Süddeutsche Zeitung

Finanzen kompakt:HSH Nordbank: Nonnenmacher unter Verdacht

Es gibt neue Spekulationen über ein mögliches Fehlverhalten des Chefs der HSH Nordbank. Außerdem: Griechenland verschiebt den geplanten Banken-Stresstest. Das Wichtigste in Kürze.

Die skandalgeschüttelte HSH Nordbank kommt nicht aus den Schlagzeilen: In der Führung der Landesbank sollen dem NDR zufolge vor zwei Jahren Informationen über drohende Verluste nicht weitergegeben worden sein, die später zum Rücktritt des damaligen Vorstandschefs Hans Berger geführt haben.

Der Radio-Sender NDR Info berief sich auf eine ihm vorliegende Mail eines Mitarbeiters der Londoner Niederlassung, in der dieser die HSH-Zentrale in Hamburg bereits am 14. Oktober 2008 wegen der Verluste um Hilfe gebeten habe. Der damalige HSH-Chef Berger habe davon aber erst drei Wochen später erfahren. Zuvor hatte Berger die Lage der Bank auf einer Pressekonferenz deutlich positiver dargestellt.

Erst nach dem öffentlichen Auftritt Bergers soll ihn der damalige Finanzvorstand Dirk Jens Nonnenmacher informiert haben, dass die Bank mehrere hundert Millionen Euro abschreiben müsse. Wegen der Schieflage der Landesbank war Berger dann zurückgetreten. Kurz danach, im November 2008, wurde Nonnenmacher dann an die Spitze der HSH berufen.

Ein HSH-Sprecher verwies am Montag auf das Gutachten der Anwaltskanzlei Freshfields. Darin hieß es, dass Nonnenmacher im Zusammenhang mit den sogenannten Omega-Transaktionen keine Pflichten verletzt habe.

Nachdem die Probleme der Bank bekannt geworden waren, habe auf Arbeitsebene zunächst geklärt werden müssen, wie die Omega-Transaktionen zu bilanzieren seien. Anschließend seien die Vorstände und Gremien der Bank über die Auswirkungen informiert worden. "Vorwürfe werden nicht richtiger, weil sie regelmäßig wiederholt werden", sagte der Sprecher.

Zudem ermittelt nach Angaben der Bank in der Causa HSH auch die Finanzaufsicht Bafin. Im Rahmen einer Sonderprüfung nimmt die Behörde das Finanzinstitut wegen möglicher Mängel in der Risikokontrolle unter die Lupe. Ein Sprecher der Bafin wollte sich dazu nicht äußern.

Griechenland verschiebt Stresstest

Griechenland wird Zentralbank-Kreisen zufolge seine Stresstests für die heimischen Banken auf einen späteren Termin im Herbst verschieben. Die Tests kämen nun "sehr wahrscheinlich im Oktober", sagte ein Vertreter der Bank von Griechenland. Bislang sei dafür intern der September ins Auge gefasst worden.

Im Gegenzug für das 110 Milliarden Euro schwere Hilfspaket von Europäischer Union und dem Internationalem Währungsfonds hat Griechenland unter anderem eine stärkere Überwachung seines Bankensektors zugesichert, einschließlich vierteljährlicher Stresstests. Die internationalen Geldgeber des hoch verschuldeten und rezessionsgeplagten Landes wollen sichergehen, dass das dortige Bankensystem ausreichend gegen Kreditausfälle gewappnet ist.

Der Zentralbanker verwies darauf, dass an dem umfassenden europäischen Belastungstest im Juli auch griechische Institute teilgenommen haben. "Seitdem hat sich nicht viel geändert", sagte die Person. Sie äußerte sich nicht dazu, inwieweit sich der Test der Bank von Griechenland von dem der europäischen Aufsichtsbehörden unterscheidet. Bei dem europäischen Test war als einziges griechisches Geldhaus die ATE-Bank durchgefallen.

Keine Kreditklemme

Die Privatbanken in Deutschland erwarten trotz der schärferen Regulierung keine Engpässe in der Kreditversorgung. "Aus heutiger Sicht sehe ich keine Kreditklemme auf uns zukommen", sagte Bankenverbands-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber.

Er warnte aber zugleich, dass einige Banken wegen des zusätzlichen Kapitalbedarfs ihr Geschäft zurückfahren könnten. Weber machte deutlich, dass der Verband für die zehn größten deutschen Institute nicht mehr - wie vor der Entscheidung zu den Kapitalvorschriften Basel III - mit einem zusätzlichen Kapitalbedarf von mehr als 100 Milliarden Euro rechne. Eine neue Prognose gab er aber nicht ab.

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