Griechenland und die Finanzmärkte Berechtigte Skepsis

Trotz der Hilfsmaßnahmen aus Europa misstrauen die Investoren Griechenland. Ihnen fehlt ein Signal, dass sich tatsächlich etwas ändern wird.

Ein Kommentar von Alexander Hagelüken

Es ist, als hätte der EU-Gipfel mit seinen groß verkündeten Hilfszusagen nie stattgefunden. All das wochenlange Gefeilsche um ein Rettungspaket für die hochverschuldeten Griechen, all die Finessen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy - sie haben die Finanzmärkte kaum beeindruckt. Derzeit fallen die Kurse Athener Staatsanleihen auf ein historisches Tief.

Das Euro-Mitglied Griechenland gilt längst als schlechterer Schuldner denn Schwellenländer wie Brasilien oder Mexiko. Die Regierung wird es schwer haben, Geld aufzutreiben. Damit stellt sich für alle Europäer erneut die Frage, wie groß das Problem im Südosten der Währungsunion ist.

Warum misstrauen Investoren Griechenland, obwohl die EU-Nachbarn doch im Krisenfall einspringen wollen, der Staat also nicht pleitegehen kann? Zum einen glauben die Anleger, dass eine Rettung womöglich komplizierter und langwieriger ist, als es in der Euphorie des Brüsseler Gipfels schien. Eine Einigung zwischen Regierungen, Europäischer Zentralbank und Weltwährungsfonds könnte dauern. Schon jetzt streiten die EU-Staaten, zu welchen Konditionen sie Athen Darlehen geben wollen - wobei Deutschland möglichst wenig verschenken will, was ja richtig ist.

Zum anderen vermissen Investoren ein Zeichen, dass die Griechen wirklich zu sparen anfangen. Wenn Taxifahrer und Kneipiers gegen Registrierkassen demonstrieren, weil sie weiter Steuern hinterziehen wollen, erzeugt das Skepsis. Ja, die Griechen reagieren bereits auf die Krise: Sie räumen ihre Bankkonten leer, wie es bei Staatskrisen in der Dritten Welt geschieht. Nötig wären Signale, dass die Bürger einsehen, wie stark sie über ihre Verhältnisse gelebt haben.