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Fragen zur Geldanlage:Ist es sinnvoll, in einzelne Aktien zu investieren?

  • Sollte man Anteile an einzelnen Firmen kaufen? Die US-Vermögensverwaltung Longboard hat diese Frage untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen: Besonders gut ist die Idee nicht.
  • Besser kann es sein, in den gesamten Markt zu investieren.
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Von Jan Willmroth

Allein das Wort hat einen so schönen Klang, dass man es viel öfter unterbringen sollte in Mitteilungen, Reden oder einfach im Gespräch mit Freunden. Wie schade, dass "Aktienkultur" nur selten in solche Unterredungen am Samstagabend passt. Vor allem in Deutschland, das doch vielen als Land der Aktienmuffel gilt.

Wenn das Deutsche Aktieninstitut, seit jeher ein Verfechter der Investition in Unternehmensanteile, über das Verhältnis der Deutschen zu Aktien sinniert, kommt zuverlässig Ähnliches dabei heraus. Erst kürzlich: "Die Aktienkultur in Deutschland erleidet 2014 einen erneuten Rückschlag", schreiben die Aktien-Lobbyisten in ihrem jährlichen Bericht. Nur noch 8,4 Millionen Anleger seien in irgendeiner Form am Aktienmarkt engagiert. Klägliche 4,1 Millionen Deutsche, 400 000 weniger als vor einem Jahr, dürften sich Aktionäre nennen. Dabei sind doch die Zinsen so niedrig! "Die konservative Struktur der Geldanlage kostet die Menschen im Ergebnis viel Geld", schreibt das Institut. Kurz übersetzt: Wer nicht viel größere Verluste riskiert, wird mit kleinen Verlusten bestraft.

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Man könnte das auch umdrehen und sagen, dass die konservative Struktur der Geldanlage den deutschen Anleger-Michel vor sich selbst schützt. Zumindest insofern, als er eben ungern in Einzelwerte investiert.

Aktien sind riskanter als viele glauben

Die amerikanische Vermögensverwaltung Longboard hat sich vor kurzem einmal angeschaut, warum es zumindest im historischen Durchschnitt keine so gute Idee ist, einzelne Titel zu kaufen. Die Aktien-Apologeten argumentieren da ganz anders, zum Beispiel so: Wer im Jahr 1995 Aktien kaufte und diese bis Ende 2014 hielt, erzielte eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa acht Prozent. Aktien wären demnach eine feine, renditeträchtige Sache. Ganz so einfach ist das aber nicht.

Aktien seien nämlich riskanter als viele glaubten, schreiben die Strategen von Longboard (PDF). Um das zu belegen, haben sie sich den Russell-3000- Index angeschaut, der fast alle öffentlich gelisteten US-Unternehmen enthält. Zwischen 1983 und 2006 liefen fast zwei Drittel der Aktien schlechter als der Markt. Nur 25 Prozent der Titel waren für sämtliche Kursgewinne verantwortlich. Die anderen 75 Prozent zusammengenommen erzielten eine Gesamtrendite von null Prozent.

Nun könnte man einwenden, wenn man das ein oder andere Buch liest, Jahresberichte zu studieren versteht und Kennzahlen richtig interpretieren kann (ja, all das sollte man mindestens können), sei man bei der Auswahl der Aktien geschickter.

Privatanleger neigen dazu, Verliereraktien zu lange zu halten

Dazu sei erst einmal gesagt: Selbst Profi-Fondsmanager erzielen nur in Ausnahmefällen bessere Ergebnisse als der Gesamtmarkt. Zudem gibt es inzwischen eine Vielzahl an Studien zum Anlegerverhalten. Und das ist keineswegs besonders vorbildlich: Im Jahr 2011 erschien zum Beispiel ein Papier mit dem Titel "The behavior of individual investors" (übersetzt "Das Verhalten individueller Investoren"), eine Meta-Studie, die Forschungsergebnisse auf diesem Feld prägnant zusammenfasst. Privatanleger neigen demnach dazu, Verliereraktien zu lange zu halten und Gewinneraktien zu früh zu verkaufen; sie sind zu stark von vergangenen Kursverläufen beeinflusst und bleiben mit ihren Portfolios hinter Standard-Indizes zurück. Und sie streuen ihr Risiko nicht gut genug.

Sollte man es nicht doch versuchen? Wer sich traut - bitte schön. Vielleicht ist ja mal eine Apple-Aktie dabei: Die stieg seit Ende 1995 um 12 000 Prozent. Grundsätzlich sind Investitionen in den gesamten Markt, zum Beispiel mit Indexfonds, genannt ETF, aber eindeutig die bessere Wahl. Was ETFs genau sind, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

© SZ vom 02.03.2015/sana

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