Geldanlage:Was ist ein Fonds und welche Arten von Fonds gibt es?

Lesezeit: 5 min

Risikostreuung ist das A und O einer sicheren Geldanlage. Doch was tun, wenn das Geld nicht reicht, um in Edelmetalle, Aktien und andere Wertpapiere zugleich zu investieren? Eine Lösung können Fonds sein.

Von Larissa Holzki

Ein Investmentfonds tut, was jeder Anleger unbedingt tun sollte: Er streut das Risiko. Denn ein Fonds ist eine Sammlung verschiedener Aktien, Anleihen oder Immobilien. Dahinter steckt die Idee, dass jede Geldanlage Wertschwankungen unterliegt. Investiert der Anleger in ein Bündel aus erfolgsversprechenden Wertpapieren, so werden einige die Erwartungen erfüllen, andere dahinter zurückbleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger seine kompletten Ersparnisse verliert, ist dabei relativ gering. Brechen die Kurse weltweit ein, sinken allerdings auch die Fonds. Mit etwas Glück und nach genauer Prüfung der Kennzahlen (mehr darüber lesen Sie in diesem Ratgeber-Text) überwiegen aber die gewinnbringenden Papiere und der Anleger erzielt bessere Renditen als mit dem Sparbuch.

Weil Fondsgesellschaften Geld vieler Anleger sammeln und investieren, kann jeder Anteilseigner schon mit einer geringen Summe Risiko streuen. Ein zweiter Vorteil ist der geringe Zeitaufwand. Wenn Sie sich einmal für einen Fonds entschieden haben, müssen Sie nicht fortlaufend Kurse und Entwicklungen am Markt beobachten und sich neue Strategien ausdenken. Das überlassen Sie fortan Fondsmanagern oder Automatismen (lesen Sie hier mehr zu aktivem und passivem Fondsmanagement). Nicht zuletzt spricht für Fonds, dass es hier kein Emittentenrisiko gibt. Das heißt: Geht die Fondsgesellschaft pleite, haben die Anteilseigner Anspruch auf ihr Vermögen. Die Wertpapiere werden in der Regel verkauft und der Gegenwert erstattet. Gläubiger haben keinen Zugriff. All diese Vorteile haben jedoch ihren Preis: Fonds sind eine vergleichsweise teure Geldanlage (mehr zu den Kosten beim Kauf von Fonds lesen Sie hier).

Was passiert mit Zinsen und Dividenden?

Für die verschiedenen Wertpapiere eines Fonds werden natürlich Dividenden und Zinsen fällig. Dieses Geld gehört den Anteilseignern. Während "ausschüttende Fonds" das Geld regelmäßig auszahlen, behalten "thesaurierende Fonds" die Gewinne ein und investieren sie weiter. So gewinnen die einzelnen Anteile an Wert, der Anleger profitiert vom Zinseszins-Effekt.

Das Angebot an Fonds ist vielfältig. Je nach Art der Wertpapiere und Investitionsobjekte kann man sie verschiedenen Typen zuordnen - zum Beispiel Aktienfonds, Rentenfonds und Immobilienfonds. Doch diese Einordnung ist nicht immer eindeutig. In welche Wertpapiere und Regionen investiert wird und nach welchen Kriterien diese ausgewählt werden, steht im Fondsprospekt. Mindestens den Beipackzettel, das KIID (Key Investor Information Document), sollten Sie sich vor der Anlageentscheidung gut durchlesen. Das ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen zu Anlagezielen, Risiko, Kosten und der Wertentwicklung in der Vergangenheit. Beides finden Sie zum Beispiel auf onvista.de. Geben Sie dazu in das Suchfeld die WKN (Wertpapiernummer) oder die ISIN (International Securities Identification Number) ein und klicken Sie auf Fondsprospekt.

Für eine erste Übersicht stellt SZ.de die wichtigsten Fondstypen hier kurz vor.

  • Aktienfonds investieren nur oder nahezu ausnahmslos in Aktien. In Deutschland müssen es mindestens 16 verschiedene sein, wobei keine mehr als zehn Prozent des Fondsvermögens darstellen darf. Die Herkunft der Wertpapiere ist häufig begrenzt auf bestimmte Regionen (z.B. Europa, Nordamerika, Asien), Länder, Länderkategorien (z.B. Industrie- oder Schwellenländer), Branchen oder Unternehmen einer bestimmten Größe. Gemeinhin gelten Aktienfonds als riskanter, aber auch chancenreicher als Renten- oder Mischfonds.
  • Rentenfonds legen hauptsächlich in Unternehmens- und Staatsanleihen an, auch andere Zinspapiere wie Pfandbriefe oder Genussscheine kommen im Portfolio vor. In der Fachsprache werden Anleihen Renten genannt - mit Altersbezügen hat der Name nichts zu tun. Da das Risiko bei dieser Anlageform vergleichsweise gering ist, nutzen sie viele Anleger aber als Altersvorsorge. Gewinne setzen sich meist vor allem aus Zinsausschüttungen zusammen. Die Kurse schwanken nicht so stark. Rentenfonds sind eine Anlagemöglichkeit für vorsichtige Anleger.
  • Mischfonds: Manager von Mischfonds kaufen vom Fondsvermögen Aktien und Anleihen, manchmal ergänzen sie diese mit Rohstoffen und Immobilien. So wird auch negativen Entwicklungen einer gesamten Anlage-Gattung vorgebeugt, das Risiko noch weiter gestreut. Je nach Fonds ist das Mischungsverhältnis etwa oder exakt vorgegeben. Anleger können die Entscheidungen des Managers daher relativ gut nachvollziehen. Als Faustregel gilt: je größer der Aktienanteil, desto risikanter - je größer der Rentenanteil, desto sicherer ist das Investment.

