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Globale Immobilienmärkte:Wenn die Worte fehlen

Spricht ein Wohnungsinteressent kein Deutsch, wird es schwierig. Wie erklärt man etwa die Nebenkostenaufstellung? In Seminaren kann man Immobilienenglisch lernen.

Von Stefan Weber

Es passiert immer häufiger, insbesondere in Ballungszentren: Der Interessent für die zu vermietende Wohnung ist sympathisch, offensichtlich solvent und entspricht auch sonst den Vorstellungen, die der Vermieter an einen Mieter hat. Allerdings: Er spricht nur Englisch. Da gerät mancher Vermieter schnell an seine Grenzen.

Nicht nur bei privaten Immobilieneigentümern, sondern auch bei den Mitarbeitern großer Wohnungsgesellschaften herrscht häufig Sprachlosigkeit, wenn ihr Gegenüber kein Deutsch beherrscht. Fragen nach Haustieren, Aufzug oder Garage lassen sich zwar auch mit geringen Englisch-Kenntnissen beantworten. Wenn es aber um Details der Hausordnung geht oder zu erläutern ist, wann eine Nebenkostenvorauszahlung fällig wird, ist es vorbei. "Ob Vermietergespräch oder einfaches Telefonat - für die Mitarbeiter von Wohnungsgesellschaften und Maklerunternehmen vor allem in großen Städten werden Sprachkenntnisse immer wichtiger, denn ihre Klientel wird zunehmend international", erläutert Rüdiger Grebe, Leiter der EBZ Akademie in Bochum.

Nachbarn Lautstärke

Ausländische Mieter haben die gleichen Rechte und Pflichten wie inländische, Mietverträge werden überwiegend in Deutsch verfasst. Illustration: diekleinert

Das Bildungszentrum bietet seit 60 Jahren Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Mitarbeiter von Wohnungs- und Immobiliengesellschaften an. Ein Angebot ist die Vermittlung interkultureller Kompetenzen. Seit Mieter immer häufiger aus anderen Ländern oder sogar anderen Kulturkreisen kommen, schult die EBZ Akademie Vermieter im Umgang mit dieser neuen Kundengruppe. "In diesem Zusammenhang fragten Wohnungs- und Immobiliengesellschaften immer häufiger auch nach Englisch-Schulungen für ihre Mitarbeiter", sagt Pascal Hendricks, der bei der EBZ Akademie unter anderem für Inhouse-Trainings zuständig ist. Denn auch wenn die Mieter der Unternehmen häufig nicht aus englischsprachigen Ländern kommen, so ist Englisch dann doch die einzige Möglichkeit, um miteinander zu kommunizieren.

A photograph of a list of house rules

Doch wenn die Verständigung nicht funktioniert, sind Schwierigkeiten programmiert. Besser ist es, schon bei der Wohnungsbesichtigung die gleiche Sprache zu sprechen.

(Foto: John Hill/Alamy/mauritius images)

"Bis vor ein paar Jahren war die Wohnungs- und Immobilienbranche eine nationale Veranstaltung. Da ging es auch ohne Fremdsprachenkenntnisse. Aber das ändert sich", beobachtet Grebe. Selbst für manchen Hausmeister ist es inzwischen von Vorteil, wenn er zumindest ein paar Brocken Englisch beherrscht - zum Beispiel, wenn der Mieter einen burst pipe (Rohrbruch) meldet oder nach dem electric meter (Stromzähler) fragt.

Die EBZ Akademie wollte den Markt nicht allein den privaten Sprachschulen überlassen und bietet seit März ein "Englischtraining für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft" an. Erster Kunde ist die GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen, die in Hessen, im Rheinland sowie im Rhein-Neckar-Dreieck mehr als 48 000 Wohnungen bewirtschaftet. "Wir möchten unseren Kunden auch bei Sprachbarrieren kompetent zu vermietungsrelevanten Fragen beraten. Daher stärken wir unsere Kompetenzen im Immobilienenglisch", erläutert Mirko Kapp, Leiter Personalentwicklung und Ausbildung der GWH Hessen.

