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Giesecke & Devrient druckt Banknoten:Hier rotieren Staatsgeheimnisse

Das ist Yvonne. Yvonne ist ein Musterschein von Giesecke & Devrient. Als Hybrid besteht sie innen aus Baumwolle und außen aus Kunststoff. Diese Kombination ist vor allem in heißen Ländern beliebt, weil die Scheine noch widerstandsfähiger sind. Denn Banknotenmacher verkaufen nur maßgeschneiderte Ware.

(Foto: oh)

Bei jeder Währung, die der Besucher sieht, muss er um Erlaubnis fragen, sie nennen zu dürfen. Dass eine Angestellte in Gmund den turbanumwickelten Kopf von Abdul Rahman, des ersten Königs des modernen Malaysia, durch eine Lupe inspiziert, darf in diesem Text stehen. Welches Wildtier einen anderen Geld-Schein ziert, kann hier nicht erscheinen. Diskretion gehört zum Geschäft.

Schlebusch entspannt erst wieder einige Meter weiter. Vor einem Tisch stehen zwei Arbeiter. Was sie tun, darf man sich ansehen und beschreiben: Mit Kugelschreibern haken sie auf einer der Papierrollen Wasserzeichen ab, eins nach dem anderen. Qualitätskontrolle. "Vor allem bei Gesichtern stört die Schrumpfung nach dem Trocknen", sagt Schlebusch. Dann führt er durch die nächste Sicherheitsschleuse.

Nur mit einer speziellen Codekarte kommt man in den schmalen Zwischenraum zwischen zwei Glastüren. Dort muss man militärisch stramm stehen. Sensoren prüfen, ob wirklich nur ein Mensch in der Schleuse ist. Erst dann öffnet sich die zweite Glastür. 10 000 Menschen arbeiten weltweit für Giesecke & Devrient, 650 von ihnen in Gmund. Wer direkt mit der Geldproduktion zu tun hat, wird genau überprüft. Allzu viel dürfen auch Angehörige der Angestellten nicht mitbekommen. "Papa, bringst du mir was aus der Arbeit mit?" - das läuft hier überhaupt nicht.

Entgegen anderslautender Sprichwörter stinkt Geld doch. Zumindest in jener Halle, in der Folienstreifen mit Hologrammen für die Scheine hergestellt werden. Es riecht nach heißen Chemikalien. Auf einem Spind liegt eine Atemschutzmaske. Mit Lack wird das Muster der Hologramme auf die Folie gemalt. Unter ihr feuert eine Elektronenkanone in weißes Silikat, in Kupfer, Chrom oder Aluminium. Das gelöste Metall in den aufsteigenden Dämpfen setzt sich im Lackmuster auf der Folie fest. So entstehen schimmernde Hologramme.

Die fertigen Papierrollen sind zweieinhalb Meter breit und wiegen zwei Tonnen. Sie werden aus der geheimen Papierfabrik in die noch geheimere Druckerei in München gebracht. Dort mutiert Papier zu Geld. Die Bögen werden mit Bauwerken, Nationalhelden und natürlich konkreten Zahlen bedruckt. Vier Millionen Banknoten laufen täglich vom Band. Zutritt nur für eine Handvoll Spezialisten. Der Pressesprecher sagt: "Ich komme da auch nicht rein."

Egal, was draufsteht, die Produktionskosten eines Scheins aus Baumwolle liegen bei drei bis acht Cent. Das frisch gedruckte Geld liefert die Firma dann bei der Bundesbank ab, der großen Geldschleuder. Die vergibt es an die Geschäftsbanken. Letzte Zwischenstation sind Geldautomaten oder Bankangestellte am Schalter. Und dann führen die Bürger die Scheine ihrer wahren Bestimmung zu: Sie legen sie auf Tresen oder reichen sie an der Kasse um zu bezahlen, sie stecken sie Brautpaaren zu oder streichen zu Hause sinnlich über das Papier, das einmal eine Milchshake-Masse in einer Fabrik in Gmund war.

Regelmäßig überprüft die Bundesbank die Druckereien ihrer Lieferanten. Die Unternehmen müssen günstig sein, um an die begehrten Aufträge zu kommen, und vor allem ist es höchste Pflicht, die Sicherheitsstandards der Zentralbanker einzuhalten. Giesecke & Devrient versucht, unabhängiger von der Bargeld-Produktion zu werden. Weil die Menschen immer öfter mit EC-Karten, Kreditkarten, per Online-Banking oder sogar dem Handy zahlen, mischt die Firma auch auf diesen Märkten mit. In Schweden ist Bargeld zum Auslaufmodell geworden. Anfang April verkündete die Firma ein internationales Joint-Venture für extrasichere Handychips.

Blüten sind Unkraut, und der Manager Schlebusch sieht sich für Unkraut- Bekämpfung zuständig: "Fälscherangriffe" müsse man "abwehren", sagt er. Fast 40 000 Scheine hat die Bundesbank allein im Jahr 2011 aus dem Verkehr gezogen. Gesamtwert: mehr als zwei Millionen Euro. Besonders beliebt bei Betrügern: der Fünfziger. Im Volksmund ist der "falsche Fuffziger" längst Standard.

Falschgeld taucht vor allem kurz nach der Einführung neuer Scheine auf. Dann kennen die Menschen ihre Währung noch nicht gut. Deshalb gibt es neben Wasserzeichen und Hologrammen auch "Humanmerkmale", an denen die Leute intuitiv erkennen sollen, ob ein Schein echt ist. Jetzt schaltet Schlebusch auf Gelddrucker-Slang und erwähnt "Taktilität". Fühlt sich der Schein an, wie ich es erwarte? Oder er spricht von "Klangfestigkeit". Hört sich die Note richtig an? Er zieht einen Schein mit einem Ruck gerade, dabei schnalzt er etwas: "Das klingt nicht nach DJ Bobo, das klingt nach echtem Geld."