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Globale Finanzkrise:Finanzwerte ziehen Dax ins Minus

Die Talfahrt an den internationalen Aktienmärkten geht weiter: Nach dem 7,1-prozentigen Kursrutsch am Montag dreht der Dax erneut ins Minus. Der Nikkei hält sich nur knapp über 10.000 Punkten.

Der Dax hat am Dienstagmorgen seine frühen Gewinne nicht halten können und ist ins Minus abgerutscht. Der deutsche Leitindex gab mehr als ein Prozent auf 5324 Zähler nach. "Der Kursrutsch kommt aus dem Bankenbereich", sagte ein Händler. "Man konnte kaum denken, dass alles vorbei ist. Nichts ist gelöst", klagte ein weiterer Händler. Der Dax war noch mit einem Plus von zwei Prozent in den Handel gestartet.

Die Finanzturbulenzen drücken den Dax weit ins Minus.

(Foto: Foto: dpa)

Händlern zufolge wurden die deutschen Finanzwerte von einem BBC-Bericht belastet, wonach drei britische Banken um staatliche Hilfe gebeten hätten. Zudem lasteten Händlern zufolge Gerüchte um eine Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank auf dem Markt.

In Finanzkreisen wurden diese Spekulationen aber als "völliger Unsinn" bezeichnet. Deutsche-Bank-Aktien rutschten in der Spitze um 15,4 Prozent auf 40,50 Euro ab, die Papiere des Konkurrenten Commerzbank gaben 16,8 Prozent auf 9,87 Euro nach.

Die Aktien der Hypo Real Estate (HRE) erholten sich etwas von den Kurseinbrüchen der Vortage und stiegen als stärkster Dax-Wert um 5,53 Prozent auf 4,95 Euro. SAP brachen um 13,37 Prozent auf 24,99 Euro ein. Händler verwiesen auf die tags zuvor veröffentlichten enttäuschenden Zahlen und negative Analystenreaktionen.

In den ersten Handelsminuten war der Dax noch um zwei Prozent auf 5493 Zähler gestiegen. Händler hatten von einer technischen Erholung nach dem 7,1-prozentigen Kursrutsch am Montag gesprochen.

Die Talfahrt der Börsen setzte sich am Dienstag weiter fort. In Asien und Australien knickten die Kurse weiter ein. Der 225 führende Werte umfassende Nikkei fiel gleich zum Handelsauftakt in Tokio erstmals seit rund fünf Jahren unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Später erholte sich der Index leicht und lag im späten Geschäft bei rund zweieinhalb Prozent im Minus bei 10.220 Zählern.

Auch die Aktienindizes in Südkorea, Australien und Neuseeland waren im roten Bereich. In Hongkong wurde wegen eines Feiertags nicht gehandelt.

Die australische Notenbank senkte zur Bekämpfung der Finanzkrise den Leitzins um einen Prozentpunkt - ein ungewöhnlich großer Zinsschritt.

Sorgen über einen Abschwung der Weltwirtschaft hatten bereits am Montag die Börsen weltweit auf Talfahrt gehen lassen: Der Dax hatte am Montag den Handel 7,1 Prozent tiefer bei 5387,01 Zählern beendet.

Stärkster Tagesverlust seit 1991

Dies war fast der größte Tagesverlust seit dem 19. August 1991. Damals hatte der Index mit einem Kursrutsch von gut neun Prozent auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow reagiert.

Der MDax verlor 8,66 Prozent auf 6131,59 Punkte und notierte damit sogar auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2005. Der TecDax fiel um 11,27 Prozent auf 604,17 Zähler und markierte damit ebenfalls ein Zweijahrestief.

800 Punkte verloren

Der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börse verlor im Handelsverlauf zeitweise über 800 Punkte - so viel wie nie zuvor an einem einzigen Tag. Der bisherige Negativrekord war vor genau einer Woche mit einem Minus von 778 Punkten aufgestellt worden. Gegen Ende der Börsensitzung erholte er sich jedoch wieder etwas.

Der US-Leitindex pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 10.322 und einem Tief von 9525 Punkten und ging schließlich mit 3,6 Prozent im Minus bei 9955 Zählern aus dem Handel - zum ersten Mal seit Oktober 2004 unter der Marke von 10.000 Punkten.

Sorgen über einen Abschwung der Weltwirtschaft hatten zeitweise zu panikartiger Stimmung an den US-Börsen geführt. Einmal mehr verbuchten vor allem die Finanzwerte schwere Verluste und rissen weitere Branchen mit sich.

In Deutschland lagen die Aktien der Hypo Real Estate, für die die Bundesregierung mit der Bundesbank, der Finanzaufsicht Bafin und der Finanzbranche in der Nacht in aller Eile ein zweites Rettungspaket geschnürt hatte, am Abend 37,4 Prozent im Minus. Die Commerzbank verlor 16,1 Prozent, die Deutsche Bank 9,6 Prozent.

Auch andere europäischen Börsen schlossen tief im Minus. Der FTSE-100 in London gab am Montag 7,85 Prozent nach, der CAC-40 in Paris und die Börse in Amsterdam sogar über neun Prozent. Die Börse in Mailand verlor über acht Prozent, die Handelsplätze in Brüssel und Zürich verloren mehr als sechs Prozent.

Der Euro brach ebenfalls weiter ein und fiel unter 1,35 Dollar. Mit 1,3480 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung auf dem niedrigsten Niveau seit August 2007.

In Russland waren die Kurse einmal mehr im freien Fall: Der Handel wurde wie schon mehrfach in der vergangenen Woche ausgesetzt. Der MICEX-Index war zuvor mehr als 15 Prozent in die Tiefe gerutscht, der RTS sackte fast 14 Prozent ab.

Der Ölpreis, das Rückgrat der russischen Wirtschaft, sank erneut: An der Börse in Singapur fiel der Preis für ein Barrel leichtes Rohöl um 4,96 Dollar auf 89,19 Dollar. Damit ist der Ölpreis seit den Höchstständen im Sommer um fast 40 Prozent eingebrochen.

"Symptom einer Vertrauenskrise"

Die Kursstürze sind nach Einschätzung von Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz "Symptom einer Vertrauenskrise, wie es sie bisher nicht gegeben hat". Die staatlichen Eingriffe wie das US-Rettungspaket, die Milliarden-Kreditlinie für die Hypo Real Estate und die Garantie der Bundesregierung für Spareinlagen seien "notwendige Hilfsmaßnahmen" gewesen. "Doch es gibt keinerlei positive Tendenzen aus dem Markt heraus, etwas, das den Markt von innen stabilisiert", sagte der Aktionärsschützer.

Die Finanzmarktkrise bezeichnete Cabras als sehr ernst. "Wenn die Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstselbst ein Signal setzt, dann kann man schon daran sehen, wie ernst die Lage ist", sagte er unter Verweis auf die Übernahme der Staatsgarantie für Spareinlagen in Deutschland. Für die nächste Zukunft gelte: "Das Tollste, was dem Markt passieren kann, ist, dass er daraus lernt: Transparenz, Transparenz, Transparenz - damit so etwas nie wieder passiert."