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Finanzen kompakt:Hoffnung für Lehman-Opfer

Die Frankfurter Sparkasse soll einen Anleger entschädigen, dem Lehman-Zertifikate verkaufte, die inzwischen wertlos sind. Außerdem: Etappensieg für Kirch in seiner Dauerfehde mit der Deutschen Bank.

Ein Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main macht Lehman-Geschädigten Hoffnung: Das Gericht verurteilte am Montag die Frankfurter Sparkasse dazu, einem 38-jährigen Anleger den Kaufpreis für nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank wertlos gewordene Zertifikate zu erstatten.

Filiale des US-Pleiteinstituts Lehman Brothers in der Frankfurter Börsenstraße. Klärte die Frankfurter Sparkasse ihre Anleger ausreichend auf? In einem Fall verneinte das zuständige Landgericht nun diese Frage zugunsten eines Anlegers.

(Foto: Foto: AP)

Nach Ansicht der Richter hatte die Bank ihren Kunden nicht ausreichend über die Risiken der Papiere aufgeklärt. Die Bank kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Kläger-Anwalt Matthias Schröder bezeichnete das Urteil als einen "Meilenstein mit Mustercharakter". Seine Kanzlei vertrete insgesamt rund 400 weitere Kleinanleger aus dem Frankfurter Raum. Die meisten von ihnen seien Rentner, die im Gegensatz zu dem 38-Jährigen nur wenig Erfahrung mit dem Finanzmarkt gehabt hätten.

Durch Falschberatung seitens mehrerer Banken sei ihnen ein Schaden von teilweise mehreren 10.000 Euro entstanden. Sofern die Sparkasse keinen Vergleich anbiete, werde er die übrigen Klagen im Laufe der nächsten Monate einreichen, sagte Schröder.

Ein Sprecher der Frankfurter Sparkasse sagte, dass die Bank Berufung gegen das Urteil einlegen werde. Der Anleger sei im Beratungsgespräch über den Inhalt und die Funktionsweise des dem Zertifikat zugrundeliegenden EuroStoxx aufgeklärt worden. "Damit war er aus Sicht der Sparkasse auch über das zu liefernde Ersatzzertifikat auf den EuroStoxx aufgeklärt", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Kirch gewinnt Klage gegen Deutsche Bank

In der Dauerfehde gegen die Deutsche Bank haben der Medienunternehmer Leo Kirch und seine Unterstützer wieder einen Etappensieg errungen. Das Landgericht Frankfurt erklärte sieben Beschlüsse der Hauptversammlung der Deutschen Bank vom Mai 2008 für nichtig (Az 3-05 O 115/08). Die Einladung zur Hauptversammlung sei formal fehlerhaft gewesen, lautet die am Montag bekanntgewordene Begründung. Geklagt hatten neun Aktionäre, darunter Kirch.

Der Medienunternehmer führt seit Jahren einen Rechtsstreit mit Deutschlands größter Bank, weil er sie für den Niedergang seines Medienimperiums mitverantwortlich macht. Dabei hatte er vor Gericht in einigen Verfahren recht bekommen, aber auch Niederlagen einstecken müssen.

Die Deutsche Bank kündigte auf Anfrage an, gegen die Entscheidung in Berufung zu gehen und sieht sich durch zwei frühere Urteile im Recht. Denn bislang haben die Gerichte in diesem Fall keine einheitliche Haltung vertreten.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte bereits in zwei Entscheidungen vom Oktober 2008 und Juni 2009 klar gemacht, dass die Einladung zur Hauptversammlung 2008 den gesetzlichen Anforderungen genüge. "Wir sind daher zuversichtlich, dass das Urteil keinen Bestand haben wird", sagte ein Deutsche Bank- Sprecher.

Washington sahnt bei Bankenrettung ab

Es ist eine Hilfsaktion in bislang ungekanntem Ausmaß: Hunderte Milliarden Dollar hat die US-Regierung bislang eingesetzt, um Banken und Unternehmen in der Finanz- und Wirtschaftskrise zu retten. Das Erstaunliche: Dieses Engagement erweist sich zumindest vorläufig als lukrativ. Denn nach Kalkulationen der New York Times hat der amerikanische Staat knapp ein Jahr nach Beginn seines Rettungsprogrammes TARP hohe Profite erzielt.

Washington hatte Aktien von Instituten wie Goldman Sachs, Morgan Stanley und etlichen weiteren Banken aufgekauft, nachdem deren Kurse massiv eingebrochen waren. Im Zuge der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und den anschließenden Verwerfungen auf den Finanzmärkten waren die Titel mancher Institute zu Pennystocks geworden.

Inzwischen haben die Notierungen aber wieder angezogen und immer mehr Geldhäuser kaufen ihre Anteile zum aktuellen Preis zurück, was Geld in die Staatskassen spült.

Die positive Entwicklung nährt der New York Times zufolge die Hoffnung, dass sich die Regierung bald wieder aus dem Bankensektor zurückziehen kann.