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Euro-Wechselkurs:Allein gegen die Spekulanten

Die Schweizerische Nationalbank greift zu drastischen Mitteln: Um die heimische Wirtschaft zu retten, legt sie im Kampf gegen die starke Landeswährung eine Höchstgrenze im Verhältnis zum Euro fest. Diese will sie künftig "mit allen Mitteln" verteidigen. Der Schritt hat enorme Bedeutung - nicht nur für die Schweiz.

Reisen in Europa waren in den letzten Monaten für die Schweizer zum Vergnügen geworden: Die Stärke des Franken machte Einkäufe in der Euro-Zone spottbillig. Das war die angenehme Seite der massiven Aufwertung des Franken, die Folge der großen Verunsicherung an den Finanzmärkten ist.

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Im Kampf gegen den starken Franken greift die Schweizerische Notenbank nun zu drastischen Mitteln.

(Foto: AFP)

Doch die Industrie des Landes stöhnte, denn ihre Produkte verteuerten sich gewaltig. Zeitweise war das Verhältnis Euro/Franken nicht mehr weit von der sogenannten Parität entfernt: In dem Fall wäre ein Euro einen Franken wert gewesen. Die Politik witterte eine große Bedrohung für die heimische Wirtschaft - und die Schweizerische Nationalbank handelte.

Doch die üblichen Mittel halfen zuletzt nicht mehr: Obwohl die Zinsen faktisch auf null Prozent gesunken waren, ja, Anleger sogar schon Gebühren dafür zahlten, um ihr Geld in Franken anzulegen, stieg die Währung unaufhaltsam.

Darum entschloss sich jetzt die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu einem drastischen Schritt: Sie legte einen Mindestpreis für den Euro fest: Fortan muss ein Euro mindestens 1,20 Franken kosten. Billiger darf die Gemeinschaftswährung nicht mehr werden - aus deutscher Sicht ist nun der Preis des Franken nach oben gedeckelt.

Der UniCredit-Experte Alexander Koch nennt das die "ultimative Waffe". Denn mit der nunmehr anvisierten Höchstgrenze des Franken fährt die SNB ein Geschütz auf, das sie mehr als dreißig Jahre nicht mehr eingesetzt hat. Zuletzt hatte sie im Jahr 1978 eine Obergrenze zur damaligen Deutschen Mark festgesetzt. Seinerzeit konnte die Notenbank zwar die Aufwertung des Franken stoppen, allerdings nur um den Preis einer stark steigenden Inflation. Auffällig ist zugleich die energische Wortwahl der Nationalbank. Sie toleriere ein Absinken des Euro unter 1,20 Franken ab sofort nicht mehr, teilte sie offiziell mit. "Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen."

Zugleich stellte sie weitere Maßnahmen in Aussicht, falls diese nötig werden sollten. "Der Franken ist auch bei 1,20 pro Euro hoch bewertet und sollte sich über die Zeit weiter abschwächen. Falls die Wirtschaftsaussichten und die deflationären Risiken es erfordern, wird die Nationalbank weitere Maßnahmen ergreifen."

Euro verteuert sich sprunghaft

Der Schweizer Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann lobte den Schritt der SNB. Er bringe Entlastung und Sicherheit, sagte er in einem Interview mit dem Zürcher Lokalsender Radio 24. Die Schweizer Nachrichtenagentur SDA zitiert zudem den Chefökonom des Wirtschaftsdachverband Economiesuisse Rudolf Minsch mit den Worten, dass auch ein Wechselkurs von 1.20 nicht in Stein gemeisselt sei. Bei Bedarf könne er später nach oben angepasst werden. Die Frage laute immer, welchen Kurs die Notenbank durchsetzen könne. Allerdings ein ein Kursziel von 1.40 Franken - wie es der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert - illusorisch.

Der Euro verteuerte sich nach der SNB-Ankündigung binnen weniger Minuten von 1,1250 auf mehr als 1,21 Franken. Später wurden für die Gemeinschaftswährung Kurse um 1,20 Franken bezahlt. Für eine gewöhnlich so gemütliche Währung wie den Franken ist ein derart gewaltiger Kurssturz ein Erdbeben.

"Ultimativer Schritt"

Doch wie lange kann die SNB dem starken Aufwertungsdruck etwas entgegenhalten? Schweizer Politiker hatten spekuliert, dass die Notenbank dafür "Hunderte von Milliarden Franken" ausgeben müsste.

Lutz Karpowitz, Devisenstratege bei der Commerzbank, sagte sueddeutsche.de, dass die "SNB unbegrenzt Euro kaufen und Franken verkaufen kann, denn sie kann ja selbst zusätzliche Franken ausgeben".