen

Was ist mit Verträgen im Ausland?

Beim Automieten im Ausland wird oft ein Vertrag mit einer ausländischen Firma abgeschlossen. Dann kann die rechtliche Durchsetzung oder das Abwenden von Ansprüchen schwierig bis unmöglich werden. Die großen, international tätigen Autovermieter verweisen daher gern auf ihre Organisation im Heimatland des Mieters als Ansprechpartner. Die Vermittler von Mietautos lokaler Vermieter sehen sich jedoch ebenso als Adresse in Deutschland, die im Falle eines Falles die Interessen ihres Kunden im Ausland wahrnimmt.

Wer tankt auf?

Geld sparen und Ärger vermeiden lässt sich in jedem Fall, in dem man selber Benzin nachfüllt. Der Tank sollte voll sein bei der Rückgabe, wenn man ihn voll übernommen hat. Die Vermieter sind oft tolerant, wenn ein paar Liter fehlen. Aber darauf sollte man es nicht unbedingt anlegen, wenn man Kosten und Schriftwechsel vermeiden will.

Wie läuft es mit der Rückgabe?

Um die Rückgabe zu erleichtern, geben Autovermieter generell den Rat, bereits beim Abholen zu fragen, wo die Rückgabe vorgesehen ist und die nächste Tankstelle liegt. Sich dafür etwas Zeit zu nehmen, ist sinnvoll. Denn je größer zum Beispiel der Flughafen, um so länger sind oft die Wege.

Was sollte versichert sein?

Zumindest was Schäden am Fahrzeug angeht, kann man sich durch eine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung absichern. Die ist mitunter inklusive, gerade bei Billigangeboten oft jedoch extra abzuschließen.

Übrigens, die Sache mit dem Cabrio ging so weiter: Der Mieter konnte mit der Quittung einer Tankstelle direkt neben der Station des Autovermieters gut darlegen, dass er wenige Minuten vor der Rückgabe des Autos eine größere Menge Benzin getankt hatte. Da das Navigationsgerät noch auf dem Weg nach München um einen Stau bei Nürnberg herumgeführt hatte, war es auch ziemlich unwahrscheinlich, dass die DVD nicht mehr im Gerät steckte. Das machte den Mieter seiner Sache sehr sicher. Die Schadensabteilung des Autovermieters schrieb auf einmal etwas von einem Versehen und schickte eine schriftliche Entschuldigung.

Für vielreisende Menschen ist das Verhältnis zum Autovermieter eine langfristige Beziehung. Eine atmosphärische Störung wie ein Unfall-Fragebogen ohne Unfall irritiert da und erschüttert das Vertrauen. Einmal wurde ihm geglaubt, sagt sich der Kunde. Doch was ist beim nächsten Mal, wenn wieder jemand behauptet, der Tank sei nicht voll oder das Navi sei ohne DVD? Wird man ihm dann wieder glauben? Zurückbleibt ein schlechtes Gefühl. Sowie der Vorsatz, sich künftig Übergabeprotokolle ausdrucken und aushändigen zu lassen.

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Quelle:
SZ vom 21.06.2011/lom
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