Genossenschaftsbanken:Erst der Brief, dann der Sparbrief

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Die Kunden sollen wieder in die Bank kommen: Die Volks- und Raiffeisenbanken steigen ins Post-Geschäft ein - um mehr Bankprodukte zu verkaufen.

Harald Freiberger

Briefmarken kaufen, Postkarten aufgeben, Pakete verschicken - solche Geschäfte können die Bundesbürger künftig auch bei Volks- und Raiffeisenbanken erledigen. Die genossenschaftlichen Institute steigen im größeren Stil ins Geschäft mit Postdienstleistungen ein, kündigte Michael Bockelmann, der Chef des größten Genossenschaftsverbands, am Montag an. "Wir wollen damit mehr Kundenverkehr in den Filialen erzeugen und so auch mehr Bankgeschäfte machen", sagte er.

Volksbanken, Post

Dank des Online-Bankings kommen immer weniger Kunden in die Filialen. Zunächst waren die Banken froh drum, doch mittlerweile zeigen sich die Nachteile. Die Kundenberater bekommen ihre Kunden nicht mehr zu sehen.

(Foto: Foto: oH)

Die rechtlichen Voraussetzungen schufen die Genossenschaftsbanken Ende 2009 mit der Gründung der "Geno-Post". An ihr können sich die einzelnen Institute beteiligen und über sie standardisierte Postdienstleistungen beziehen.

Es gibt zwei Pilotbanken, die mit dem Modell gute Erfahrungen gemacht hätten, sagte Bockelmann: die Volksbanken in Hannover und in Meißen. Weitere zehn Genosschaftsbanken in mehreren Bundesländern hätten fest vor, Postdienstleistungen in den eigenen Filialen einzuführen. In einer Umfrage des Bundesverbands zeigten darüber hinaus 240 der insgesamt 1200 Banken Interesse an dem Modell.

Kunde kommt wieder ins Haus

Briefe und Pakete sollen nicht zu einem zweiten Standbein der Volks- und Raiffeisenbanken werden. "Kerngeschäft bleibt das Bankgeschäft", heißt es beim Bundesverband. Postdienstleistungen seien aber dazu geeignet, "mit Kunden häufiger in Kontakt zu treten und auch die Menschen und Unternehmen in der Region zu erreichen, die bisher noch kein Interesse an einer Zusammenarbeit hatten".

Es könnte also sein, dass Kunden, wenn sie eine Briefmarke kaufen, künftig gefragt werden, ob sie dazu nicht auch einen Sparbrief haben möchten. Verbandschef Bockelmann, der die Genossenschaftsbanken in 13 Bundesländern repräsentiert, ist zuversichtlich, dass man "über Zusatzgeschäfte ein positives Ergebnis erarbeiten kann".

Hintergrund ist, dass die Post alle ihre Filialen mit eigenem Personal bis Ende 2011 aufgeben will; sie haben sich nach Aussage der Post nicht rentabel bewirtschaften lassen.

Die Zahl der Annahmestellen sinkt dadurch aber nicht: Es gibt inzwischen viele Einzelhandelsgeschäfte, zum Beispiel Supermärkte oder Tankstellen, die Postdienstleistungen erledigen. Auch die Genossenschaftsbanken "wollen vor allem an Orten, wo die gelbe Post nicht mehr vorhanden ist, da sein", sagte Bockelmann. Die 1200 Institute verfügen bundesweit über mehr als 13000 Filialen. Die Verteilung der Briefe und Pakete sollen Dritte übernehmen, zum Beispiel auch die Post selbst.

Seit einigen Jahren versuchen gerade Filialbanken, mehr Kunden in ihre Geschäftsstellen zu locken. Manche wie die Sparkasse im bayerischen Schwandorf haben ihre Zentrale zu einem Citycenter mit Arztpraxen, Restaurant, Modeläden und Reisebüro umgebaut. Die Zahl der Besucher stieg dadurch von 200 auf 2000 pro Tag.

Auch Versuche mit Postdienstleistungen gab es bereits. Bei der Sparkasse in Leipzig konnten Kunden seit 2006 Briefe und Pakete aufgeben. Die Erfahrungen der Bank waren allerdings nicht allzu gut. "Die Kunden haben die Dienstleistung nicht genug nachgefragt", sagt eine Sprecherin. Dadurch habe man auch nicht so viele Bankprodukte verkaufen können, wie man sich erhofft hatte. Die Konsequenz: Im März gibt die Bank das Postgeschäft wieder auf.

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