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Geldpolitik: US-Leitzinsen:Fed beharrt auf Nullzins-Politik

Amerikas Notenbank gibt zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Pressekonferenz, an ihrer Geldpolitik ändert sich jedoch vorläufig nichts: Die Zinsen stehen weiterhin bei nahe null Prozent.

Die amerikanische Notenbank pumpt weiterhin Geld in die Wirtschaft. Anders als die Europäische Zentralbank (EZB) sah die Fed bei ihrer Sitzung am Mittwoch keine nennenswerten Inflationsgefahren. Wie es in der Erklärung des Offenmarktausschusses hieß, wird die Fed, wie geplant, bis Ende Juni für 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen kaufen und das Programm dann abschließen.

Fed Says Recovery Is 'Moderate'; Bond Buying To End In June

Die Aktienkurse stiegen leicht, als die amerikanische Notenbank verkündete, die Zinsen auf dem derzeitigen, hostorisch niedrigen Niveau zu belassen. Der Kursverfall des Dollars setzte sich allerdings fort.

(Foto: Bloomberg)

Die Zinsen sollen noch für einen "ausgedehnten Zeitraum" auf dem jetzigen Stand von null bis 0,25 Prozent bleiben. Die Fed setzte außerdem ihre Prognosen für die USA leicht herab. Die Notenbank geht jetzt für 2011 von einem Wachstum 3,1 bis 3,3 Prozent aus, im Januar waren noch 3,4 bis 3,9 Prozent gewesen.

Der Chef der Fed, Ben Bernanke, erläuterte die Aktionen der Notenbank anschließend auf einer Pressekonferenz, der ersten in der Geschichte der Fed. Ein starkes Motiv für die lockere Geldpolitik sei die hohe Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten.

Bernanke berief sich auf das doppelte Mandat der Fed, das anders als bei der EZB, neben Preisstabilität auch Vollbeschäftigung vorsieht. Er machte klar, dass die Politik Ende Juni, wenn die Käufe von Staatspapieren zu Ende gehen, nicht abrupt anziehen wird. Bis auf weiteres werde die Fed fällige Staatspapiere reinvestieren und so für genug Geld in der Wirtschaft sorgen.

Börsianer waren kaum überrascht

Nach der Sitzung der Fed stiegen die Aktienkurse und die Renditen von Staatsanleihen moderat. Die meisten Marktteilnehmer waren von den Ergebnissen nicht überrascht worden. Zehnjährige Anleihen rentierten mit knapp 3,35 Prozent, der Dow Jones lag im späten Handel mit 44 Punkten im Plus und erreichte 12.636 Punkte. Auch Gold wurde teurer.

Gleichzeitig setzte sich der Kursverfall des Dollars fort. Der Euro kostete in New York am Mittwochnachmittag 1,4769 Dollar, fast zwei Cents mehr als am Montag. Die US-Währung ist damit so billig wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Ursache dafür ist die unterschiedliche Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks. Die EZB hatte in diesem Jahr bereits einmal die Zinsen erhöht und wird dies, nach Einschätzung von Marktteilnehmern, auch noch mindestens zweimal tun. Die Federal Reserve denkt derzeit nicht an eine Trendwende.

Nach der zweitätigen Sitzung der Fed gibt es keine Zweifel mehr, dass die Unterschiede zwischen Europa und den USA in der Geldpolitik bestehen bleiben. Die Fed räumt zwar ein, dass die Inflation auch in den USA gestiegen ist, die "langfristigen Inflationserwartungen" seien jedoch stabil und der Inflationstrend gedämpft, so die Fed. Der Anstieg der Öl- und Rohstoffpreise sei ein vorübergehendes Phänomen.

Erst nachhaltiges Wachstum könnte Bernanke umstimmen

Fed-Präsident Ben Bernanke hatte immer wieder betont, er wolle erst nachhaltiges Wachstum in der amerikanischen Wirtschaft sehen, ehe er seinen Kurs ändert. Gegen seine lockere Geldpolitik gibt es allerdings auch Opposition, innerhalb und außerhalb der Fed. So hatte sich der Präsident der Federal Reserve Bank of Philadelphia, Charles Plosser, für Zinserhöhungen noch in diesem Jahr ausgesprochen. Plosser und andere Bernanke-Kritiker fürchten, dass die Teuerung außer Kontrolle geraten könnte. Der Erklärung der Fed am Mittwoch stimmten jedoch auch die Kritiker zu.

Auch gegenüber dem Yen, dem britischen Pfund und dem Schweizer Franken geriet der Dollar unter Druck. Ähnlich billig war die amerikanische Währung im August 2008 vor Ausbruch der Finanzkrise. Anschließend stieg der Wechselkurs, weil der Dollar schutzsuchenden Anlegern als sicherer Hafen galt.

Während seiner mit Spannung erwarteten Pressekonferenz bekannte sich Ben Bernanke zu mehr Offenheit in der Notenbank. Das Gespräch mit Journalisten gebe ihm Gelegenheit, "mehr Farbe" zu den Prognosen der Fed hinzuzufügen. Dabei sei die Pressekonferenz nur ein "erster Schritt" zur Öffnung der Institution. "Ich glaube an Transparenz und Rechenschaftspflicht", sagte Bernanke.

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