Französische Börsenaufsicht ermittelt Deutsche Bank soll Insiderhandel begünstigt haben

Frankreichs Börsenaufseher untersuchen, ob die Deutsche Bank Insiderhandel begünstigt hat. Hedge-Fonds-Manager sollen exklusive Informationen der Banker für Geschäfte genutzt haben.

Von Ansgar Siemens

Was passierte in Deutschlands größtem Finanzinstitut? Die Deutsche Bank soll vertrauliche Informationen unter nicht korrekten Umständen weitergegeben haben. Erhärten sich die Vorwürfe, drohen den Beteiligten insgesamt fast zehn Millionen Euro Geldbuße, sagten fünf mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Auf Anfrage von sueddeutsche.de lehnte der deutsche Konzern eine Stellungnahme ab.

Der Fall reicht zurück ins Jahr 2002. Die Bank plante den Verkauf von Wertpapieren für den französischen Mischkonzern Vivendi. Dabei ging es um so genannte Wandelschuldanleihen auf die Vivendi-Aktie - das sind Papiere, die den Umtausch von Darlehen der Anleger in Aktien von Vivendi zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichten.

Börsianer wissen, dass solche Finanzprodukte in der Regel die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen belasten. Pikant: Bereits wenige Tage, bevor die Offerte öffentlich wurde, ließ die Vivendi-Aktie kräftig Federn. Sie verlor in drei Tagen 14 Prozent an Wert.

Tonbänder offenbar gelöscht

Offenbar, so lautet jetzt der Vorwurf, hatten die Deutschbanker schon frühzeitig ihr Wissen an die vier Londoner Hedge-Fonds GLG, UBS O'Connor, Ferox Capital und Meditor preisgegeben und dabei offenbar nicht ausdrücklich betont, dass die Finanzprofis diese Insider-Informationen im Vorhinein nicht nutzen dürfen.

Die Profi-Investoren trennten sich daraufhin allem Anschein nach schleunigst von ihren Vivendi-Papieren. Die Bank soll Tonbänder, die von den Gesprächen pflichtgemäß angefertigt worden waren, gelöscht haben.

Genau das könnte der Bank zum Verhängnis werden: Es droht dem Unternehmen ein Bußgeld von drei Millionen Euro. Und das sind keine Peanuts. Die Deutsche Bank habe bislang bestätigt, von der französischen Börsenaufsicht AMF einen noch unveröffentlichten Prüfbericht zu der Angelegenheit erhalten zu haben, schreibt Bloomberg.

Bereits im Januar hatte die AMF ein Bußgeld gegen die Deutsche Bank verhängt. Damals waren 300.000 Euro fällig. Die Vorwürfe klangen ähnlich. Es ging in diesem Fall um Wandelschuldanleihen auf die Aktie des Alcatel. Die Deutsche Bank ficht den Beschluss an.