Hedgefonds, Indexfonds und Immobilienfonds

  • Hedgefonds haben das bunteste Portfolio unter den Fonds. Neben Aktien, Anleihen und Rohstoffen finden sich darin Devisen, Derivate, Bankkredite, Unternehmensbeteiligungen, Lebensmittel und vieles mehr. Hedge heißt so viel wie schützen oder absichern - Hedgefonds sollen den Investoren in jeder Börsensituation Gewinne bescheren, zum Beispiel durch Wetten auf sinkende Kurse und Währungsverfall. Trotzdem hat diese Wertanlage den meisten Anlegern in den letzten Jahren nur wenig Freude bereitet. Die Gebühren sind hoch, die Herausgeber werden erheblich am Gewinn beteiligt und unter dem Strich stehen die Investoren kaum besser da als mit Tagesgeldanlagen. Anders als bei Mischfonds sind Entscheidungen für Hedgefonds-Anleger kaum nachzuvollziehen.
  • Indexfonds (ETFs) bilden schlicht Aktien- oder Rentenindizes nach. Im Portfolio eines Indexfonds, der dem DAX folgt, befinden sich also Aktien der 30 Unternehmen im Leitindex zu ihren jeweiligen Anteilen. Die Zusammenstellung der Wertpapiere so eines Fonds wird nur verändert, wenn sich am Index etwas ändert. Das wäre in unserem Beispiel unter anderem der Fall, wenn ein neues Unternehmen in den DAX aufgenommen wird und ein anderes ausscheidet. Weil dazu keine weiteren Entscheidungen und Strategien getroffen werden müssen, haben Indexfonds keinen Fondsmanager, sondern werden passiv gemanagt. Das heißt, ein Computer handelt die Aktien automatisch. Indexfonds sind deshalb recht günstig. Das passive Management ist selten ein Nachteil, denn nur wenige teuer bezahlte Fondsmanager sind tatsächlich besser als die Benchmark, also ein zum Vergleich gewählter Index. Die passiven Fonds sind immerhin (fast) genauso gut. Bildet Ihr Fonds einen wichtigen Index ab, können Sie die Entwicklung ihrer Geldanlage leicht in der Börsenberichterstattung verfolgen. Indexfonds werden als ETFs gehandelt. Das steht für Exchange Traded Funds und heißt auf Deutsch "börsengehandelter Fonds". Die Anteile werden ausschließlich an der Börse angeboten und nicht über Fondsgesellschaften.
  • Immobilienfonds: Mit Immobilienfonds können sich Anleger mit verhältnismäßig kleinen Beträgen an wertvollen Gebäuden beteiligen. Denn diese Fonds investieren hauptsächlich in Häuser und Grundstücke im In- und Ausland. Dabei müssen offene und geschlossene Immobilienfonds unterschieden werden (mehr zu offenen und geschlossenen Fonds in diesem Ratgeber-Text). Offene Immobilienfonds legen vor allem in Hotels, Einkaufszentren und Bürogebäuden an. Hinzu kaufen sie Zinspapiere, die sie kurzfristig veräußern können, wenn Anleger ihre Anteile verkaufen wollen und ausgezahlt werden müssen. Wenn viele Gebäude leerstehen und die Mieten niedrig sind, entwickeln sich diese Fonds schwach. Für Immobilien spricht, dass sie ihren Wert unabhängig von der Inflation halten. Ganz anders stellen sich geschlossene Immobilienfonds dar. Anleger sind hier nur an wenigen, bisweilen nur an einer einzigen Immobilie unternehmerisch beteiligt. Ist diese ein Misserfolg, verlieren die Anleger Geld. Wie hoch die Haftung ist und ob es sogar eine Nachschusspflicht gibt, variiert. Ein Nachteil ist für viele Anleger auch die Laufzeit von häufig über zehn Jahren. Denn vorher aus- oder später einzusteigen ist nicht einfach oder kostspielig, die Zahl der Fondsanteile ist von vornherein begrenzt. Auf diversen Internetseiten gibt es aber einen Zweitmarkt. Eine unabhängige Plattform bietet zum Beispiel die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG.
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