Gehälter von Serienfiguren vs. Realität Lebenskosten von Carrie Bradshaw & Co.

Serienfigur Carrie Bradshaw (Zweite von links) rackert sich nicht ab, zahlt aber auch nur 700 Euro Miete.

(Foto: Imago Stock&People)

Carrie Bradshaw aus "Sex and the City" schreibt eine Kolumne die Woche - und wohnt dennoch luxuriös und hat Hunderte Paar Schuhe: Gehälter von Serienfiguren sind oft unrealistisch. Aber nicht immer.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es wäre bisweilen gar nicht so schlecht, wenn es im eigenen Leben so zuginge wie in einer Fernsehserie. Der beste Kumpel wohnt gleich nebenan, er hat stets Bier im Kühlschrank und meist einen weisen Ratschlag oder zumindest einen lustigen Spruch auf den Lippen. Die Arbeitsplätze der besten Freundinnen liegen derart nahe beieinander, dass man sich regelmäßig zum Mittagessen treffen kann. Und natürlich lassen sich fast alle Probleme innerhalb einer Folge oder wenigstens einer Staffel lösen.

Das Tollste am Leben einer Serienfigur ist allerdings, dass der Job derart wenig Zeit in Anspruch nimmt, dass man ständig in Bars oder der Wohnung des besten Freundes herumhängen kann. Das Gehalt dagegen muss immens sein - wie sonst könnten sich diese Menschen diese gar wunderbaren Domizile in Manhattan oder Beverly Hills leisten?

Nur: Das Leben ist weder Ponyhof noch Fernsehserie, weshalb sich die Fans von TV-Shows bisweilen fragen, wie die Charaktere es eigentlich hinbekommen, trotz Arbeitslosigkeit oder schlecht bezahlter Jobs ein derart mondänes Leben zu führen. Womit bezahlt Carrie Bradshaw aus "Sex and the City", die als Kolumnistin weniger als 50 000 US-Dollar pro Jahr verdienen dürfte, ihre Manolo-Blahnik-Schuhe und ihre Wohnung im West Village von Manhattan? Wie können sich Monica Gellar und ihre Freunde aus der Serie "Friends" dieses tolle Apartment im Greenwich Village leisten, wo es doch schon in der Eingangsmusik ("Dein Job ist ein Witz, Du bist pleite") angedeutet wird, dass das vollkommen unmöglich ist.

Liste mit Gehältern von Serienfiguren

Die Verantwortlichen dieser beiden Serien verwenden recht einfache Kniffe dafür: Bradshaw wohnt in einem Viertel, in dem die Miete ihrer Wohnung (die eigentlich bei etwa 3000 Dollar pro Monat liegen dürfte) auf 700 Dollar limitiert ist. Und das Apartment der Friends (etwa 4500 Dollar) wird von Gellars Großmutter derart günstig untervermietet, dass es sich die jeweiligen Bewohner offensichtlich gerade noch leisten können. Zum Leben reicht es immer.

Das führt natürlich dennoch zu einer weiteren interessanten Frage: Wie viel verdienen Serienfiguren eigentlich - und wie viel würden ihre Häuser und Wohnungen im wirklichen Leben kosten? Aktueller Anlass für diese Diskussion ist ein Haus in Cheviot Hills, einem noblen Stadtteil von Los Angeles, dessen Fassade immer wieder in der Serie Modern Family zu sehen ist. Als Kaufpreis sind 2,35 Millionen US-Dollar ausgerufen für diese Vier-Schlafzimmer-Villa mit zwei Balkonen und Mahagoni-Fußböden. In der Serie wohnt dort die Familie Dunphy, in den ersten Spielzeiten ist der Vater Phil der Alleinverdiener. Der ist bei einem Immobilienmakler angestellt und dürfte trotz Provision weniger als 100 000 Dollar brutto pro Jahr verdienen. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass Dunphy, seine Frau Claire und die drei Kinder tatsächlich in einem derart teuren Haus wohnen.

Es ist nicht mehr besonders knifflig, die Verbindung zwischen dem Gehalt der Charaktere und dem Preis oder der Miete ihrer Unterkünfte herzustellen. Auf der Internetseite Salary werden die Durchschnittsgehälter in der jeweiligen Stadt angezeigt, die Zeitschrift Entertainment Weekly veröffentlichte kürzlich eine Tabelle mit dem Gehalt zahlreicher Figuren, bei Forbes gibt es eine Liste der vermögendsten fiktiven Charaktere, die natürlich von Dagobert Duck (65,4 Milliarden Dollar) angeführt wird. Auf Platz neun liegt Tywin Lannister aus "Game of Thrones" mit einem Vermögen von 1,8 Milliarden Dollar, direkt dahinter folgt C. Montgomery Burns aus "The Simpsons" mit 1,5 Milliarden, auf Rang 14 liegt Lady Mary Crawley aus "Downton Abbey" mit 1,1 Milliarden.