Frankfurt:Noch mehr Druck

Lesezeit: 2 min

Der Brexit verschärft die Lage auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt. Experten rechnen damit, dass mehrere tausend Banker an den Main ziehen. Doch in Frankfurt gibt es schon jetzt zu wenig Wohnungen.

Frankfurt hofft, vom Brexit zu profitieren. Weil Banken Mitarbeiter von London an den Main versetzen, entstehen neue Arbeitsplätze. Das Problem: In der Stadt gibt es zu wenig Wohnungen.

"In Frankfurt gibt es praktisch keinen Leerstand und zugleich ein gigantisches Bevölkerungswachstum", sagt Stefan Mitropoulos, Leiter der Konjunktur- und Immobilienanalyse bei der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba). "Zuletzt sind pro Jahr im Schnitt rund 15 000 Menschen nach Frankfurt gezogen. Jetzt kommen noch ein paar Tausend Banker dazu. Das wird den Druck auf die Mieten weiter erhöhen." Das deckt sich mit Einschätzungen des Immobiliendienstleisters JLL. Allein im ersten Halbjahr 2017 stiegen die Angebotsmieten in Frankfurt seinen Angaben zufolge auf Jahressicht um 3,2 Prozent auf 13,70 Euro je Quadratmeter.

Bei der Stadtverwaltung ist man sich der Probleme bewusst. Mark Gellert, Sprecher des Wohnungsdezernats der Stadt Frankfurt, sagt: "Unserer Bevölkerungsvorausberechnung zufolge dürfte die Anzahl der Einwohner in Frankfurt im Jahr 2027 die Marke von 800 000 durchbrechen, verglichen mit 736 000 zur Jahresmitte 2017. Auch der Zuzug von Bankern spielt dabei eine Rolle."

Die Banker aus London können sich vergleichsweise hohe Mieten leisten

Die Nachfrage aus der Finanzbranche wird sich wohl aber nicht auf alle Segmente des Mietmarktes gleich auswirken. "Mikro-Apartments, Ein- und Zweizimmerwohnungen bis 70 Quadratmeter und möblierte Apartments dürften besonders gefragt sein", sagt Jan Ludwig, Teamleader Residential Investment in Frankfurt bei der Immobilienfirma Colliers International. "Banker siedeln vielleicht nicht gleich mit ihrer gesamten Familie nach Frankfurt um und sind selbst nur unter der Woche vor Ort." Martin Bernemann, Geschäftsführer des Frankfurter Vermittlers City-Residence GmbH, beobachtet bereits einen Aufwärtstrend. "Im Moment gewinnt das Geschäft mit möblierten Wohnungen, die für Monate oder Jahre gemietet werden können, im Vergleich zum Vorjahr an Fahrt. Als direkte Folge des Brexit rechnen wir mit der ersten größeren Welle an Anfragen für Ende Winter", sagt er. Laut Mitropoulos von der Helaba könnte es zu einer Verdrängung auf dem Frankfurter Mietmarkt kommen: "Schwächere Einkommensschichten, die sich die Mieten in Frankfurt nicht mehr leisten können, weichen möglicherweise ins Umland aus."

Vor diesem Hintergrund schlagen Mieterschützer schon jetzt Alarm. Bei den Bankern "handelt es sich um Menschen, die sich hohe Mieten leisten können. Das wird dafür sorgen, dass das Mietniveau insgesamt steigt", sagt Rolf Janßen, Geschäftsführer des Frankfurter Mieterschutzvereins. "Politiker müssen Gegenmaßnahmen ergreifen." Wohnungsdezernat-Sprecher Gellert weist darauf hin, dass am Ende nicht alle Brexit-Banker unbedingt in die Stadt ziehen müssen. "Das gesamte Rhein-Main-Gebiet kommt für sie sicherlich als Wohnort infrage", sagt er. "Denn aus London sind sie meist ohnehin lange Anfahrtszeiten zum Arbeitsplatz gewohnt."

Bloomberg

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB