Für eine globale Krise wie 2008 fehlt der Auslöser, ein "Lehman-Moment". Damals hatte die US-Regierung das Undenkbare wahr werden lassen - und die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers hingenommen. Sie wollte ein Exempel statuieren: Banken, die in die Krise geraten, sollten nicht um jeden Preis gerettet werden. Das globale Kreditsystem geriet daraufhin in die Krise, weil die Banken einander misstrauten, die Probleme übertrugen sich auf Europa und die ganze Welt, die globale Wirtschaft rutschte in die Rezession. Das erinnert ein wenig - und wenig vertrauenserweckend - an die aktuellen Beteuerungen der europäischen Politik, Griechenland werde definitiv das einzige Land bleiben, für das ein Rettungspaket im bekannten Ausmaß geschnürt werde.
Noch gibt es in der aktuellen Krise allerdings keinen "Lehman-Moment", und alle Beteiligten müssen darauf hinwirken, dass das so bleibt. In Europa wird das nicht leicht, aber gerade auch aus den USA droht noch große Gefahr. Die Entwicklung dort birgt durchaus auch die Gefahr eines weltweiten Flächenbrands. Denn wenn die größte Volkswirtschaft der Welt durch das beschlossene Billionen-Sparpaket in eine Rezession gerät, strahlt das global aus.
[] Welche Folgen hat das alles für Deutschland?
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sind derzeit ordentlich bis gut - das kann sich schnell ändern, sollten die USA tatsächlich in eine Rezession abdriften. "Die Lage ist besorgniserregend. Denn die Panik an den Finanzmärkten kann schnell die Kreditvergabe und die Kreditnachfrage zum Absturz bringen", sagt der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, dem Handelsblatt. "Dies würde sofort eine globale Krise zur Folge haben." Und Deutschland als exportabhängige Nation würde eine solche Entwicklung besonders hart treffen.
Entsprechend sorgenvoll ist der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner. Wenn es zu einer Rezession in den USA komme, "dann würde uns das empfindlich treffen. Wir merken jetzt schon, dass sich die Nachfrage abschwächt". Die Wachstumsraten im Export seien zwar mit 19 Prozent im Jahr 2010 weit abgehoben, aber wenn sie auf unter sieben Prozent zurückgehen würden, wäre das ein Rückschlag.
Dass sich auch die Schuldenkrise in Europa schon jetzt auf die Bilanzen großer Unternehmen auswirkt, zeigt beispielhaft der Münchner Versicherungskonzern Allianz. In seiner Quartalsbilanz vom Freitag meldete er einen Gewinnrückgang um acht Prozent auf eine Milliarde Euro - vor allem wegen Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen.
Und natürlich bemerken auch einfache Anleger die schlechte Stimmung an den Börsen. Die Verluste der vergangenen Tage haben den Börsenwert der 30 im Dax gelisteten Unternehmen um knapp 100 Milliarden Euro geschmälert, Stand Donnerstagabend. Dies entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung von Neuseeland.


