Tipps zur Geldanlage Wie der populärste Riester-Fonds künftig aussieht

  • Der meistverkaufte Riester-Fondssparplan, die Uni-Profi-Rente besteht aus einem Rentenfonds und einem Aktienfonds - letzterer soll nun ersetzt werden. Anstelle des Uni-Global kommt Uni-Global-Vorsorge.
  • Bis zum 1. August können Kunden der Umstellung aber noch widersprechen. Tun sie es, bleibt alles beim Alten - wenn nicht, ist die Umschichtung endgültig.
  • Die Stiftung Warentest hat kürzlich den betroffenen Sparern geraten, der Anpassung zu widersprechen.
  • Wenn Sie auch eine Frage zur Geldanlage haben, schreiben Sie an sz-finanzen@sueddeutsche.de.
Von Jan Willmroth

Auf Experimente muss man sich am Kapitalmarkt oft einlassen. Gerade, wenn die Zinsen niedrig sind wie derzeit, ist Kreativität gefragt. Wer sich für einen Riester-Sparplan entschieden hat, will aber eigentlich nicht experimentieren, sondern vorsorgen. Etwa 1,8 Millionen Kunden von Union Investment müssen nun aber doch entscheiden, ob sie sich auf ein Experiment einlassen: Sie haben die Uni-Profi-Rente abgeschlossen, den meistverkauften Riester-Fondssparplan - und der wird zum 1. August "angepasst", wie es die Fondsgesellschaft formuliert.

Die Uni-Profi-Rente besteht bislang aus zwei Komponenten: Aus dem Rentenfonds Uni-Euro-Renta, der in Staatsanleihen investiert und als besonders sicher gilt, und aus einem weltweit anlegenden Aktienfonds, dem Uni-Global. Um die Renditechancen zu erhöhen, fließen die Einzahlungen der Sparer zu Beginn der Laufzeit vollständig in die Aktien-Komponente, die mit zunehmendem Alter sukzessive reduziert wird, bis am Ende das gesamte Vermögen in der Renten-Komponente liegt.

Was der Gesellschaft zum Verhängnis werden kann

Im Gesetz ist ein Haken an dieser Sache eingebaut, der Union Investment in früheren Börsenkrisen schon zum Verhängnis wurde: die Kapitalgarantie. Die Gesellschaft muss dem Kunde zum Ende seiner Vertragslaufzeit mindestens seine Einzahlungen garantieren. Dafür bildet sie je nach Zinsniveau einen Risikopuffer. Kommt es am Aktienmarkt zu Kursverlusten, muss Union Investment die Anteile am Aktienfonds veräußern und in die Renten-Komponente stecken, um die Garantie einzuhalten.

Zu den Eigenarten von Riester-Verträgen gehört nun, dass es dabei kein Zurück mehr gibt. Von Börsenaufschwüngen nach einem Kurssturz können Kunden dann also nicht mehr profitieren. Und da es wegen der niedrigen Zinsen noch schwieriger geworden ist, die Garantie einzuhalten, stellt Union Investment jetzt um.

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Anstelle des Uni-Global setzt Union Investment künftig einen neuen Fonds ein, der verhindern soll, dass die Aktien-Komponente bei starken Kursschwankungen zu schnell verschwindet: Beim Uni-Global-Vorsorge handelt es sich dem Unternehmen zufolge auch um einen Aktienfonds - je nach Marktlage reduziert sich die Aktienquote auf 51 Prozent, der Rest sind dann Derivate.

So wirkt sich der neue Fonds aus

Erstens bedeutet das: Die Variation des Aktienanteils innerhalb des Fonds macht es unwahrscheinlicher, dass es zu einer Umschichtung kommt. Zweitens sind in dem Fonds zehn Trendfolge-Indikatoren eingebaut. Welche das sind, das hält Union Investment geheim - weil andere sonst die Strategie des Fonds durchschauen könnten. Die neue Uni- Profirente hat also einen doppelten Anlagealgorithmus: Zum einen die Trendfolge, andererseits die Kapitalgarantie auf Produktebene. Wie sich diese zwei Anlagealgorithmen auf die Wertentwicklung auswirken, ist vollkommen unklar. Andere Trendfolge-Fonds jedenfalls schneiden über längere Zeiträume schlecht ab.

Bis zum 1. August können Kunden der Umstellung aber noch widersprechen. Tun sie es, bleibt alles beim Alten - wenn nicht, ist die Umschichtung endgültig. Die Stiftung Warentest hat kürzlich den betroffenen Sparern geraten, der Anpassung zu widersprechen. Der neue Fonds sei nämlich nicht überzeugend, schrieben die Experten der Zeitschrift Finanztest. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat ebenfalls seine Zweifel, rät aber nicht unbedingt zum Widerspruch. Seine Kritik ist grundsätzlicher: "Wer mit Riester-Förderung in Aktienfonds investiert, kann nicht eine Rendite erwarten, die der Wertentwicklung der Aktienmärkte entspricht."