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Finanzen kompakt:Banker-Boni: Vom Nehmen und Geben

Der britische Premierminister Gordon Brown fordert Banker zur Rückzahlung ihrer Boni auf. Außerdem: Die WGZ-Bank verbucht Gewinne auf "Vorkrisen-Niveau".

Der britische Premierminister Gordon Brown hat eine internationale Regelung zu den Boni-Zahlungen an Bank-Manager gefordert.

Gordon Brown, Foto: getty

Der britische Premierminister Gordon Brown möchte erreichen, dass Banker ihre Boni zurückzahlen - wenn sich das entsprechende Geschäft als unerfolgreich herausstellt.

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Wenn ein Bonus für ein Geschäft gezahlt worden sei, das später schiefgegangen sei, dann müsse das Geld zurückgezahlt werden, erklärte Brown in einem Interview mit der Financial Times. Boni sollten sich auf die langfristige Leistung und nicht nur auf Jahresergebnisse und spekulative Geschäfte beziehen, forderte er.

Brown sprach sich dabei für eine schnelle Neuregelung aus, die allerdings mit den großen Handelsnationen abgestimmt seien müsse. Mit Blick auf das G-20-Treffen noch in diesem Monat in den USA erklärte Brown, es wäre "ein historischer Fehler zuglauben, das wir jetzt wieder zur Tagesordnung zurückkehren könnten".

Zurückhaltend äußerte sich Brown allerdings zum Vorstoß des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, eine Obergrenze für Banker-Boni einzuführen. Es handele sich um eine "legitime Debatte", sei aber schwierig durchzusetzen, gab sich Brown skeptisch.

Einzeltäter Kerviel

In der Affäre um eigenmächtige Milliardenspekulationen bei der französischen Großbank Société Générale muss sich der Börsenhändler Jérôme Kerviel allein vor Gericht verantworten. In der Anklageschrift für den Prozess im kommenden Jahr sehen die Untersuchungsrichter den 32-Jährigen als Einzeltäter. Die Société Générale beschuldigt Kerviel, ihr durch seine Geschäfte einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro zugefügt zu haben.

Kerviel werden Vertrauensbruch, Fälschung und unbefugte Nutzung von Computersystemen vorgeworfen, wie es in der am Montagabend bekanntgewordenen Anklageschrift der zuständigen Untersuchungsrichter heißt.

Der Händler hat demnach vor der Entdeckung seiner Spekulationen im Februar 2008 zeitweise Positionen von 50 Milliarden Euro aufgebaut. Er soll dabei fiktive Orders eingesetzt haben, um seine Geschäfte zu verschleiern. Kerviel drohen in dem für das erste Halbjahr 2010 erwarteten Verfahren fünf Jahre Haft und 375.000 Euro Geldstrafe.

Der Börsenhändler wirft seinen Vorgesetzten dagegen vor, von seinen Geschäften gewusst zu haben. Sie schritten demnach nicht ein, so lange er Gewinne machte. "Glauben Sie wirklich, ein 15-Milliarden-Euro-Geschäft ließe sich unbemerkt abwickeln, ohne dass die Bank Fragen stellt?", hatte Kerviel im Februar gesagt. Er habe sich von einer "Spirale" der Spekulation mitreißen lassen, "auf die meine Vorgesetzten Öl gegossen haben, damit es läuft".

Doch Manager der Société Générale müssen jetzt ebensowenig vor Gericht wie Kerviels Assistent, gegen den zunächst wegen Mittäterschaft ermittelt worden war.

Frankreichs Bankenaufsicht hatte in ihrer eigenen Untersuchung die Société Générale wegen "schwerwiegender Unzulänglichkeiten des internen Kontrollsystems" verwarnt und mit einer Buße von vier Millionen Euro belegt. Im Gefolge der weltweit für Schlagzeilen sorgenden Affäre war auch Bankchef Daniel Bouton zurückgetreten.

Die Untersuchungsrichter verzichteten nun lediglich darauf, Kerviel wie von der Staatsanwaltschaft gefordert wegen "schweren" Vertrauensbruchs anzuklagen, wie die Zeitung Le Figaro betont. Demzufolge ist Kerviels Delikt juristisch insgesamt schwer greifbar, worauf auch ein Teil der Strategie von Kerviels Verteidiger setze. So werde dem Händler letztlich nicht vorgeworfen, Geld veruntreut zu haben, sondern lediglich, die Computer der Bank unzulässig genutzt zu haben.

WGZ Bank: Gewinne auf "Vorkrisen-Niveau"

Die genossenschaftliche WGZ Bank hat trotz Finanzkrise ihren Gewinn mehr als verdoppelt. Der Überschuss schnellte in den ersten sechs Monaten auf 186,5 Millionen Euro nach 71,3 Millionen vor Jahresfrist und liegt damit auf "Vorkrisen-Niveau", wie Vorstandschef Werner Böhnke sagte.

Maßgeblichen Anteil an diesem starken Zuwachs hatte das Handelsergebnis, das aufgrund von Werterholungen auf 193 Millionen Euro stieg nach einem Minus von 117,7 Millionen Euro. "Dennoch darf dieser deutliche Swing nicht zu allzu großer Euphorie verleiten", warnte Böhnke. "Die Situation an den Geld- und Kapitalmärkten ist nach wie vor sehr angespannt."

Daher wagte Böhnke keine konkrete Jahresprognose. "Eine lineare Hochrechnung der Halbjahreszahlen auf das Gesamtjahr nehmen wir nicht vor." Sollte die derzeitige Stabilisierung der Finanzmärkte und die Erholung der Konjunktur aber anhalten, werde sich die positive Entwicklung fortsetzen und eine "attraktive" Dividende ermöglichen.

Für den Fall von Kreditausfällen wappnet sich die Bankengruppe mit einer auf 70,5 (Vorjahr: 7,8) Millionen Euro erhöhten Risikovorsorge. Bislang gebe es aber noch keine nennenswerten Ausfälle, sagt Böhnke. Er kündigte zudem an, die Zahl der Beschäftigten von derzeit 1520 aufzustocken. Allein rund ums Kreditgeschäft seien 40 Stellen offen.

Zudem wird es in den kommenden Wochen eine Kapitalerhöhung in Höhe von etwa 300 Millionen Euro geben. Diese solle durch Ausgabe neuer Aktien in Verbindung mit einer Nachranganleihe im Verhältnis zwei zu eins erfolgen. Die Kernkapitalquote werde danach auf über neun Prozent steigen von derzeit 8,3 Prozent. Gesetzlich gefordert sind vier Prozent.

Zudem werde sich die WGZ mit rund 26 Millionen Euro an der geplanten Kapitalerhöhung des Schwesterinstituts DZ Bank beteiligen. Ende März hatte die beiden Spitzeninstitute mit ihren rund 1000 Volks- und Raiffeisenbanken nach neunmonatigen Verhandlungen das abermalige Scheitern ihrer Fusionsgespräche erklärt. Bei zahlreichen Projekten arbeiten sie aber zusammen.

© pak

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