Kleine Starthilfe

Wenn Mieter und Immobilienkäufer immer internationaler werden, geht es nicht ohne Vokabeln. Die kann man sich im Lexikon zusammensuchen, oder man kann die nötigsten Sätze in einem Seminar lernen. Das EBZ hat einige wichtige Sätze zusammengefasst:

- Wie können wir Ihnen helfen?

How may we help you?

- Was für eine Art von Immobilie suchen Sie?

What kind of property are you looking for?

- Wie viele Leute werden in der Wohnung leben, auch wenn es nur vorübergehend ist?

How many people will be living in the unit, even if temporarily?

- Wie viele Zimmer brauchen Sie?

How many bedrooms do you need?

- Für wie lange wollen Sie mieten?

How long are you looking to rent?

- Haben Sie bezüglich der Wohngegend besondere Präferenzen?

Do you have any preference about the area?

- Wie ist Ihre Budgetplanung? Was ist das Maximum, das Sie zahlen möchten?

What have you budgeted for? What is the maximum you would like to pay?

- Brauchen Sie eine Parkmöglichkeit? Wenn ja, für wie viele Fahrzeuge?

Do you require parking facilities? If so for how many vehicles?

- Würde Ihnen Ihr bisheriger Vermieter ein Empfehlungsschreiben geben?

Do you think your current landlord would give you a good reference?

- Wurden Sie je zwangsgeräumt?

Have you ever been evicted?

Vor Trainingsbeginn prüften Akademie-Mitarbeiter die Vorkenntnisse der Kursteilnehmer (Grundkenntnisse wurden vorausgesetzt), erfragten ihren speziellen Bedarf und bildeten zwei Lerngruppen mit je zwölf Teilnehmern. Die Schulung erfolgt in den Räumen der GWH Hessen und umfasst acht halbtägige Trainings. Gepaukt werden wichtige Vokabeln für den Vermieteralltag wie Kündigungsfrist, Treppenhausreinigung oder Heizkostenabrechnung. Vor allem aber heißt es immer wieder: sprechen. Zum Beispiel in Rollenspielen. "Wir wollen die Mitarbeiter der Wohnungs- und Immobilienunternehmen sprachfähig machen. Niemand soll zusammenzucken, wenn ein Kunde ein Anliegen auf Englisch äußert. Denn wer sprachlich unsicher ist, wirkt auch fachlich unsicher", betont Hendricks.

Zwischen den Präsenztrainings erhalten die Teilnehmer über eine digitale Lernplattform Übungsaufgaben und können sich auch mit dem Trainer online austauschen. Vier Monate wird das Training dauern. Am Ende gibt es eine je nach Kurslevel gestaffelte Teilnahmebestätigung. Die entspricht allerdings nicht den üblichen international anerkannten Zertifikaten (A1 bis C2), da der Fokus vor allem auf der Vermittlung branchenspezifischer Sprachkenntnissen liegt.

Wer nur die wichtigsten Vokabeln und Redewendungen im Zusammenhang mit Mietvertrag, Hausordnung und Nebenkosten erlernen möchte, kann ein Tagesseminar von Andrea Bohn besuchen. Die Bildungsreferentin der EZB konzipiert seit 2016 mehrmals im Jahr an den Akademie-Standorten in Bochum, Köln und Frankfurt Veranstaltungen mit dem Titel "Englisch für Vermieter mit Hand und Fuß". Zielgruppe sind kleinere Unternehmen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, für die ein Training im eigenen Haus nicht in Frage kommt, Makler oder auch Hausverwalter. "Zu diesen Veranstaltungen kommen meist zwei, drei Mitarbeiter einer Firma. Private Vermieter sind nur sehr selten dabei", erläutert Bohn. Strenges Pauken gibt es auch in den Tagesseminaren nicht. "Unsere Lehrbeauftragten arbeiten am liebsten mit Rollenspielen, damit die Teilnehmer viel sprechen."

© SZ vom 30.06.2017
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