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Geldanlage:Das Reich des Goldes

Bundesbank - Gold

Aus seinem Geld Gold machen, das geht immer. Die Frage ist, ob sich das auch lohnt.

(Foto: dpa)

Viele Anleger sehen in dem Edelmetall eine sichere Alternative in politisch turbulenten Zeiten. Doch als Krisenwährung taugt Gold nur bedingt.

Das Reich des Goldes verbirgt sich im Keller hinter Schließfach 311. Robert Hartmann hat wie immer die abgegriffene Plastikkarte in das Lesegerät sausen lassen, die tonnenschwere Metalltür beiseitegewuchtet, den langstieligen Schlüssel in Schließfach 311 rasseln lassen. "Hier verbirgt sich unser Allerheiligstes", sagt Hartmann, der beim Münchner Edelmetallhändler Proaurum arbeitet, während er eine silberglänzende Flügeltür aufschiebt. Dahinter beginnt das Reich des Goldes. Dort, wo sich Goldmünze um Goldmünze stapelt, Barren um Barren.

Es ist das Gold vieler Deutscher, das im Tresor des Münchner Edelmetallhändlers lagert. Wenn Kunden per Mausklick im Internet einen Barren ordern, können sie ihn hier, in diesem Hochsicherheitstrakt, einlagern lassen. Anleger aus Deutschland erliegen regelmäßig dem matten Glanz des Metalls mit der Ordnungsnummer 79. Gerade in Krisenzeiten.

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Zeiten, in denen ein irrlichternder US-Präsident mit diversen Sanktionen droht, in denen Wladimir Putin sich auf der Weltbühne aufplustert. In denen eine einst stolze Weltnation wie die Briten in dieser Woche kollektiv in den Abgrund lugte. Dazu kommen ein weltweiter Schuldenberg auf Rekordniveau, marode Banken in Italien, eine fortwährend rasant ratternde Notenpresse. Während manchem der Stern des Westens zu verglühen scheint, glänzt das Gold für viele Anleger umso heller. Investmentprofis bunkern es in großen Lagern, Notenbanken schieben Unsummen Geld in das Metall. Rentner, die um ihren Spargroschen bangen, erliegen seinem Bann. Denn das Edelmetall gilt als sicher, hart und verlässlich. Kurzum: als Krisenwährung. Doch stimmt das überhaupt?

Im ersten Geschoss einer Gründerzeitvilla im schicken Frankfurter Westend schreitet Oliver Heuschuch über knarzende Parkettdielen hinein in den Goldsaal. Die Zierleiste auf den Flügeltüren blitzt golden, an der Wand schimmert eine Tapete mit güldenem Blumenmuster, durch die schweren Stoffvorhänge dringt warmes Licht in den Repräsentationssaal des Edelmetallhändlers Degussa, bei dem Heuschuch als Handelsleiter arbeitet. Mit zwei Fingern nestelt der Mann mit den raspelkurzen Haaren eine schimmernde Goldmünze aus einem Plastiksäckchen, die kanadische Maple Leaf. Genau eine Feinunze Gold dreht Heuschuch nun in seinen Händen. 31,109 Gramm, die in jenem Moment 1286,90 Dollar wert sind, um genau zu sein. Ist das Gold sein Geld wert?

