George Soros Das freie Radikal

Philantrop und trotzdem erfolgreicher Kapitalist: George Soros schlägt mit seiner Investmentgesellschaft selbst aus der Krise Profit. Sein Fonds ist um Milliarden schwerer.

Von Moritz Koch, New York

Zu seinem Glück ist George Soros ein skeptischer Mann. Soros, der Investor, traut guten Ratschlägen selbst dann nicht, wenn sie von Soros, dem Buchautor, stammen. Und so ist der Kronzeuge der Antikapitalisten noch immer, was viele seiner Anhänger unmöglich finden: ein erfolgreicher Kapitalist.

George Soros - ein Mann, drei Persönlichkeiten: Investor, Buchautor und Philantrop.

(Foto: Foto: AP)

Selbst aus der Krise schlägt Soros Profit. Das Vermögen seiner Investmentgesellschaft Soros Fund Management stieg in den zwölf Monaten bis Anfang Juli um mehr als 40 Prozent, wie das Hedge-Fonds-Fachblatt Absolut Report berichtet. Damit verwaltet die Firma nunmehr 24 Milliarden Dollar im Auftrag wohlhabender Privatleute, Stiftungen und Pensionsfonds.

Soros, der Buchautor, hätte es als Anleger nie auf diese Summe gebracht. Er hatte die Krise zwar vorausgesehen und immer wieder vor dem großen Knall gewarnt, nur hat er sich, wie er selbst vor Monaten in New York witzelte, dummerweise beim Zeitpunkt vertan. Sein Alarm schrillte 20 Jahre zu früh. Soros, dem Investor, wären Milliardengewinne entgangen, hätte er damals auf sein zweites Ich gehört.

Insgesamt sechs Milliarden Dollar gespendet

Das wiederum hätte den dritten Soros in seiner Entwicklung gestört, Soros den Philanthropen. Insgesamt sechs Milliarden Dollar hat Soros in den vergangenen Jahrzehnten gespendet.

Mit Teilen des Geldes baute er das Open Society Institut auf, eine Stiftung, die in dutzenden Ländern den Aufbau von Rechtssicherheit und Meinungsfreiheit fördert. Der Spendenfluss kann nun ungehindert weiter gehen. Schon im vergangenen Jahr war Soros mit einem Einkommen von 1,1Milliarden Dollar der bestbezahlte Hedge-Fonds-Manager.

Soros kann auf einen eindrucksvollen Lebensweg zurückblicken. 1930 in Ungarn als Sohn jüdischer Eltern geboren, studierte er in England bei dem Philosophen Karl Popper. In den fünfziger Jahren zog er nach New York und begann seine Karriere an der Wall Street, die ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt machen sollte.

Den Marktcrash rechtzeitig erkannt

Eigentlich hatte sich Soros bereits zur Ruhe gesetzt. Doch als er im Sommer 2007 die Krise heraufziehen sah, verließ ihn das Vertrauen in seine Nachfolger.

Er riss die Leitung seiner Fonds wieder an sich und stellte sie auf einen Marktcrash ein. Keinen Moment zu früh. Kaum mehr als ein halbes Jahr später brachte die Krise mit Bear Sterns die erste amerikanische Investmentbank zu Fall.

Die Große Rezession, die auf den Absturz der Finanzmärkte folgte, vergleicht Soros gern mit dem Zusammenbruch der Sowjet-Wirtschaft. Das Finanzsystem erlebe seine Stunde Null, sagt er. Und wie in Osteuropa in den frühen neunziger Jahren ergeben sich goldene Gelegenheiten, zumindest für jene, die es verstehen, sie zu nutzten. Für Spekulanten wie Soros.

Nur reicht dem Investor der Ruhm in der Finanzwelt schon lange nicht mehr. Treffend schrieb die New York Times: "Er sehnt sich danach, der Welt nicht nur als großer Händler, sondern auch als großer Denker in Erinnerung zu bleiben." Zehn Bücher hat Soros bis heute veröffentlicht, eines düsterer als das andere.

Schon drei Mal "Wolf" gerufen

"Mein größter Erfolg wäre es, einen Beitrag zum Verständnis der Wirklichkeit zu leisten", sagte er einmal. Dass niemand rechtzeitig auf seine Warnungen gehört hat, hat keine Bitterkeit hervorgerufen. Soros weiß, dass er nur eingeschränkt glaubwürdig ist. Er nennt sich selbst gern "den Hirten-Jungen, der schon drei Mal "Wolf" gerufen hat".

Zumindest in der Antiglobalisierungsbewegung kommt Soros die ersehnte Ehrerbietung zuteil. Soros wird bewundert, weil er das System versteht, seine Fehler offenlegt und den "Marktradikalismus" als Wurzel allen Übels geißelt.

Dabei ist Soros selbst ein Radikal auf freien Märkten. Als Spekulant kennt der Feingeist keine Skrupel. Er verdiente ein Vermögen, als er Anfang der neunziger Jahre das britische Pfund zu Fall brachte und später, zu Beginn der Asienkrise, den Thailändischen Bath.

Doch Soros, dem Buchautor, und Soros, dem Philanthropen, ist es gelungen, das Image des kaltherzigen Kapitalisten zu überdecken, das sich Soros, der Investor, eingehandelt hat. Zu seinem Glück haben die drei Charakterzüge ein symbiotisches Verhältnis entwickelt.