Geldanlage:Ruhe bewahren in turbulenten Börsen-Zeiten

Börse in Frankfurt/Main

Wer den Kuzsbewegungen an den Finanzmärkten zu kleinteilig folgt, verliert seine Anlagestrategie aus dem Blick.

(Foto: dpa)
  • Angesichts der wachsenden Unruhe an den Börsen, fühlen sich auch viele Privatanleger dazu gedrängt zu reagieren. Das ist aber ein Fehler.
  • Wer sein Geld langfristig über die Finanzmärkte anlegt, sollte sich nicht von zwischenzeitlichen Schwankungen aus der Ruhe bringen lassen und seiner Strategie weiter folgen.
  • Bei Fragen zur Geldanlage schreiben Sie an sz-finanzen@sueddeutsche.de.

Von Jan Willmroth

Die Ruhe ist erst einmal zurück. Eines der weltweit wichtigsten Barometer für die Panik an den Börsen, der VIX-Index in den USA, hat zum Ende der Woche den größten Drei-Tages-Verlust seiner Geschichte hinter sich gebracht - binnen einer Woche fiel er um etwa 20 Prozent, Janet Yellen sei Dank: Nach wochenlangem Auf und Ab sorgte die Ankündigung der US-Notenbankchefin, den Leitzins vorerst nicht zu erhöhen, zwar für Ernüchterung. Der VIX aber, der die Schwankungsbreite von Börsenkursen abbildet, lag zuvor seit Ende August auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Analysten rund um den Globus hatten sich wochenlang an der Frage abgearbeitet, ob denn nun der große Einbruch bevorstehe. Und private Anleger fragten sich, ob sie jetzt nicht auch besser vom Kapitalmarkt verschwinden sollten.

Die Leserfrage

"Wie sollte ich als Anleger mit kurzfristigen Schwankungen am Markt umgehen?" Helmut B., Stuttgart

Fragen zur Geldanlage an sz-finanzen@sueddeutsche.de

Anleger fallen regelmäßig auf den Zufall herein

Dabei zeigt diese Phase der Panik einmal mehr, wie sinnvoll der etwas trivial anmutende Rat ist, eine ruhige Hand sei oberste Privatanlegerpflicht. "Was man da sieht, sind Zufallsprozesse. Viele Anleger machen immer wieder den Fehler, zu denken, dass sie auf den Zufall reagieren müssten", sagt der Finanzmarktforscher Martin Weber von der Universität Mannheim. Das heißt: Wie es nun weitergeht, kann niemand voraussehen, und wer angesichts der heftigen Schwankungen seit Ende August gehandelt hat, hatte gute Chancen, zum Tiefpunkt zu verkaufen.

An den Kapitalmärkten wurde die Nachricht von der Zinsentscheidung der Fed keineswegs euphorisch aufgefasst: Das erhöhe die Unsicherheit darüber, wann die US-Notenbank nun endlich aktiv werde. Die Aktienkurse der wichtigsten Märkte fielen zum Ende der Woche. Irgendeine Erklärung gibt es immer - aber selten sind diese Erklärungen für Privatanleger und ihr Depot so relevant, dass sie das zum Handeln veranlassen sollte.

Auf die langfristigen Ziele kommt es an

Am Verhalten von Anlegern hat sich die empirische Finanzmarktforschung in den vergangenen 25 Jahren ordentlich abgearbeitet. Inzwischen ist klar, dass sich Anleger gerade am Kapitalmarkt eben nicht so verhalten, wie traditionelle Modelle der Wirtschaftswissenschaft ihnen unterstellen: Nämlich, dass sie rationale Entscheider sind, die ihr Vermögen bei minimalem Risiko maximieren. Stattdessen unterhalten sie zu wenig diversifizierte Portfolios und handeln zu häufig, was Kosten verursacht. Und selbst ohne Berücksichtigung der Kosten schneiden Privatanleger im Vergleich zum Gesamtmarkt schlecht ab - besonders dann, wenn sie Einzelaktien kaufen.

Entscheidend ist: Je kleinteiliger jemand Schwankungen verfolgt, desto volatiler erscheinen ihm die Märkte, und desto wichtiger sehen eigentlich unbedeutende Ereignisse aus. Der minutiöse Blick auf die Kurse lenkt von den langfristigen Zielen ab. Die sollte man haben, bevor man investiert. Börsenpsychologe Weber hält, wie auch viele seiner Kollegen, neben der Gelassenheit viel von einfach strukturierten Portfolios: Wie viel bin ich bereit, in riskantere Anlagen wie Aktien zu stecken? Wie viel Bargeld sollte ich auf einem Tagesgeldkonto oder Sparbuch parken, um auch eine Finanzkrise durchzustehen? Oft reicht es schon, je ein Drittel seines Vermögens in unterschiedlich riskante Anlageklassen zu stecken, und diese Mischung periodisch einmal im Jahr anzupassen. Meist ist es hilfreich, einen Sparplan abzuschließen, mit dem man monatliche oder vierteljährliche Schwankungen ausgleichen kann. Dann fehlt nur noch die gebotene Geduld - und das Vertrauen in die eigene Konsequenz.

© SZ vom 21.09.2015/sry
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