Heuschuch beugt sich vor und blickt auf die Münze, die im Licht schimmert. "Gold ist die ultimative Krisenwährung", sagt er. Heuschuchs Argument: Die Goldvorräte auf der Welt sind endlich. Anders als Papierwährungen kann man Gold nicht einfach drucken. Menschen versuchen sich als Goldalchemisten schließlich schon seit Jahrhunderten daran, künstliches Gold zu schaffen. Ohne Erfolg. Und anders als bei klassischen Währungen gibt es nach Gold immer eine Nachfrage aus der Schmuckindustrie, auf null sollte der Preis also nie sinken. Ein Euroschein ist am Ende stärkefreie Baumwolle. "Mit Gold haben die Leute einfach etwas in der Hand", sagt Heuschuch und bedient damit ein Gefühl vieler Bundesbürger. 65 Prozent sehen in Gold eine sichere Geldanlage, 42 Prozent vertrauen Gold mehr als herkömmlichen Währungen wie Euro, Dollar oder Krone, so wollen es Meinungsforscher herausgefunden haben. Viele Anleger sehen Gold als Krisenwährung: Es soll helfen, wenn Währungen weich wie Butter werden. Schützen, wenn die Inflation galoppiert und Sparbucheinlagen wegfrisst. Stabilisieren, wenn Aktienmärkte stürzen. Und retten, wenn bei einer Systemkrise das Finanzsystem implodiert. Immer wieder haben ganze Generationen von Eltern und Großeltern erzählt, wie sie einst mit ein paar Goldmünzen aus den deutschen Ostgebieten gen Westen geflohen sind. Wie sie ihre Spareinlagen drangeben mussten, aber das Gold noch Wert hatte. Es ist der Klang dieser Geschichten, dem viele Anleger erliegen. Denn bei näherem Hinsehen entpuppen sich viele Argumente als Missverständnisse.

Gold als sicherer Hafen? Viele Argumente entpuppen sich als Mythen

Vielen Anlegern gilt Gold als Krisenwährung. Doch der Goldpreis ist weit weniger abhängig von politischen Krisen, als Anleger landläufig glauben. Als Russland Mitte 1998 auf den Staatsbankrott zusteuerte und die Wirtschaftswelt in Atem hielt, bewegten sich die Notierungen des Edelmetalls nach unten. Als 2003 der dritte Golfkrieg über den Irak hinwegfegte, sank der Goldpreis, obwohl die ganze Welt in Schockstarre verfiel.

Viele Anleger glauben auch, dass Gold sie vor Inflation schützt. In der Tendenz stimmt das auch, so hat das Edelmetall in Dollar seit 1900 real positiv abgeschnitten, wie Daten im Investment-Jahresbuch der Credit Suisse zeigen. Allerdings hat es in Zeiten besonders hochschießender Inflation oft versagt. Als die Teuerung in Deutschland 1980 bis 1982 auf weit über fünf Prozent schoss, fuhren Anleger mit dem Metall Verluste ein. Ebenso bei der nächsten Inflationsspitze 1991/92. Wer 1980 eine Feinunze Gold kaufte, musste bis 2006 warten, um seinen Einsatz wiederzubekommen. Aus der werthaltigen Münze war in den Augen vieler Experten ein Casinochip geworden.

Immer im Blick der Goldhändler: die USA

Im Handelsraum von Proaurum halten die Goldhändler das Metall fest im Blick. Sinkt die Goldnotierung auch nur um eine Nachkommastelle, blinkt der Preis auf einen Monitor an der Wand rot auf. Steigt er, blitzt es grün. Kaum jemand kennt die Zuckungen des Goldpreises so genau, wie die Mitarbeiter an diesem Münchner Handelstisch. Sie wissen: In den vergangenen Monaten hat der Goldpreis ordentlich angezogen, Kurs auf die 1300-Dollar-Marke genommen, wenn er auch noch weit unter den Höchstkursen von um die 1900 Dollar im Jahr 2011 entfernt ist. Der wichtigste Bestandteil sind weniger die Sorgen der Privatanleger vor einem harten Brexit oder anderen Katastrophen, milliardenschwere Finanzprofis bestimmen das Geschäft.

Sie interessieren im Kern die Zinsen in den USA. Die Daumenregel: Steigen die Zinsen dort, wird Gold unattraktiver, weil es keine Zinsen abwirft. Wenn die US-Notenbank aktuell die Zinsen offenbar nicht so stark erhöht wie gedacht, hilft das dem Goldpreis. Außerdem trieben die Turbulenzen an den Finanzmärkten die Anleger über Neujahr raus aus Aktien, rein ins Gold. Das Edelmetall als Krisenwährung? Auch beim Preis also nicht immer ein stimmiges Argument. "Am Ende dient Gold vielleicht einfach dem guten Gefühl", sagt Finanzexperte Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar. Und das ist ja auch etwas wert. Manche sagen gar: Gold wert.

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