Finanzen kompakt:Stromfresser und Geldverschwender

Satte 14 Milliarden Euro verschleudern die Deutschen durch Stromfresser. Außerdem: Die Weltbank vergab Kredite in Rekordhöhe.

Die Deutschen verschwenden im Haushalt Unmengen an Energie und verschenken laut einer Studie jährlich rund 14 Milliarden Euro. "Mit der heutigen Technik liegt das Einsparpotenzial in deutschen Haushalten bei 50 Prozent", sagte der Geschäftsführer der Frankfurter Messe, Michael Peters, am Donnerstag.

Die meisten würden jedoch die Einsparmöglichkeiten gar nicht kennen. So verbrauchen etwa moderne Leuchtdioden (LEDs) weniger als 20 Prozent von herkömmlichen Glühbirnen. Auch durch den Kauf von modernen Kühlschränken und Waschmaschinen lässt sich langfristig eine Menge sparen. Dabei müssten die Bürger auf nichts verzichten.

Vielmehr könne die neue Technik den Komfort und das Wohlbefinden erhöhen, erklärte Peters. Für die Studie anlässlich der Messe "Light+Building" befragte TNS Infratest rund 1000 Menschen. Die Berechnungen in der Studie gingen von 40 Millionen Haushalten in Deutschland und einer jährlichen Stromrechnung von durchschnittlich 700 Euro aus.

Die Zinsen im Euro-Raum bleiben wie erwartet auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Notenbank hält den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld seit Mai 2009 auf diesem Niveau. Eine erste Zinserhöhung erwarten Volkswirte wegen der nur zögerlichen Erholung der Wirtschaft und der anhaltend niedrigen Inflation inzwischen erst Anfang 2011.

Die EZB will sich noch erklären, wie sie dem hoch verschuldeten Griechenland unter die Armen greifen könnte. Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet hatte Ende März angekündigt, die EZB werde über 2010 hinaus zweitklassige Wertpapiere als Sicherheiten für geliehenes Zentralbankgeld akzeptieren.

Wegen der Vertrauenskrise unter den Kreditinstituten war die Notenbank von ihrer Linie abgewichen, nur Sicherheiten mit hervorragender Bonität zu akzeptieren. Dies sollte aber nur bis Ende 2010 gelten.

Bliebe die EZB bei dieser Begrenzung, bestünde die Gefahr, dass sie griechische Staatsanleihen ab 2011 nicht mehr annehmen könnte. Beobachter gehen davon aus, dass die Notenbank für Papiere mit zweitklassigem Rating gestaffelte Abschläge für verschiedene Risikoklassen einführen wird.

Etappensieg für frühere Aktionäre der Hypo Real Estate

Die früheren Aktionäre der Skandalbank Hypo Real Estate haben in ihrem juristischem Kampf gegen den Staat einen Etappensieg errungen. Das Landgericht München legt eine Klage gegen die HRE-Verstaatlichung zur Prüfung dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg vor.

Damit muss sich erstmals ein Gericht außerhalb Deutschlands mit der Vorgehensweise der Bundesregierung bei der HRE-Rettung befassen. "Das ist ein Riesenerfolg", sagte Kläger Bohdan Kalwarowskyj nach der Entscheidung.

Dem Bund drohen damit neben anhaltenden Milliardenverlusten bei der HRE und dem fluchtartigen Abgang des früheren Chefs Axel Wieandt neue juristische Probleme.

Der Steuerberater Kalwarowskyj hatte die HRE-Aktien für seine Kinder gekauft und fühlt sich vom Staat erpresst und enteignet, weil er sie im Zuge der Verstaatlichung zum Schleuderpreis von 1,30 Euro an den Bund abgeben musste.

Er verlor tausende Euro und zog zusammen mit ein paar Mitstreitern in eine ungleiche Schlacht: Auf der einen Seite ein paar Dutzend Aktionäre, auf der anderen der Staat. "Da sind wir eigentlich hoffnungslos unterlegen."

Anfangs wurden die Aktionäre noch belächelt, die sich mit einem so mächtigen Gegner anlegen wollten. Inzwischen mehren sich aber die Anzeichen, dass ihre Aussichten auf Schadenersatz nicht schlecht stehen. Zahlen müsste bei einem Erfolg in allen Fällen der Bund, dem die HRE nach Milliardenhilfen vollständig gehört.

Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen schnellt nach oben

Das hoch verschuldete Griechenland sollte nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch sofort bei EU und IWF Hilfe beantragen. Die rasant steigenden Risikoprämien für griechische Anleihen und Unklarheiten über den Notfallplan der EU ließen keine lange Verzögerung zu, sagte der für das Mittelmeer-Land zuständige Analyst Chris Pryce.

"Es ist an der Zeit, dass die Euro-Zone und die griechische Regierung das wahre Ausmaß ihrer Probleme anerkennen." Er bemängelte, dass trotz des im vergangenen Monat beschlossenen Notfallplans unklar ist, was die EU genau tun wolle, wann sie es tun wolle, und wie viel Hilfe sie bereitstellen würde.

Der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen kletterte am Donnerstag den dritten Tag in Folge auf ein neues Rekordhoch.

Investoren verlangten für zehnjährige Staatsanleihen eine Rendite von rund 7,5 Prozent - gut 4,5 Prozentpunkte mehr als für entsprechende Papieren aus Deutschland. Die Aktien griechischer Banken büßten in Athen im Schnitt mehr als sieben Prozent an Wert ein.

Die Entwicklung setzt Griechenland enorm unter Druck, weil das Land bereits am 20. April Schulden von 8,2 Milliarden Euro tilgen muss und im Mai weitere Milliarden benötigt.

Rekordkreditvergabe der Weltbank

Die Weltbank hat Schwellenländern in der Finanzkrise mit Rekordhilfen unter die Arme gegriffen. In den vergangenen 18 Monaten seien 100 Milliarden Dollar an Krediten ausgegeben worden, teilte die Organisation mit.

Der Löwenanteil, rund 60,3 Milliarden Dollar, sei an Länder mit einem mittleren Inlandsprodukt gegangen, die sich an den Finanzmärkten nur schwer Geld hätten leihen können.

Während die ärmsten Länder zuvor zwölf Milliarden Dollar an Krediten und Darlehen bekamen, stieg der Betrag in der Krise auf über 21 Milliarden Dollar. Viele Staaten versuchten mit dem Gang zur Weltbank Einschnitte im sozialen Netz vermeiden.

© sueddeutsche.de/Reuters/dpa/pak/tob
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