Geldanlage Wie erkenne ich einen guten Fonds?

Ein Fonds wirft gute Rendite ab, wenn er sich bisher gut entwickelt hat? So einfach ist es nicht, das richtige Investment zu finden. Kennzahlen und Ratings bieten ein wenig Orientierung. Außerdem sollten Anleger die Kosten genau untersuchen.

Von Charlotte Dietz

Ob Kurse in Zukunft sicher steigen oder fallen, wissen weder Finanzanalysten noch Fondsmanager. Für sämtliche Bewertungen, Kennzahlen (welche wichtig bei der Fonds-Bewertung sind, lesen Sie hier) und Ratings können immer nur Werte aus der Vergangenheit herangezogen werden. Das ist die Krux der Anlage: Eine gute Performance im letzten Jahr muss nicht bedeuten, dass der Fonds auch weiterhin eine gute Rendite abwirft.

Bei Kennzahlen genau hinschauen

Erfolg kann eine Bürde sein. Wenn ein Fonds gut abschneidet und mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, investieren mehr Anleger. Der Fondsmanager muss plötzlich eine größere Summe verwalten und sinnvoll verteilen, möglicherweise die Anlagestrategie ändern - die dann vielleicht nicht so aufgeht wie zuvor.

Die Volatilität birgt als Kennzahl ebenfalls einige Tücken: Ein hoher Wert deutet auf eine hohe Wertschwankung, also mehr Risiko hin. Jedoch fließen Wertgewinn und Wertverlust gleich stark in die Berechnung ein. Wenn ein Fondswert immer wieder sehr stark nach oben ausreißt und nur schwach nach unten, ist das eigentlich eine gute Entwicklung - die Volatilität ist aber ebenfalls hoch.

Um die Aussagekraft von Alpha und Beta zu beurteilen, sollten Anleger sich informieren, ob die Benchmark (der Vergleichsindex) überhaupt zum Fonds passt. "Die Benchmark sollte sich wirklich auf die Branche beziehen, in die der Fonds vorwiegend investiert, sonst macht ein Vergleich wenig Sinn", sagt Natalia Wolfstetter, Finanzanalystin bei Morningstar. Bei Aktienfonds sind zum Beispiel der DAX, der MSCI oder der TecDax gängige Vergleichsindizes.

Auch der maximale Verlust kann helfen, das Risiko eines Fonds einzuschätzen. Der Deutsche Fondsverband (BVI) empfiehlt, einen längeren Zeitraum zu betrachten: Wenn der Fonds zum Beispiel während der Finanzkrise 2008 weniger gefallen ist als der gesamte Markt, könnte es auch sein, dass er zukünftige Rezessionen besser übersteht. Dieser Vergleich ist natürlich nur bei jenen Fonds möglich, die es schon einige Jahre lang gibt.

Ratings liefern höchstens Orientierung

Agenturen wie S&P, Morningstar, Feri Trust, Fitch oder Lipper bewerten Fonds in regelmäßigen Abständen. Sie schauen sich dafür nicht nur die Kennzahlen an, sondern analysieren auch die Kapitalgesellschaften, zum Beispiel deren Unternehmenskultur oder die Investmentstrategie. Doch auch hier ist die Aussagekraft begrenzt: Ein gutes Management in der Vergangenheit muss nicht zwangsläufig auch in der Zukunft erfolgreich sein. Zudem lassen die Agenturen es sich bezahlen, wenn eine Fondsgesellschaft mit ihrem Rating werben will - das führt zu vorwiegend positiven Bewertungen. S&P ratet zum Beispiel von vornherein nur die 20 Prozent der Fonds, die in ihrer Kategorie am besten abgeschnitten haben.

Vorsicht: Werbetricks der Fondsverkäufer

Fondsverkäufer finden allerlei Verkaufsargumente, um einen Fonds an den Anleger zu bringen. "Meistens preisen sie gute Entwicklungen an - in der Performance oder einer gesamten Branche", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Aber das sind Werte, die sich morgen schon ändern können."

Ein umstrittenes Argument ist auch der so genannte Cost-Average-Effekt, mit dem viele Fondsprospekte werben. Er tritt vor allem bei Fondssparplänen auf. Dabei kauft der Anleger regelmäßig Anteile für dieselbe Summe, zum Beispiel für hundert Euro. Das führt zu mehr Anteilen, wenn der Kurs niedriger ist, und weniger Anteilen, wenn er höher ist. Ist ein Anteil 20 Euro wert, würde der Anleger automatisch fünf Anteile kaufen, liegt der Kurs bei 25 Euro, wären es nur vier Anteile. Rechnerisch lässt sich zeigen, dass die Wertsteigerung so am Ende höher ist als immer dieselbe Anzahl Anteile zu kaufen - das nennt man dann Cost-Average- oder Durchschnittskosteneffekt. Doch auch diese Beispielrechnungen setzen immer eine bestimmte Wertentwicklung der Anteile voraus, die vorher niemand kennen kann.

Vorher die Kosten abwägen

"Langfristig sind aktiv gemanagte Fonds fast nie besser als der Vergleichsindex", so Nauhauser. Er empfiehlt deshalb privaten Anlegern sogar, ausschließlich in passiv gemanagte Fonds zu investieren. Folge ein Fonds beispielsweise dem weltweiten Aktienindex MSCI World, investiere man automatisch in große Weltunternehmen und verschiedene Branchen - das Risiko sei damit vergleichsweise gering. Aber Vorsicht: Auch Indexfonds (ETF) (mehr zu den verschiedenen Fondsarten lesen Sie in diesem Ratgeber-Text) sind kein Garant für eine hohe Rendite. In Phasen der Rezession können auch Indizes stark fallen und die entsprechenden ETF an Wert verlieren.

"Am Ende zählen zwei Dinge: Risikostreuung und Kosten", sagt Niels Nauhauser. Für den Anleger bedeutet das: Nicht alles auf eine Karte setzen. Stellen Sie Ihr Depot aus verschiedenen Anlagen zusammen, kombinieren Sie unterschiedliche Fonds und lassen Sie sich nicht darauf ein, nur Anteile eines Fonds zu kaufen, weil er in der Vergangenheit gut abgeschnitten hat.

Im Gegensatz zu den Kennzahlen kann man die Kosten eines Fonds größtenteils vorher absehen und sollte sie gut überprüfen (mehr zu den Kosten beim Fondskauf lesen Sie hier). ETF haben einen Kostenvorteil, weil keine Verwaltungsgebühren anfallen. Wer sich jedoch für einen aktiv gemanagten Fonds entscheidet, sollte sich klar machen: Je höher die Kosten sind, desto schmäler die Rendite. Damit der Fonds trotzdem rentabler ist als ein vergleichbarer passiv gemanagter Fonds, muss sich das Management umso mehr anstrengen - und ob das gelingt, ist und bleibt Zukunftsmusik.