GastronomieWie die Welt Trinkgeld gibt

Stolze Pariser, irritierte Japaner und freundliche Osteuropäer im Londoner Pub: Nicht überall auf der Welt erwarten Angestellte der Gastronomie Trinkgeld. Wie die Welt ihre Kellner belohnt.

Stolze Pariser, irritierte Japaner und freundliche Osteuropäer im Londoner Pub: Nicht überall auf der Welt erwarten Angestellte der Gastronomie Trinkgeld. Wie die Welt ihre Kellner belohnt.

Der gemeine Pariser Kellner hat Ähnlichkeit mit dem berüchtigten Berliner Busfahrer: Auch er steht im Ruf, nicht zu den freundlichsten Dienstleistern zu gehören. Ein "Garçon" in einer Pariser Brasserie, der etwas auf sich hält, reduziert den Austausch mit den Kunden aufs Nötigste, richtet den Blick dabei gelangweilt in die Ferne - und pfeift auf Trinkgeld. Ohnehin ist in Frankreichs Gastronomie der Service in der Rechnung inbegriffen: 15 Prozent vom Preis geht an die Bedienung. Es ist daher kein Affront, kein "pourboire" zu geben. Dennoch gelten auch in Frankreich - hat man es etwa mit einer charmanten Platzanweiserin zu tun oder mit einem beflissenen Kellner - bis zu zehn Prozent extra als angebracht. In Cafés lassen zufriedene Gäste dann diskret ein paar Münzen liegen. Eine Studie ergab jüngst allerdings, dass 16 Prozent der Franzosen gar nichts mehr springen lassen. Das liegt an der Krise, aber auch daran, dass fast nur noch per Karte gezahlt wird. Damit fehlt Kleingeld im Portemonnaie. Nur eine kleine Gruppe, die kaum mit französischen Kunden zu tun hat, kann ihr Gehalt dank Zuwendungen noch aufbessern: Pagen in Pariser Luxushotels verdoppeln dank Trinkgeldern ihr Einkommen.

Leo Klimm, Paris

Bild: AFP 28. August 2014, 13:422014-08-28 13:42:34 © SZ vom 28.8.2014/jab