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Geldanlage:Der Unmut wächst

Immer mehr Bundesbürger lehnen die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank ab. Und es sind nicht nur die Älteren, die die EZB-Strategie kritisch sehen.

Von Marianne Körber

Die Unzufriedenheit mit der Geldpolitik wächst. 2019 hielt jeder zweite Bundesbürger die Niedrigzins-Strategie der Europäischen Zentralbank für falsch, im Januar 2020 waren es mehr als 60 Prozent, wie eine neue Studie zum Anlageverhalten der Deutschen ergab. Interessant dabei: Die Kritiker befinden sich nicht nur in der Altersgruppe der über 60-Jährigen, auch bei den Jüngeren wächst der Unmut. Im vergangenen Jahr war knapp die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen noch von der Niedrigzinspolitik überzeugt, jetzt sank die Zustimmung auf 30 Prozent.

Die negative Einstellung gegenüber der EZB-Politik sei nicht verwunderlich, meint Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management AG, die die Studie beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag gegeben hatte. Schließlich träfen die Folgen vor allem auch die Kleinanleger, die um ihre Altersvorsorge bangten.

Die Studie zeigt einen weiteren Trend: die wachsende Bedeutung des Klimaschutzes als Anlageziel. Jeder zweite Befragte ist demnach sogar bereit, sich mit weniger Rendite zu begnügen, wenn die Geldanlage nachhaltig sei. Bei den 18- bis 29-Jährigen sagen das sogar 60 Prozent. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus: Derzeit investieren nur sechs Prozent der deutschen Bürger in nachhaltige Fonds. Und 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben ihre Ersparnisse größtenteils in Sparbüchern angelegt. Die Jüngeren hätten häufig noch nicht die Mittel, um ihre Wünsche auch zu realisieren, interpretiert Kessler dieses Studienergebnis.

Eine hohe Rendite ist ohnehin nicht das wichtigste Anliegen der Befragten. Nur für zehn Prozent ist der Gewinn von größter Bedeutung. Was bei den Deutschen zählt, ist vor allem Sicherheit; bei der Hälfte der Befragten steht dieser Punkt ganz oben auf der Wunschliste, auch wenn dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr (2019: 57 Prozent) leicht gesunken ist. Flexibilität in der Anlage spielt für 31 Prozent die wichtigste Rolle (2019: 29 Prozent).

Bekanntermaßen legen die Deutschen ihr Geld immer noch gern in Sparbüchern an; bei den Umfrageteilnehmern waren es 48 Prozent. Aber auch Lebensversicherungen erfreuten sich mit 30 Prozent großer Beliebtheit, Fonds blieben mit 24 Prozent etwa konstant. Ein deutlicher Rückgang ist bei der Anlage in Immobilien zu verzeichnen: 2019 betrachteten 36 Prozent der Befragten Immobilien als bevorzugte Anlageform, 2020 waren es noch 32 Prozent.

Nach Anlageformen mit höherer Renditeerwartung gefragt, nannten 29 Prozent der Befragten an erster Stelle die Aktien, etwas mehr als im vergangenen Jahr. Immobilien wurden dagegen nur noch von 27 Prozent angegeben, nach 23 Prozent im Vorjahr. Fonds sahen konstant 16 Prozent der Befragten als lukrativ an. Und jedem Dritten fiel zur Frage nach renditeträchtigeren Anlageformen gar nichts ein.

© SZ vom 29.02.2020

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