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Fußballaktien:"Ganz schnell weg damit"

Aktien von Fußballvereinen sind hochriskant. Nur wenigen Vereinen gelingt es, sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg zu paaren. Immerhin: Zuletzt sind viele Papiere deutlich gestiegen.

Fabian Heckenberger

Wie man es eben so macht als geschickter Verkäufer: Hans-Joachim Watzke hat die schlechten Zahlen in eine frohe Botschaft verpackt. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund musste bei der kürzlich abgehaltenen Hauptversammlung ein Minus von knapp 2,8 Millionen Euro verkünden. Das Ziel einer schwarzen Null habe man verfehlt, sagte Watzke, aber der Fußballclub sei dennoch gut aufgestellt. "Wie ein mittelständisches Unternehmen mit der Strahlkraft eines Dax-Konzerns".

1. FC Nürnberg - Borussia Dortmund

Die Begriffe Borussia, Börse und Strahlkraft in Zusammenhang zu setzen, wäre kürzlich noch als sicheres Indiz für intensiven Realitätsverlust gewertet worden. Doch in der aktuellen Saison 2010/2011 läuft es gut für Dortmund.

(Foto: dpa)

Die Begriffe Borussia, Börse und Strahlkraft in Zusammenhang zu setzen, wäre kürzlich noch als sicheres Indiz für intensiven Realitätsverlust gewertet worden. In der Saison 2010/2011 allerdings steht Dortmund seit Wochen an der Spitze der Bundesliga - und auch die Aktie klettert nach oben. Mitte November lag der Kurs bei 3,40 Euro, dem höchsten Stand seit Jahren. Seitdem pendelt das Papier um die Drei-Euro-Marke.

Aktie und Schal

In Internetforen diskutieren die Anhänger, ob sie die Papiere irgendwann doch noch mit Gewinn verkaufen können, statt sie nur neben Schal und Trikot übers Bett zu hängen. Für Euphorie allerdings ist es zu früh. Die Aktie des einzigen deutschen an der Börse notierten Vereins liegt noch immer meilenweit von ihrem Ausgabepreis von elf Euro entfernt.

Fußballaktien, das mussten nicht nur die Käufer des BVB-Papiers schon schmerzlich erfahren, sind riskante Spekulationsobjekte, seit mit dem Londoner Klub Tottenham Hotspur im Jahr 1993 der erste Verein in den Aktienhandel einstieg. Im Vergleich zu anderen Unternehmen richten Fußballclubs sich nicht allein nach wirtschaftlichen Kriterien. "Häufig ist das primäre Ziel der sportliche Erfolg, der wirtschaftliche Erfolg ist nur eine Art Nebenbedingung", sagt Vera Elter, Partnerin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Vereine verschulden sich, um teure Spieler zu kaufen. Auch die garantieren aber weder den Gewinn der Meisterschaft, noch verlässliche Einnahmen. Der Meniskusschaden eines Stürmers kann die Jahresbilanz kippen, ein vergebener Kopfball die Teilnahme an der Champions League kosten, und damit Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich.

"Nur wenige Klubs haben es geschafft, langfristig ein Erfolgsmodell in Gang zu setzen, in dem sich sportliche Siege und wirtschaftliche Erfolge positiv beeinflussen", sagt Thomas Fuggenthaler von Ernst&Young, Autor der Studie Bälle, Tore und Finanzen. Als bislang einzigem Klub ist das Manchester United gelungen, der 18 Millionen Pfund erlöste als er 1991 an die Börse ging. Nach 14 Jahren im Handel nahm der neue Besitzer Malcolm Glazer den Verein 2005 von der Londoner Börse. Der Kurs hatte sich bis dahin verzehnfacht.

"Nichts für Witwen und Waisen"

Als weiteres Beispiel für wirtschaftlichen Erfolg nennt Fuggenthaler den FC Bayern München. Der allerdings meidet die Börse. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hielt vor Jahren eine Rede vor Wirtschaftsstudenten der Fachhochschule Pforzheim über börsennotierte Klubs. Er gab den Absolventen einen Tipp: "Ich raten ihnen, kaufen Sie sich keine Fußball-Aktien. Und wenn Sie welche haben", sagte Rummenigge, "dann ganz schnell weg damit!" Die Credit Suisse schrieb bereits 2004 in einer Studie, Fußball-Aktien seien "nichts für Witwen und Waisen".

Das gilt vor allem für Italien. Der an der Mailander Börse notierte Verein Juventus Turin musste 2006 wegen Schiedsrichterbestechung in die zweite Liga abstiegen. Der Kurs stürzte ab, der Handel mit der Aktie wurde vorübergehend ausgesetzt. Zur gleichen Zeit versuchte angeblich die italienische Mafia, durch Aktienkäufe Lazio Rom zu übernehmen. Gegen einen Spieler wurde wegen Kursmanipulation ermittelt. Erst vor wenigen Wochen warnten Vermögensberater in Italien vor einem Kauf der Lazio-Aktie. Sportlich steht der Klub gut da, das alleine rechtfertige aber nicht den Anstieg der Aktie im vergangenen Jahr um zeitweise 250 Prozent. Die Bilanzen des Klubs seien undurchsichtig, Spielergehälter nicht nachvollziehbar, hieß es.

Dennoch scheinen sich auch die Fußballpapiere nach dem allgemeinen Einbruch infolge der Finanzkrise wieder zu stabilisieren. Der Stoxx-Europe-Football-Index, der die Kurse von 23 Vereinen abbildet, kletterte in diesem Jahr von 105 auf 150 Punkte. Neben den drei italienischen Vertretern AS Rom, Lazio Rom und Juventus Turin sowie Borussia Dortmund sind dort Klubs wie Ajax Amsterdam, Olympique Lyon und Galatasaray Istanbul notiert. Und auch der von Bloomberg erstellte Eurokick-Football-Index stieg im selben Zeitraum von 55 auf mehr als 75 Punkte. Beide Indizes liegen freilich noch deutlich unter ihren Höchstwerten aus der Zeit vor der Krise.

Neben dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung sehen Experten mehrere Gründe für die Erholung: Die Schere zwischen Vereinseinnahmen und Spielergehältern klafft bei den meisten Klubs nicht mehr gar so weit auseinander. Steigende Fernsehgelder sorgen in vielen Ländern zumindest für etwas mehr Planungssicherheit. Und im Sommer verabschiedete der Europäische Verband Uefa sein Financial-Fair Play-Programm, das zumindest theoretisch vorsieht, unseriös wirtschaftende Klubs aus dem Europacup auszuschließen. Es sind einige stabilisierende Ansätze im spekulativen Geschäft. Fuggenthaler drückt es so aus: "Wenn man optimistisch ist, könnte man sagen, die Klubs haben aus turbulenten Zeiten gelernt."

© SZ vom 07.12.2010/hgn
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