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Griechenland:Goldmans Desaster

Politiker und Banker haben zusammenarbeitetet, um in Griechenland Lasten in die Zukunft zu verschieben. Für Goldman Sachs wächst sich die Kooperation zum PR-Desaster aus.

Die Autobahn Augsburg-München ist ein guter Ort, um das Drama um Goldman Sachs und die griechischen Schulden besser zu verstehen. Der notorisch überlastete Teilabschnitt der A 8 wird derzeit mit hohem Aufwand sechsspurig ausgebaut. Träger des Großprojekts ist aber nicht der Bund, dem die Autobahn gehört, sondern ein Konsortium privater Firmen.

Griechenland, dpa

Das "kapitalistische Monster" soll das Graffiti darstellen. In Griechenland wächst der Widerstand gegen die Sparmaßnahmen der Regierung.

(Foto: Foto: dpa)

Dieses stellt die Finanzierung bereit, wickelt den Bau ab, steht für den Betrieb gerade - und bekommt zum Ausgleich auf 30 Jahre die Einnahmen aus der Lkw-Maut. Das Ganze nennt sich "Public Private Partnership, PPP" und wird von Politikern wie Wirtschaftsverbänden als Zukunftsmodell gepriesen.

Verdeckte Schulden

Auch der Flughafen Athen ist eine Public Private Partnership. Gebaut wurde es von einem Konsortium, in dem der griechische Staat zwar die Mehrheit hält, das aber vom Hochtief-Konzern geführt wurde. Seit der Fertigstellung 2001 bekommt das Konsortium zum Ausgleich die Athener Flughafengebühren.

PPPs können sehr sinnvolle Instrumente sein, zum Beispiel weil private Konsortien große Projekte effizienter abwickeln als eine staatliche Behörde. Aber sie bleiben bei allen Vorteilen eines: verdeckte Staatsschulden. Gäbe es das PPP nicht, müsste der Staat das betreffende Projekt entweder verschieben oder entsprechende Schulden aufnehmen.

Nun ist es ein Unterschied, ob die Bürger eines Staates für die verdeckten Schulden etwas Konkretes bekommen, einen Flughafen etwa oder eine Autobahn. Oder ob die einzige Leistung darin besteht, Lasten in die Zukunft zu verschieben. Genau dies war aber bei einigen Geschäften der Fall, die Banken wie JP Morgan und UBS in der Zeit rund um den griechischen Euro-Beitritt mit Athen abschlossen: Lotterie-Einnahmen und Autobahngebühren wurden verpfändet, nur um Kredite zu strecken.

Die Grenze zwischen einem guten und einem schlechten Deal. Auch Währungs-Swaps, wie Goldman Sachs 2002 einen mit der damaligen griechischen Regierung vereinbart hatte, können etwas sehr Sinnvolles sein. Zum Beispiel wenn ein Unternehmen oder eine Regierung einen günstigen Wechselkurs für die Zukunft sichern will.

Im konkreten Fall jedoch war von vorneherein erkennbar, dass das Geschäft der Statistik-Verschönerung diente: Schulden des griechischen Staates, die in Dollar und Yen lauteten, wurden in einen langfristigen Euro-Kredit über eine Milliarde Dollar umgewandelt. Der zugrunde liegende Wechselkurs lag unter dem tatsächlichen Marktpreis. Auf diese Weise kam Athen in den Genuss einer hohen Einmalzahlung, die sie erst viele Jahre später - mit Zins - zurückzahlen musste.

Seit die griechische Schuldenkrise akut wurde, haben sich diese Geschäfte zu einem Public-Relations-Desaster für Goldman Sachs ausgewachsen: "Goldman hilft den Schuldentricksern", lauten die Schlagzeilen auf der ganzen Welt. Jetzt kam noch eine Drehung hinzu: Die Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte einen Bericht, wonach Goldman Sachs Griechenland dabei half, Staatsanleihen in Höhe von 15 Milliarden Euro aufzunehmen - und zwar nach Abschluss eines Swap-Geschäfts aus dem Jahr 2002. Zehnmal platzierte Goldman Sachs in der Folgezeit griechische Anleihen.

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