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Geier-Fonds:Albtraum der Armen

Zu den umstrittensten Akteuren an den Finanzmärkten zählen die Geier-Investoren - sie wollen Entwicklungsländern Milliarden abpressen.

Andreas Oldag

Er nennt sich selbst unprätentiös "Schuldenberater''. Der Amerikaner Michael Sheehan scheut ansonsten allerdings die Öffentlichkeit. Über geschäftliche Details plaudert er nicht gerne.

Geier-Fonds Entwicklungsländer
(Foto: Foto: dpa)

Sheehan, der den Fonds Donegal International Limited auf den British Virgins Islands in der Karibik betreibt, zählt zu den umstrittensten Drahtziehern in der internationalen Finanzbranche.

Seine Finanzfirma zählt zu den sogenannten Geier-Fonds. Deren Geschäftsprinzip ist: Sie kaufen alte Schuldtitel von Entwicklungsländern auf, die praktisch nicht mehr zahlungsfähig sind. Dafür zahlen sie weit weniger als den ursprünglichen Wert.

Es ist eine Branche, die nach Meinung von Dritte-Welt-Aktivisten aus dem Leichenfleddern Profit zieht: Den ärmsten der armen Entwicklungsländer wird der letzte Euro oder Dollar abgepresst.

Vertreten lassen sich die Fonds von hochbezahlten Rechtsanwaltskanzleien, die vornehmlich in den Finanzzentren von London und New York residieren. Die trickreichen Juristen setzen im Auftrag der Fonds gegenüber den betroffenen Staaten hohe Forderungen über Schuldenrückzahlung einschließlich Zins und Zinseszins vor Gericht durch.

IWF und Weltbank schlagen Alarm

"Geier-Fonds müssen gesetzlich verboten werden. Sie unterminieren die Entschuldung von Entwicklungsländern. Die Leidtragenden sind die Bevölkerung in diesen Staaten'', kritisiert Joss Saunders von der internationalen Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam.

Sogar Weltbank und Internationaler Währungsfonds schlagen Alarm. Sie sehen ihre eigene Entschuldungspolitik unterminiert. Die frei werdenden Mittel sollen eigentlich für den Kampf gegen Armut eingesetzt werden.

Doch wenn die Geier-Fonds zuschlagen, haben die Länder kaum eine Chance. Sie müssen die Gelder vorrangig an die Fonds auszahlen und geraten dadurch in einen Teufelskreis der Verschuldung.

Der Fall "Donegal'' ist ein Beispiel unter vielen: Der Fonds erwarb 1999 für drei Millionen Dollar eine Forderung Rumäniens an Sambia. Es ging um ein Traktorengeschäft, welches das afrikanische Land bereits Ende der siebziger Jahre mit der rumänischen Regierung abgeschlossen hatte.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Donegal für drei Millionen Dollar Sambia die fünffache Summe abknöpfen konnte.

Albtraum der Armen

Doch Sambia geriet später in Zahlungsverzug. Donegal verklagte dann im April dieses Jahres Sambia vor einem britischen Gericht auf Rückzahlung von 55 Millionen Dollar. Der Richter reduzierte dies zwar auf 15 Millionen Dollar.

Doch auch die Zahlung einer solchen Summe bedeutet für Sambia, wo die meisten der elf Millionen Einwohner mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, drastische Kürzungen bei der medizinischen Versorgung oder Schulausbildung.

Nach Angaben von IWF und Weltbank laufen derzeit Dutzende Klagen gegen arme Länder. Dabei geht es um eine Summe von insgesamt 1,8 Milliarden Dollar.

Im Visier der Geier-Fonds sind das mittelamerikanische Land Nicaragua ebenso wie die afrikanischen Staaten Kamerun und Äthiopien. Einer der finanzkräftigsten Geier-Fonds-Inhaber ist der amerikanische Geschäftsmann Paul Singer.

Der Milliardär erwies sich als großzügiger Wahlkampfspender für US-Präsident George W. Bush und gibt sein Geld jetzt dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rudi Giuliani.

Ein Bush-Unterstützer verdient mit den Schulden des Kongo

Gegenüber Dritte-Welt-Staaten ist Singer allerdings weniger spendabel: Sein in New York ansässiger Fonds Elliott Asset Management kaufte Mitte der neunziger Jahre peruanische Schulden für zwölf Millionen Dollar. Später zwang Singer das südamerikanische Land zur Rückzahlung von 58 Millionen Dollar.

Ebenso verdiente der 63-jährige Milliardär an Schulden des zentralafrikanischen Staates Republik Kongo, die er zum Schnäppchenpreis von zehn Millionen Dollar erworben hatte. In einer Klage forderte der Spekulant 400 Millionen Dollar - am Ende gab es immerhin noch 127 Millionen. Das übersteigt die Finanzkraft eines Landes, in dem 70 Prozent der Bevölkerung in Armut leben und die Lebenserwartung gerade 53 Jahre beträgt.

Nach Meinung von Kritikern nutzen Geier-Fonds Lücken in den verschiedenen Bemühungen zur Entschuldung besonders armer Entwicklungsländer: So haben sich große Industrieländer wie Deutschland, Frankreich, die USA und Großbritannien im so genannten Pariser Club zusammen getan, um Umschuldungen und Schuldenerlasse zu regeln.

Doch Entscheidungen des Gremiums fühlen sich Außenstehende wie Rumänien nicht gebunden. Sie ziehen es häufig vor, die Schulden an Spekulanten zu verkaufen.

© SZ vom 24.10.2007/sms/hgn
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