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Friedrich Merz als WestLB-Verkäufer:Sein größter Fall

Bitte Angebote einreichen! Der WestLB-Verkaufsprozess ist eröffnet. Nun liegt es an Friedrich Merz, die angeschlagene Bank an einen privaten Investor zu veräußern - eine politisch brisante Mission.

Wenn Friedrich Merz an diesem Donnerstagmorgen die Financial Times aufschlagen hat, könnte sein Blick kurz in den Anzeigenteil geschweift sein. "Verkauf der WestLB AG", steht da. Und es dürfte dem Anwalt und früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden Merz eine gewisse Genugtuung bereiten, dass alle, bei denen die Anzeige Interesse weckt, schließlich bei ihm landen werden.

Zwischen Politik und Wirtschaft: Friedrich Merz beweist sich beim Verkauf der angeschlagenen WestLB.

Zwischen Politik und Wirtschaft: Friedrich Merz beweist sich beim Verkauf der angeschlagenen WestLB.

(Foto: action press)

Doch lange wird Merz sich mit der Anzeige nicht aufhalten. Merz, der Politiker, der Buchautor, der Wirtschaftsanwalt hat keine Zeit für Nebensächlichkeiten. Er ackert auf zahlreichen Feldern, und sein wichtigstes heißt derzeit, Interessenten zu finden für eine Landesbank, die einmal eine große Nummer war: die WestLB mit Sitz in der NRW-Hauptstadt Düsseldorf.

Mit der Anzeige beginnt offiziell der Verkaufsprozess für die erste deutsche Landesbank, die auf Geheiß der EU-Kommission den Eigentümer wechseln muss. Jahrzehntelanges Missmanagement hatte die WestLB geschwächt, die Finanzkrise gab ihr den Rest. Zunächst halfen das Land Nordrhein-Westfalen und die dortigen Sparkassen mit einer Milliardengarantie. Als die Alteigentümer nicht mehr konnten und wollten, sprang erstmals der Bund mit drei Milliarden Euro bei einer Landesbank ein, unterstützte die Aufspaltung in eine Abwicklungsbank und ein Restinstitut, das nun versteigert werden soll. Und Friedrich Merz ist der Mann, der das bis Ende 2011 abschließen soll.

Ein kleines Wunder wäre es wohl, wenn es gelänge. Der WestLB, die immer auf dem großen Parkett der internationalen Kapitalmärkte mitspielen wollte, fehlt eine breite Kundenbasis im deutschen Mittelstand und bei Privatkunden. Nachdem sich in den vergangenen zehn Jahren ein halbes Dutzend Chefs vergeblich bemüht hat, die Bank zu sanieren, schwindet der Glaube, dass irgendjemand sie als Partner attraktiv finden könnte.

Politischer Sprengstoff

Wenn es einer schaffen könnte, die alte WestLB zu verkuppeln, dachten sie sich vor drei Monaten beim staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin, dann dieser Friedrich Merz. Ehemaliger Senkrechtstarter der CDU, seinerzeit über das Europaparlament in den Bonner Bundestag gekommen, dort Schützling und Kronprinz des langjährigen Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion Wolfgang Schäuble, diesem im Jahr 2000 als Fraktionschef nachgefolgt mit der Perspektive, in Politik und Land einmal ganz oben zu stehen.

Der Traum platzte - weil eine junge Parteifreundin namens Angela Merkel ihm nach der verlorenen Bundestagswahl 2002 Amt und Einfluss abjagte. Merz wollte kämpfen, zog es dann aber vor zu schmollen - und sich in der freien Wirtschaft schadlos zu halten. Der Jurist Merz stieg im Geschäft der internationalen Großkanzleien ganz oben ein, und er hat sich dort festgesetzt. Der Liebling des CDU-Wirtschaftsflügels betreibt Politik seitdem als Hobby und nutzt es für sein Netzwerk, das ihn wiederum beruflich bei den Partnern und Mandanten interessant macht.

Als der "Veräußerungsbevollmächtige" der WestLB gesucht wurde, gab es eine Liste von zehn Kandidaten, aber einen schnellen Sieger. Merz sei der Richtige, so die Erwartung, ein Mann für alle Fälle, für den es keinen Unterschied mache, ob er in Verhandlungen einem Banker, Sparkassenpräsidenten oder Politiker gegenüber sitze. Eine Landesbank ist nicht irgendein Kreditinstitut, sie ist ein politischer Sprengsatz. Droht sie in die falschen Hände zu geraten, werden Politiker in Düsseldorf und Berlin aufschreien, Sparkassenfunktionäre sich beklagen.

Vor allem aber soll der Verkauf der WestLB der Beginn einer grundlegenden Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft sein. So will es Friedrich Merz und so will es sein enger Wegbegleiter, Finanzminister Schäuble. Seit Monaten klappert der Westfale Landesbankchefs und Ministerpräsidenten ab, spricht mit Investmentbankern und Fusionsberatern zwischen Frankfurt und London.

Merz` wichtigste Mission

Derzeit betreibt Merz das Projekt WestLB nahezu als Vollzeitjob, wenig Zeit bleibt für andere Klienten in der Kanzlei und seine Aufsichtsratsmandate. Merz sorgt dafür, dass Schäuble und die Staatssekretäre Steffen Kampeter und Jörg Asmussen von Berlin aus den Verkaufsprozess flankieren, von dort kommt Druck auf die anderen Landesbanken, sich Fusionen nicht zu verschließen. Mit der BayernLB steht die WestLB bereits in engen Verhandlungen.

Doch auf die Option Landesbank will Merz sich nicht festnageln lassen. Auch für Ausländer, die in Deutschland Fuß fassen wollen, könne die WestLB interessant sein, lässt er verbreiten. Wecken soll das Interesse die Investmentbank Morgan Stanley, die gemeinsam mit Merz für den Verkauf trommelt. Für den Politiker Merz, ist das Projekt WestLB kein Deal wie jeder andere, den er für die Kanzlei Mayer Brown LLP schon eingefädelt hat. Diskret soll all das über die Bühne gehen, so will es Merz.

"Ein Anwalt gehört nicht in die Zeitung", hat er einmal gesagt. Aber natürlich ist das auch ein wenig Koketterie bei jemandem, der in seinem ersten Leben Politiker war. Nie würde er es zugeben, aber natürlich schmerzt die Niederlage gegen Angela Merkel noch immer. Jeder Erfolg in der Wirtschaft (und Erfolge dort sind gut bezahlt) hilft über den alten Schmerz hinweg.