Gewerbeimmobilien Alles wird gekauft

Investoren haben 2018 in Deutschland Büros, Hotels, Laden- und Logistikflächen für mehr als 60 Milliarden Euro gekauft, eine Rekordsumme.

Von Andreas Remien

Cannes ist kein schlechter Ort, um Sorgen hinter sich zu lassen. Vielleicht trifft sich dort ja auch deshalb in jedem Frühjahr die internationale Immobilienbranche auf der Messe Mipim, die in der kommenden Woche an der Côte d'Azur stattfindet. Grund, vom Alltag abzuschalten, haben die Unternehmen allerdings seit Jahren nicht. Auch in diesem März treibt die Branche eigentlich nur die Sorge um, wann es mit diesem etwas unheimlichen Boom wohl vorbei sein wird. Im vergangenen Jahr haben Käufer in Deutschland für mehr als 60 Milliarden Euro Büroimmobilien, Hotels, Laden- und Logistikflächen gekauft. Ein Rekord - mal wieder.

Dass die Welt politisch und wirtschaftlich instabiler geworden ist, hat die Nachfrage nach Immobilien in Deutschland eher weiter angeheizt. Wohnungen und Gewerbeimmobilien gelten vielen Investoren trotz der enorm gestiegenen Preise noch als vergleichsweise sichere Anlagen. Es kaufen sowohl Kleinanleger als auch große Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen. Das extrem niedrige Zinsniveau befeuert kontinuierlich die Nachfrage: Zum einen werfen andere Anlagemöglichkeiten wie Staatsanleihen kaum Renditen ab, zum anderen lassen sich Investitionen in Immobilien günstig finanzieren. Zu den Verlierern des Booms gehören alle, die kein Eigentum haben. Nicht nur Wohnungsmieter, sondern auch Unternehmen, die in den Metropolen deutlich mehr Geld für Büroräume ausgeben müssen.

Auch auf dieser Mipim wird man wieder hören, dass irgendwann jeder Zyklus mal zu Ende geht. Ob Trump, Brexit, die massive Staatsverschuldung in Ländern wie den USA: Das Risiko wird größer. Spätestens, wenn die Zinsen deutlich steigen oder die Wirtschaft in eine Rezession rutscht, wird in Cannes nicht mehr nur die Sonne scheinen.