Finanzkrise Sarrazin rüffelt Ackermann

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin redet gerne Fraktur. Nun maßregelt er Banker wie Josef Ackermann für deren Gier. Bestimmte Institute müssten komplett verstaatlicht werden.

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) ist seinem Ruf als Advocatus Diaboli aus Leidenschaft einmal mehr gerecht geworden. In den Medien gerne als "Genosse Rambo" (Rheinische Post) oder "Quartalsrambo" (Tagesspiegel) bezeichnet, knöpft er sich dieses Mal die Banker vor.

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin: Der "Advocatus Diaboli" hält die Renditevorstellungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für kontraproduktiv.

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"Wir müssen die Banken da, wo der private Aktionär jetzt nicht mehr Eigenkapital geben wird, in staatliche Obhut nehmen und selbst das Eigenkapital geben und Vollaktionäre werden", sagte Sarrazin in der SWR-Fernsehsendung "2+Leif".

Zugleich sprach er sich gegen eine staatliche "Bad Bank"aus. Er plädierte für Einzelfallentscheidungen nach einer möglichen Staatsübernahme: "Dnn ist es ja unsere Bank und dann können wir auch aufteilen in Good Bank und Bad Bank"sagte Sarrazin.

Der Berliner Finanzsenator war zuletzt als Nachfolger von Günther Merl als Chef des Bankenrettungsfonds (Soffin) im Gespräch gewesen. Am Montag war aber bekannt geworden, dass der Ex-Vorstandschef der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB), Hannes Rehm, neuer Soffin-Chef wird.

Derzeit wird diskutiert, wie den Banken die hochriskanten Papiere abgenommen werden können. Um den stockenden Kreditfluss wieder zu beleben, wurde auch vorgeschlagen, statt einer einzigen "Bad Bank", einzelne Institute in "Good Banks" und "Bad Banks" aufzuspalten - so wie es nun auch Sarrazin vorgeschlagen hat.

Bereinigung mit einem Schlag

Eine "Bad Bank" (englisch für "schlechte Bank") ist ein Institut, das risikobehaftete Wertpapiere übernimmt, die stark an Wert verloren haben und nicht mehr handelbar sind. Die "giftigen" Hypotheken-Papiere drohen eine Bank nach der anderen in den Abgrund zu ziehen. Die Bilanzen sollen so mit einem Schlag bereinigt und den Banken mehr Spielraum zur Kreditvergabe gegeben werden.

Sarrazin übte in der SWR-Sendung heftige Kritik am Verhalten der Banken. Als besonderes Negativbeispiel nannte Sarrazin Deutsche-Bank- Chef Josef Ackermann mit seinem früheren Renditeziel von 25 Prozent.

"Man kriegt ja nur mehr Rendite mit mehr Risiko. Das war ein Aufruf, Risiken einzugehen und diejenigen, die das anders machten, die vorsichtiger waren, die wurden in der Tat während der vergangenen acht Jahre regelrecht gemobbt", sagte Sarrazin.